Dienstag, 11. Februar 2003

Gold für Miller, Silber für Knauß, Bronze für Schlopy

  • Raich, Eberharter & Mayer weit zurück
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Sollen wir uns freuen oder weinen? Hans Knauß holt im Herren-RTL Österreichs 7. WM-Medaille. Und es ist die Silberne. Aber welches Pech: Auf Gold fehlen läppische 3/100. Bronze - nur 1/100 hinter Knauß - für den zweiten US-Boy, Erik Schlopy.

Hans Knauß hat bei der WM in St. Moritz mit Riesentorlauf-Silber die siebente WM-Medaille für Österreich gewonnen, den heiß ersehnten WM-Titel aber wieder einmal um einen Hauch verpasst. Der ging in einem verrückten Rennen an den US-Star Bode Miller, der sich 3/100 vor Knauß und 4/100 vor seinem sensationell fahrenden US-Landsmann Erik Schlopy mit seiner dritten Medaille noch vor dem Slalom praktisch bereits zum WM-König gekrönt hat.

Verrücktes Rennen
Es war wirklich verrückt, was sich da vor 27.000 Zuschauern auf der Corviglia abspielte. Auf dem Kurs ihres Trainers Walter Hubmann lief zunächst alles wunderbar für die Favoriten. Und für Österreich. Knauß fuhr mit Startnummer zwei klare Bestzeit vor Benni Raich (1), Michael von Grünigen lag als Dritter ebenso in Schlagweite wie Miller (4.) und ein zeitgleiches Quartett auf Platz sechs, zu dem auch Stephan Eberharter gehörte. Schon da zeigte sich aber, dass vordere Nummern deutlich bevorteilt sind.

Schlopy mit dem Lauf seines Lebens
Nur Christian Mayer hatte als 17. keine Chance mehr. Oder vielleicht doch? Schlopy trat den Beweis an, dass auf dem vom norwegischen "Debütanten" Vognild deutlich drehender gesetzten zweiten Kurs mit einer guten Nummer alles drin war. Der 30-Jährige, der wie Miller seit Jahren in Tirol (Patsch) überwintert und von Park City nach New York City übersiedelt ist, machte "mit dem Lauf meines Lebens" fast zwei Sekunden auf die Favoriten gut und fuhr von Platz 23 noch auf Rang drei.

Und während sowohl Raich (9.) als auch die großen "alten" Favoriten wie von Grünigen (7.) und Eberharter (23.) bei deren WM-Good-Bye durchgereicht wurden, fuhr etwa der Slowene Ales Gorza noch auf Rang vier, verpasste Bronze um 34/100.

Knauß wieder in Hundertstel-Krimi verwickelt
Nur Miller und Knauß fingen Schlopy noch um einen Hauch ab und dass er am Ende gerade ein Hundertstel vor Schlopy lag, war doch wenigstens ein kleiner Trost für Knauß. Der 32-jährige Steirer hat bekanntlich schon mehrmals in seiner von vielen Verletzungen geprägten Karriere Hundertstel-Pech gehabt, vor vier Jahren in Vail etwa blieb ihm im WM-Super-G nur Bronze - ein Hundertstel hinter den Ex-aequo-Siegern Hermann Maier und Lasse Kjus.

"Typisch Knauß"
"Typisch Knauß, das passt wieder zu dir", beschrieb der Silber-Gewinner seine ersten Gedanken als er im Ziel abschwang, auf die Anzeigetafel blickte und dort "+ 0,03" zu lesen war. Bereits zwei Stunden später sah die Welt aber schon wieder ganz anders aus. "Mittlerweile freue ich mich riesig über diese Medaille. Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren", stand für den 32-Jährigen fest.

Außerdem bedeutete St. Moritz 2003 aller Voraussicht nach nicht die letzte Chance auf Gold bei einem Großereignis. "In Bormio werdet's mich wahrscheinlich wiedersehen", versicherte der Schladminger, der auf Grund der deutlich zu hörenden Lautsprecheransagen besonders bange Minuten vor dem Start durchlebte. "Ich hab versucht, Übungen zu machen, durch die ich die Lautsprecheransagen nicht höre", beschrieb Knauß seine Ablenkungsversuche.

