Haus der Geschichte: Häupl gegen Standort Morzinplatz
- Stadt Wien auf der Suche nach geeignetem Gebäude im innerstädtischen Bereich

Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hält wenig von dem Vorschlag von Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP), das "Haus der Geschichte" als Neubau am Wiener Morzinplatz zu errichten. Dort befand sich während der NS-Herrschaft das Hauptquartier der Gestapo.
Häupl hatte sich in der Vergangenheit vehement für das nun endgültig vom Parlament genutzte Palais Epstein als "Haus der Geschichte" eingesetzt. Man müsse nun ein gleichwertiges Gebäude historisches Gebäude in der Innenstadt finden, so der Bürgermeister.
Kein Neubau
"Ich glaube nicht, dass der Neubau eines Hauses, auch wenn es ein historisch so belasteter Platz ist wie der Morzinplatz, tatsächlich das Vernünftigste ist", so Häupl. "Wir sollten uns nach einem Ort umschauen, der tatsächlich den 'genius loci' der neueren Geschichte Wiens trägt." Es gehe nicht um ein Shoah-Haus, sondern um ein Haus der Geschichte, in dem die Entwicklung vom Ende der Monarchie über die Zwischenkriegszeit, den Austrofaschismus und den Nationalsozialismus bis zur Zweiten Republik dargestellt werden sollte. "Da sollte man einen Ort finden, der dem auch Rechnung trägt."
Überlegungen und Verhandlungen dazu seien im Laufen, so der Bürgermeister, die Stadt Wien sei nicht inaktiv. Mehr wollte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt geben. Klar sei jedenfalls, dass es eine großzügige Lösung sein müsse. Häupl: "Also der Sparefroh wird da seitens des Bundes nicht am Werk sein dürfen."
Mit seiner Ablehnung des Standorts Morzinplatz trifft sich Häupl mit Leon Zelman, dem Leiter des Jewish Welcom Service (JWS), der sich immer für ein "Haus der Geschichte" im Palais Epstein ausgesprochen hatte. Auch Zelman spricht vom "genius loci", der für ihn nur das Palais Epstein an der Ringstraße als geeignet erscheinen lässt. Sein Ziel ist es, mit einem "Haus der Geschichte" an jene Menschen zu erinnern, die im Nationalsozialismus vertrieben wurden und später nicht mehr willkommen waren.
"Diese Menschen waren Bürger dieses Landes. Mit Liebe zu dieser Stadt." Dabei handle es sich nicht nur um Juden, betonte er. Und als Symbol für diese Menschen, denen die Stadt Wien Dank schuldig sei, eigne sich dank seiner Vergangenheit kein Haus so gut wie das Epstein.
Im "Haus der Geschichte" will Zelman eine Begegnung mit der von ihm angesprochenen Geschichte ermöglichen, angesprochen werden solle vor allem die Jugend. Ein derartiges Zeichen würden sich auch jene Menschen erwarten, die er mit dem JWS immer wieder zu Besuchen in ihrer früheren Heimat einlädt.
Keine Schwerpunktsetzung Holocaust
Nichts anfangen kann Zelman jedenfalls mit dem Standort Morzinplatz und einer mit dieser Auswahl verbundenen Schwerpunktsetzung auf den Holocaust. Man solle nicht dort bauen, wo Menschen geschunden, geknechtet und getötet worden seien. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Österreich einseitig mit dieser negativen Vergangenheit konfrontiert werde. Zelman sieht auch keinen Zusammenhang zwischen seinem Projekt und der geplanten Ausstellung zum Staatsvertrags-Jubiläum 2005.
All diesen Bemühungen zum Trotz arbeitet man im Parlament an der Umsetzung des von allen Parteien gefassten Beschlusses einer Nutzung des Ringstraßen-Palais für das Hohe Haus. Derzeit arbeiten die Architekten Alexander van der Donk und Georg Töpfer als Wettbewerbssieger an den Einreichplänen, so Parlaments-Vizedirektor Sigurd Bauer. In den kommenden zwei Monaten rechnet Bauer mit der Bauverhandlung, im Herbst könnte Baubeginn sein.
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