Mittwoch, 12. Februar 2003

Wieder fehlte Knauß ein Wimpernschlag zum Triumph

  • Nächstes Kapitel für den "Hundertstel-Hansi"
  • PLUS: Feuern Sie unsere Ski-Asse an & Ihr Gold-Tipp!

0,03 Sekunden - ein Wimpernschlag hat am Mittwoch im WM-Riesentorlauf von St. Moritz einer der sympathischsten Persönlichkeiten im Ski-Zirkus zum großen Triumph gefehlt. Ein echter "Glücksritter" wird aus dem seit drei Tagen 32 Jahre alten Hans Knauß zwar wohl nicht mehr, der Schladminger konnte aber auch mit seiner Silbernen, der dritten Medaille bei einem Großereignis nach Olympia-Silber 98 und WM-Bronze 99 (jeweils Super G), sehr gut leben.

Und im Juni zählt für Knauß die Frage nach Gold, Silber, Bronze, Blech oder irgendwelchen Hundertstel ohnehin nicht mehr, dann wird ein privates Highlight alles überstrahlen. Denn Lebensgefährtin Barbara zitterte im Engadin bereits "für zwei", im Juni erwartet das Paar Nachwuchs. Und noch im Sommer sollen die Hochzeitsglocken läuten.

Kein Happy End bei "Hundertstel-Reiterei"
Wohl nicht nur ganz Ski-Österreich hätte es dem Steirer, der im Jahr 2000 durch eine schwere Knieverletzung aus der Bahn geworfen worden war, vergönnt, wenn am Mittwoch seine große Stunde geschlagen hätte. Am Ende war es jedoch wieder eine "Hundertstel-Reiterei" (Bruder Bernhard Knauß, sechsfacher Ski-Profi-Weltmeister), die für Knauß erneut kein vollkommenes Happy-End zu bieten hatte.

Knauß gegen die Zeit
Aber der Motorrad-Freak hat ja mit diesen hauchdünnen Entscheidungen bereits genug Erfahrung. Einige Beispiele aus der Karriere des "Hundertstel-Hansi" gefällig? Bei der WM 1999 in Vail fehlte Knauß eine Hunderstel Sekunde auf Gold, mit diesem Rückstand "nur" Bronze zu erreichen, ist wohl einmalig. Dazu kommen vierte Plätze in Sestriere bei der WM 97 (Super-G), in Nagano bei Olympia 98 (Riesentorlauf) sowie in Vail bei der WM 99, wo in der Abfahrt 0,02 Sekunden auf Bronze fehlten.

Ihn als sportlichen "Pechvogel" abzustempeln, wäre jedoch angesichts von drei Medaillen bei Großereignissen, sechs Weltcup-Siegen (u.a. Abfahrt in Kitzbühel) und rund zwei Dutzend Weltcup-Podest-Plätzen unfair und nicht zutreffend. Und Knauß weiß aus eigener Erfahrung, dass es weitaus schlimmeres als ein knapp verpasstes Gold gibt. Im März 1985 hatte der Schladminger als damals 14-Jähriger seinen Bruder Helmut verloren, der bei einer Skitour von einer Lawine begraben wurde.

Kämpferherz
Das österreichische Ski-Mekka Kitzbühel spielt in der Karriere des Hans Knauß eine gewichtige Rolle. 1999 feierte er dort seinen Abfahrts-Triumph auf der Streif, während er ein Jahr später genau dort im Training stürzte und sich schwere Knieverletzungen zuzog. Knauß zeigte einmal mehr sein stark ausgeprägtes Kämpferherz, auch als sich die gesundheitlichen Probleme (Rückenprobleme kamen hinzu) als verzwickter und langwieriger als erwartet herausstellten.

Tickets löste Knauß oft in letzter Minute
Gerade rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2002 meldete sich Knauß zurück. Und zwar ausgerechnet in St. Moritz, wo sich er mit einem Stockerlplatz im Riesentorlauf gerade noch in den Flieger nach Übersee drängte. Und auch vor der WM in St. Moritz ließ sich der bescheidene Routinier bis zum letzten Drücker Zeit, ehe er mit seinem Triumph bei der WM-Generalprobe in Adelboden alle Zweifel vom Tisch wischte.

Vom Fließband aufs WM-Podest
Dass es gerade im Riesentorlauf mit der WM-Quali klappte, war kein Zufall. Denn zu Beginn der Saison traf Knauß für sich selbst eine wichtige Entscheidung. "Als ich mit dem Schiffi um die Abfahrts-Quali kämpfte, haben wir festgestellt, dass wir uns damit verheizen. Ich habe mich also voll auf den Riesentorlauf konzentriert und dadurch wieder ein gutes Gefühl für den perfekten Schwung bekommen", erzählt der ehemalige Atomic-Fließband-Arbeiter vom Wendepunkt, der ihn zwar nicht auf die Gold-, aber immerhin neuerlich auf die Silber-Spur brachte.

12.2.2003 15:44