Sonntag, 16. Februar 2003

Slalom-Weltmeister Kostelic: "Ich bin kein Champion"

  • Sein größtes Ziel ist eine Olympia-Medaille

Ivica Kostelic machte am Sonntag mit seiner Slalom-Goldmedaille in St. Moritz das "kroatische Wochenende" perfekt. Der 23-Jährige machte es seiner Schwester Janica nach, blieb aber nach seiner ersten Medaille bei einem Großereignis bescheiden. "Ich bin kein Champion, ich bin nur ein Slalomläufer und ein guter Skifahrer. Meine Schwester Janica oder Leute wie Miller, Aamodt oder Kjus - das sind Champions", zog der frisch gebackene Weltmeister vor den "Allroundern" den Hut.

Dennoch lief Kostelic am Sonntag im Zielraum die Gänsehaut hinunter, schließlich wurde Ivica zum ersten männlichen WM-Medaillengewinner seines Heimatlandes. "Dieses Ereignis geht in die Geschichte ein. Die Emotionen im Ziel waren überwältigend, ich hab auch eine Träne geweint", berichtete Kostelic, der in diesem Winter bereits drei Weltcup-Slaloms gewonnen hat und auf dem besten Weg zum Gewinn der "kleinen Kristallkugel" ist.

Genau das ist auch das große Ziel des Mannes aus Zagreb, der Gewinn des Slalom-Weltcups würde ihm nämlich mehr als WM-Gold bedeuten. "Mein größter Traum ist eine Medaille bei Olympia, danach kommt der Weltcup und dann erst die WM", so der des Öfteren zur Rock-Gitarre greifende Kostelic, der nach seinem Einfädler im Olympia-Slalom 2002 in Salt Lake City bitter enttäuscht gewesen war.

Riesigen Respekt zeigt Ivica vor allem vor seiner Schwester Janica, die ihm beim gemeinsamen Training teilweise sogar gefährlich nahe kommt. "Es gibt keine Läuferin, die mental stärker ist als sie. Janica inspiriert mich, sie motiviert mich - sie ist ein echter Champion." Die schnellen Geschwister aus Zagreb schrieben übrigens Geschichte - in St. Moritz holten nämlich erstmals ein Bruder und seine Schwester bei ein und der selben WM Gold.

Aber auch Ivica selbst kann auf seine Kämpferqualitäten stolz sein, schließlich hat er eine schwere Knieverletzung aus jungen Jahren hinter sich und schaffte dennoch den Sprung in die Weltspitze. Dass das Sommer-Urlaubs-Land Kroatien, sprich die Familie Kostelic mit Trainer-Vater Ante und den Kindern Janica und Ivica, genauso viel Goldene wie Österreich vorzuweisen hat, findet auch der Slalom-Weltmeister witzig: "Für ein Land ohne Schnee nicht schlecht." Die Affäre rund um angebliche Aussagen von Kostelic, die Sympathien für die Nazis beinhalten, hat der Kroate bereits hinter sich gelassen.

Kostelic und der zweitplatzierte Schweizer Silvan Zurbriggen sagten übrigens bereits am Sonntagmorgen beim gemeinsamen Einfahren das Ergebnis voraus. "Gewinnst du heute wieder", fragte Zurbriggen, worauf Kostelic meinte: "Nur wenn du Zweiter wirst"...

16.2.2003 16:48