Vor 100 Jahren wurde ein Star geboren - Sindelar
- Torberg: "Er spielte Fußball wie kein Zweiter"

Matthias Sindelar gehört zur österreichischen Fußball-Geschichte wie kaum ein anderer. Wenn die "Alten" den Jungen vorschwärmen, wie großartig einst gekickt wurde, dann wird von vielen immer wieder der Name Sindelar genannt. Der "Papierene", wie man den am 10. Februar 1903 in Kozlau bei Iglau geborenen Sohn eines mährischen Maurers später wegen seiner eher schmächtigen Erscheinung nannte, wurde fast schon zu Lebzeiten zur Legende. Heute wäre Matthias Sindelar 100 Jahre alt geworden.
Die Familie Sindelar zog nach Wien-Favoriten, wo der Bub auf der Steinmetzwies'n das Fußballspielen erlernte. Über die Hertha kam er 1924 zu den Amateuren, der späteren Austria, der er bis 1939 angehörte und für die er viele großartige Spiele bestritt. Seine glänzende Technik, Körpertäuschungen und Übersicht beschrieb einer seiner vielen Bewunderer, Friedrich Torberg, mit den Sätzen: "Er spielte Fußball wie kein Zweiter, er stak voll Witz und Phantasie. Er spielte lässig, leicht und heiter, er spielte stets, er kämpfte nie."
43 Mal trug Sindelar den österreichischen Teamdress, beim 2:1 1926 in Prag gegen die Tschechoslowakei debütierte er und steuerte ebenso ein Tor bei wie in seinem letzten Länderspiel beim 4:3 1937 in Wien gegen die Schweiz. Mit insgesamt 27 Toren demonstrierte der Mittelstürmer auch seine Abschluss-Stärke.
"Motzl" im violetten Jahrhundert-Team
Die Leistungen von "Motzl", wie er einst im Spitznamen verrückten Wien genannt wurde, sind auch in der vom internationalen Verband für Fußball-Geschichte und Statistik (IFFHS) durchgeführten Wahl zum "Welt-Fußballer des Jahrhunderts" berücksichtigt worden. Er landete auf Platz 22, hinter dem Engländer Sir Stanley Matthews (11.) und dem Italiener Giuseppe Meazza (21.) und damit als drittbester Spieler unter den bereits vor und während des Zweiten Weltkriegs Aktiven. In einer Europa-Rangliste ist Sindelar die Nummer 13. Und dass der Matthias auch der anlässlich 90 Jahre Austria gekürten violetten Jahrhundert-Mannschaft angehört, versteht sich wohl von selbst.
Im "Wunderteam"
Natürlich war er auch ein wichtiges Mitglied des "Wunderteams", das am 16. Mai 1931 mit dem 5:0 auf der Hohen Warte gegen Schottland aus der Taufe gehoben und am 12. Februar 1933 mit dem 4:0 in Paris gegen Frankreich wieder begraben wurde. Nach zwölf Siegen, zwei Remis und nur der unglücklichen 3:4-Niederlage in London gegen England (Torverhältnis 62:18), wobei Sindelar nur zwei der 15 Spiele versäumt hatte.
"Er war ein Kind aus Favoriten"
Am 23. Jänner 1939 wurden der damals knapp 36-Jährige und seine Freundin in deren Wohnung in der Wiener Annagasse tot aufgefunden. "Kohlenoxydvergiftung infolge eines schadhaften Ofens" war im Polizeibericht zu lesen. 15.000 begleiteten den Fußballstar auf seinem letzten Weg zum Grab auf dem Zentralfriedhof. "Das Tor, durch das er dann geschritten, lag stumm und dunkel ganz und gar. Er war ein Kind aus Favoriten und hieß Matthias Sindelar", dichtete Torberg.
