Freitag, 14. Februar 2003

Börsen nach Blix-Rede im Plus - Ölpreis gibt nach

  • Märkte hätten härtere Worte erwartet

Die Börsen haben positiv auf die Rede von UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix vor dem UN-Sicherheitsrat reagiert. Dieseits und jenseits des Atlantiks verbuchten die wichtigsten Börsenbarometer deutliche Kursgewinne. Der Öl-Preis, der wegen des drohenden Krieges in den vergangenen Wochen stark gestiegen war, gab angesichts der als relativ moderat eingeschätzten Äußerungen von Blix wieder nach.

Der DAX stieg am Freitagnachmittag im Verlauf der Rede sprunghaft um zeitweise hundert Punkte auf über 2.700 Zähler. Mehr als eine Stunde nach dem Ende von Blix' Rede (17.55 Uhr) stand das wichtigste deutsche Börsenbarometer dann noch mit 2.644 Punkten rund 3,5 Prozent gegenüber dem Vortag im Plus.

Auch an der Wall Street brachte der Vortrag des obersten Waffeninspektors deutliche Kursauschläge nach oben. Der Dow Jones stieg zeitweise deutlich über die Marke von 7.800 Punkten. Um 17.45 Uhr stand der US-Leitindex dann aber mit 7.767.70 nur noch 0,2 Prozent im Plus. Auch der Technologieindex Nasdaq gab anfänglich deutlichere Gewinne wieder ab und lag am frühen Abend mit 1.284 Zählern rund 0,5 Prozent über dem Vortag.

Von der in den USA verzeichneten Gegenbewegung waren außer Frankfurt die meisten europäischen Börsen wegen des vielfachen Handelsschlusses um 17.30 Uhr nicht mehr betroffen. Madrid schloss damit 2,67 Prozent im Plus, in Zürich legten die Kurse bis zum Handelsende um 2,7 Prozent zu, und Paris ging mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent aus dem Tag. Amsterdam gewann sogar 3,15 Prozent. Ausnahme war allein London: Dort zeigte sich der Footsie mit 3.611,9 Zählern praktisch unverändert (plus 0,03 Prozent).

Ölpreis gab nach
In London sank unterdessen der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zwischen Anfang und Ende der Blix-Rede um 33 Cent auf 32,25 Dollar (29,88 Euro). Im Frühhandel in New York verbilligte sich die Sorte Light Sweet Crude gleichzeitig um 21 Cent auf 36,15 Dollar. Öl-Experte Tony Machacek vom Handelshaus Prudential Bache sagte, Blix habe darauf hingewiesen, dass die irakische Führung im Großen und Ganzen mit den Inspektoren kooperiert habe. "Der Markt dürfte aggressivere Worte erwartet haben."

Auch der Goldpreis ist am Freitag im Laufe der Rede des UNO-Chefwaffeninspektors weiter deutlich gefallen. Eine Feinunze Gold notierte bei 349,20/350,00 Dollar (323,5/324 Euro) nach 357,25/358,00 Dollar zum Vorabendschluss in New York. Das Londoner Vormittagsfixing erfolgte bei 356,25 Dollar je Feinunze nach 352,80 Dollar am Donnerstagnachmittag.

Blix hatte vor dem Sicherheitsrat erklärt, die UN-Inspektoren hätten keine Massenvernichtungswaffen in Irak gefunden. Irak könne in "kurzer" Zeit entwaffnet werden. Nach Einschätzung von Blix hat Irak jedoch für "viele" verbotene Waffen nicht entsprechend der UN-Resolution Rechenschaft abgelegt.

14.2.2003 21:01