Montag, 10. Februar 2003

Herma Bauma im 89. Lebensjahr gestorben

  • 1948 holte sie in London Olympia-Gold im Speerwurf
  • "Ich habe nur für den Sport gelebt"

Österreichs Leichtathletik trauert um Herma Bauma. Die Speerwurf-Olympiasiegerin der Sommerspiele 1948 in London starb in in der Nacht auf Montag in Wien im Krankenhaus Lainz im 89. Lebensjahr. Die Wienerin, die am 23. Jänner 88 Jahre alt geworden war, befand sich seit Juli 2002 nach einem Schlaganfall in Spitalspflege. Vor zwei Wochen musste sie sich einer Darmoperation unterziehen, von der sie sich nicht mehr erholte.

Baumas große Stunde schlug am 31. Juli 1948 im Wembley-Stadion, als die damals 33-Jährige den Speer vor 80.000 Zuschauern in ihrem fünften Versuch auf die olympische Rekordmarke von 45,57 Meter schleuderte und damit zu Österreichs erster und bisher einziger Goldmedaillengewinnerin bei Sommerspielen in der olympischen Kernsportart avancierte. Die Weite lag 2,64 Meter unter ihrem ein Jahr vorher im Wiener Stadion aufgestellten Weltrekord, den sie 43 Tage nach ihrem Olympia-Triumph im Prater auf 48,62 m verbesserte.

Viele Rekorde
Die Sportkarriere von Bauma hatte jedoch noch vieles mehr zu bieten. Meistertitel in Serie (15 im Speerwerfen, drei im Fünfkampf) von 1931 bis 1952, 15 österreichische Rekorde, Europarekord 1935 in Wien mit 45,71 m, deutsche Meisterin 1943, Olympia-Teilnahmen 1936 in Berlin (4.), 1948 in London (1.), 1952 Helsinki (9.), Silbermedaille bei den Frauen-Weltspielen 1934, EM-Zweite 1950 in Brüssel. Auszeichnungen und Ehrungen (u.a. hinter Skilegende Annemarie Moser-Pröll Zweite in der Jahrhundertwahl) prasselten auf die Wienerin in Hülle und Fülle nieder.

In der Handball-Nationalmannschaft
Nach Olympia in Helsinki beendete Bauma mit 37 Jahren ihre Leichtathletik-Laufbahn, spielte aber weiterhin als gefürchtete Scharfschützin Handball bis 1962, einen Sport, den sie zunächst bei WAF, später beim WAC und überwiegend bei Danubia betrieb. Natürlich wurde die Stürmerin auch in die Nationalmannschaft berufen.

Frau Regierungsrat
Nach Beendigung ihrer Sportkarriere arbeitete Bauma, die eine Sport- und Turnlehrerausbildung absolviert hatte, für die damalige Sporthilfe und brachte es als Leiterin des Bundessportzentrums Südstadt noch zur Frau Regierungsrat, ehe sie 1977 als 62-Jährige in Pension ging. "Ich habe nur für den Sport gelebt", betonte Bauma an ihrem 85. Geburtstag.

ÖLV-Ehrenring
Am 6. Juli 2002 hätte die Olympiasiegerin im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes (ÖLV) den ÖLV-Ehrenring erhalten sollen, doch ein Schlaganfall, den sie nur wenige Stunden vor der Ehrung erlitten hatte, verhinderte dies. Von diesem gesundheitlichen Rückschlag erholte sich Bauma nicht mehr. Deshalb musste ihr diese Auszeichnung kurz vor Weihnachten im Lainzer Krankenhaus überreicht werden.

Ein großer Verlust
"Das ist ein großer Verlust für uns", betonte ÖLV-Präsident Johann Gloggnitzer. "Mit Bauma verlieren wir einen Teil unserer Identität, denn sie hat im Sport und in der Leichtathletik im Besonderen viel bewegt."

10.2.2003 09:22