Eines stand für den Steirer aber fest: "Mit einem Sicherheitslauf gewinnst du heut nichts." Besonders dankbar war Knauß über einen Funkspruch vom Super-G-Weltmeister Stephan Eberharter, der so lautete: "Hans bitte bleib in der Rille drinnen!" Knauß versuchte darauf, gefühlvoll und nicht verkrampft zu fahren, "in der Rille" zu bleiben und gewann damit Silber - drei Hundertstel hinter Miller und eine vor dem zweiten US-Boy Erik Schlopy.

Lob von Miller für den Mitbewohner
Kombi-Weltmeister Miller sprach nach seiner zweiten Goldmedaille von einem "perfekten Tag". "Schon die Kombination war eng, aber das heute war wirklich knapp", schüttelte der 25-Jährige aus Franconia in New Hampshire den Kopf. "Im Riesentorlauf war für mich die Medaille am härtesten zu bekommen, deshalb bin ich jetzt wirklich happy", sagte Miller und lobte seinen Trainings-Kollegen und Mitbewohner Schlopy: "Wenn er so fährt wie heute, ist er nicht zu schlagen. Mich hat nur mein Vorsprung aus dem ersten Lauf gerettet."

Trauriger Abschied für Eberharter & von Grünigen
Traurig verlief der Abschied der großen Asse Eberharter und von Grünigen. "So eine Panier zu kriegen ist ein Wahnsinn. Natürlich wär's mir lieber gewesen, wenn es auch im zweiten schneller dahin gegangen wäre. Aber ganz verstehe ich das nicht,", gestand Eberharter. "Aber ich bin ja Weltmeister, also darf ich nicht böse sein."

Von Grünigen gestand: "Ich bin schon enttäuscht. Am meisten ärgert mich, dass die Medaille in Griffweite war. Der drehende Kurs war nicht das Problem, ich habe einen dummen Fehler gemacht."

Österreich hat nach sieben WM-Bewerben sieben Medaillen gewonnen. Drei Goldene und gleich vier Silberne, dafür noch keine Bronze-Medaille. Mit sechs Medaillen sind die USA aber sensationell im Rennen, davon hat alleine Miller mit zwei Gold und einer Silbernen die Hälfte gewonnen.

Ski-WM St. Moritz - Herren-RTL:
1.Bode MillerUSA2:45,93 Min.
2.Hans KnaußAUT2:45,96+0,03
3.Erik SchlopyUSA2:45,97+0,04
4.Ales GorzaSLO2:46,32+0,39
5.Aksel Lund SvindalNOR2:46,77+0,84
6.Kalle PalanderFIN2:46,82+0,89
7.Michael Von GrünigenSUI2:46,86+0,93
8.Alberto SchieppatiITA2:46,97+1,04
9.Benjamin RaichAUT2:46,99+1,06
.Joel ChenalFRA2:46,99+1,06
11.Frederic CoviliFRA2:47,31+1,38
12.Didier CucheSUI2:47,33+1,40
.Fredrik NybergSWE2:47,33+1,40
14.Christian MayerAUT2:47,35+1,42
15.Arnold RiederITA2:47,37+1,44
16.Daron RahlvesUSA2:47,51+1,58
17.Cristian Simari BirknerARG2:47,52+1,59
18.Tobias GrünenfelderSUI2:47,55+1,62
19.Marco BüchelLIE2:47,59+1,66
20.Ambrosi HoffmannSUI2:47,60+1,67
21.Dane SpencerUSA2:47,67+1,74
22.Didier DefagoSUI2:47,77+1,84
23.Stephan EberharterAUT2:47,96+2,03
24.Kjetil-Andre AamodtNOR2:48,25+2,32
.Truls Ove KarlsenNOR2:48,25+2,32
26.Alain BaxterGBR2:49,61+3,68
27.Jukka RajalaFIN2:50,28+4,35
28.Mitja DragsicSLO2:50,84+4,91
29.Jean-Philippe RoyCAN2:51,27+5,34
30.Markus GanahlLIE2:51,28+5,35

Ausgeschieden im 2. Durchgang u.a.: Davide Simoncelli (ITA), Julien Cousineau (CAN), Mitja Valencic (SLO), Thomas Grandi (CAN), Vincent Millet (FRA)

Im 1. Durchgang u.a. ausgeschieden: Massimiliano Blardone (ITA), Ivica Kostelic (CRO), Jean-Pierre Vidal (FRA), Andreas Ertl (GER)

11.2.2003 11:29