Shopping-Streit: Ikea will Sonntag aufsperren!
- Ikea-Boss: EU könnte Druck ausüben
- Konkurrenz für Ikea steigt
Die Debatte geht weiter: Ikea-Boss Anders Dahlvig spricht sich entschieden für die Freigabe des Shoppens am Sonntag aus. Wie er in Wien erklärte, sieht sich das schwedische Möbelhaus Ikea in Europa als einer der engagiertesten Lobbyisten für liberalere Ladenöffnungszeiten. Dahlvig ließ im APA-Gespräch in Wien vor allem auch mit seiner Vermutung aufhorchen, dass dieses Thema über kurz oder lang ohnehin auf Druck der EU gelöst werden könnte.
Er wolle "absolut" auch an Sonntagen aufsperren, sagte Dahlvig. "Wir versuchen zu lobbyieren, um Veränderungen zu erreichen". Da gebe es natürlich riesige Widerstände, in erster Linie von Mitbewerbern, die daraus nicht die gleichen Vorteile ziehen würden, sowie von der Kirche und von Gewerkschaften. Es sei fast überall das gleiche. Aus Sicht der Kunden brächten weniger Restriktionen aber jedenfalls Vorteile.
"Meine Hoffnung ist, dass wir Unterstützung von der EU bekommen", sagte Dahlvig im APA-Gespräch. Denn es sei ja eines der Ziele der EU, in allen Märkten gleiche Marktchancen und Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. "Am Sonntag in einigen Ländern nicht aufsperren zu dürfen, ist nicht freier Wettbewerb."
Deutscher Markt für Ikea besonders wichtig
Schmerzhaft für Ikea sind vor allem die rigide Sonntags-Regelungen in Deutschland, dem größten Einzelmarkt des Konzerns mit einem Umsatzanteil von rund 20 Prozent. Österreich, das als eines der Länder mit den restriktivsten Ladenschlussgesetzen in der EU gilt, ist der ehemalige Ikea-Österreich-Chef und jetzige Area-Manager, Per Wendschlag, einer der Vorkämpfer für eine Lockerung der Sonntagsöffnungszeiten.
Wie berichtet haben große Handelsketten wiederholt den Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit Fragen befasst, ob einzelstaatliche Regelungen über die Öffnungszeiten der Geschäfte den Handel nicht behindern.
Konkurrenz steigt
Zweifellos werde in den nächsten Jahren die Konkurrenz etwa durch Do-it-your-Self-Ketten (in Europa) oder große Einzelhandelsketten (USA) steigen. Nicht nur bei Möbeln, sondern auch bei Heim-Accessoirs. "Immer mehr Anbieter steigen ins globale Geschäft ein". Ikeas Diskont-Strategie dagegen: Die Preise sollen im nächsten Jahrzehnt um weitere 15 bis 20 Prozent gesenkt werden, wie dies schon in den vergangenen fünf Jahren der Fall gewesen sei.
Möbel von der Schiene
Teurerer Straßentransport durch neue Maut- und Abgabenmodelle in Europa veranlassten den schwedischen Möbelkonzern für seine Möbellieferungen quer durch Europa als eines der ersten Unternehmen vorigen Sommer bereits zur "Selbsthilfe" per Privatbahn. Seit Ende Juni 2002 sind pro Woche fünf bis sechs Ikea-eigene Züge zwischen dem schwedischen Konzernsitz Älmhult und dem deutschen Duisburg unterwegs. Dahlvig umschreibt seine Erfahrungen der ersten Monate als "Herausforderung". Zur "Flexibilität" etwa der Deutschen Bahn fallen ihm Urteile "sehr alt und extrem nicht marktorientiert" sowie "gewerkschaftlich dominiert" ein.
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