Friedensdemos: "Die Welt sagt Nein zum Krieg"
- Millionen von Teilnehmern an Friedens-Demonstrationen
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Der drohende Irak-Krieg hat der internationalen Friedensbewegung einen ungeahnten Zulauf beschert. Weit mehr Menschen als von den Veranstaltern des internationalen Aktionstages erhofft gingen am Wochenende gegen die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush auf die Straße. Von New York über London, Paris, Berlin und Rom bis Tokio und Sydney versammelten sich Millionen von Kriegsgegnern unter der Parole: "Die Welt sagt Nein zum Krieg".
"Nur weil man das größte Gewehr hat, muss man es noch lange nicht einsetzen", sagte Martin Luther King III, der Sohn des schwarzen Bürgerrechtlers, vor mindestens 100.000 Demonstranten in New York. Eröffnet wurde die Kundgebung in New York von Richie Havens mit dem Lied "Freedom" - das sang er schon vor 34 Jahren beim Woodstock-Festival. Zu den altgedienten Friedenskämpfern gehörten auch Pete Seeger und Harry Belafonte, der am 10. Oktober 1981 bei der Demonstration gegen die Raketenrüstung der NATO im Bonner Hofgarten auftrat.
Das Neue an den Demonstrationen aber war die Teilnahme von zahllosen Bürgern, die sonst nie auf einer Kundgebung zu sehen waren. In New York wie in 150 anderen Städten der USA waren alle Bevölkerungs- und Altersgruppen vertreten. In Knoxville, Tennessee, wunderte sich der Demonstrant Rick Held, "dass nicht nur die üblichen Verdächtigen" auf der Straße zu sehen seien. "Bush muss da wirklich etwas vermasseln, wenn er den Mainstream aus den Häusern holt."
In der Stadt der Vereinten Nationen prägten extreme Sicherheitsvorkehrungen das Bild. Die Straßen rund um die UNO-Zentrale auf der East Side von Manhattan waren von der Polizei abgeriegelt, Scharfschützen auf den Dächern postiert. Zur Ausstattung der Beamten gehörten sogar Tests für Luftproben auf chemische oder biologische Kampfstoffe. Der geplante Demonstrationsweg über die First Avenue war von den Behörden untersagt worden. Dass die amerikanische Öffentlichkeit in der Einstellung zu einem möglichen Irak-Krieg geteilt ist, demonstrierten rund 1.000 Menschen, die in Manhattan für die Regierungspolitik eintraten.
"Niemand von uns kann diesen Krieg stoppen - es gibt nur einen Typ, der das kann, und der lebt im Weißen Haus", sagte auf der Kundgebung in Los Angeles der Schauspieler Martin Sheen. Dort zogen mindestens 30.000 Demonstranten über den Hollywood Boulevard. Demonstrationen gab es in den großen Städten wie Chicago, Philadelphia, Miami und Seattle, aber auch in der Provinz von Maine im Osten bis zur Pazifikinsel Hawaii im äußersten Westen.
Weit größere Menschenmassen aber brachten die Proteste in Europa auf die Straßen, trotz vielfach eiskalter Witterung. Über eine Million Menschen schlossen sich in Rom den weltweiten Protesten an; die Veranstalter sprachen sogar von drei Millionen Menschen, die sich auf der Piazza San Giovanni versammelten. Ihr Protest richtete sich auch gegen den eigenen Regierungschef Silvio Berlusconi, der die Irak-Politik der USA unterstützt.
Im Londoner Hyde-Park versammelten sich Moslems und Methodisten, Sozialisten und Konservative, Kriegsveteranen und Familien gemeinsam zur größten Demonstration, die die britische Hauptstadt je gesehen hat. Die Polizei sprach von 750.000 Teilnehmern, die Veranstalter von zwei Millionen. Fünf Stunden nach der Ankunft der ersten Demonstranten und schon nach dem Ende der Ansprachen strömten immer noch Kriegsgegner in den Park. Auch hier fiel das breite Spektrum der Demonstranten aus allen gesellschaftlichen Kreisen auf. "Ich bin überrascht über die Bandbreite von Leuten, die heute hier sind", sagte die 28-jährige Jude Fry, die in einer Gruppe von Liberaldemokraten gegen Tony Blairs Unterstützung für die USA demonstrierte. "Mein Mann ist Investment-Banker, und er ist auch mit dabei."
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