Freitag, 14. Februar 2003

Aziz kündigt bessere Kooperation mit Inspektoren an

  • Europäer vor Krieg gegen den Irak gewarnt
  • Österreich sei "freundliches kleines Land"

Der Irak will mit den UNO-Waffeninspektoren künftig besser zusammenarbeiten. In Reaktion auf den UNO-Bericht vor dem Sicherheitsrat kündigte der irakische Vizeministerpräsident Aziz am Freitag in Rom an, dass Bagdad zu "noch mehr Kooperation" bereit sei. Auf eine Frage eines APA-Journalisten meinte er, "Österreich hat freundliche Beziehungen zu uns. Es ist ein friedliches, ein kleines Land"

Der irakische Vizepremier Tarek Aziz hat Österreich als "ein befreundetes Land" bezeichnet, das keinerlei Interesse an einem Angriff gegen Bagdad habe. Mit diesen Worten antwortete Aziz auf einer Pressekonferenz in Rom auf eine Frage der APA über Österreichs Beschluss "auf Grund seiner Rechtslage", keine US-Truppentransporte oder Überflüge ohne UNO-Mandat zu genehmigen, wenn die Truppen oder das Material für Militäraktionen gegen den Irak bestimmt sind.

"Ich denke, dass Österreich kein Interesse an einem Krieg gegen den Irak hat", betonte Aziz bei einer Pressekonferenz Freitag Abend. "Österreich hat freundliche Beziehungen zu uns. Es ist ein friedliches, ein kleines Land und ich hoffe sehr, dass Österreich an seinen Prinzipien von Frieden und guten Beziehungen zur Welt im Allgemeinen und insbesondere zum Irak festhalten wird", so der irakische Vizepremier. Der chaldäisch-katholische Politiker war am selben Tag von Papst Johannes Paul II. im Vatikan in Audienz empfangen worden.

Irak betont weiterhin: "Haben keine A/B/C-Waffen"
Die Behauptung, der Irak besitze Waffen zur Massenvernichtung, bezeichnete Aziz als ""schlechten amerikanischen Film". Er zeigte sich zufrieden über den jüngsten Waffeninspektoren-Bericht. Der Irak sei nicht in der Lage, seine Nachbarländer anzugreifen, sagte er auf die Frage, ob der Irak Israel angreifen würde. "Wir haben nicht die Mittel, um ein Land jenseits unseres Territoriums anzugreifen." Während des Golf-Kriegs 1991 hatte der Irak 39 Scud-Raketen auf Israel abgefeuert. Aziz betonte weiter, Bagdad habe keinerlei Kontakte zu Terroristenführer Osama bin Laden. "Der Irak hat keine Beziehungen mit irgendwelchen terroristischen Gruppen."

Sein Land brauche keine Unterstützung von außen, um sich gegen Angreifer zu verteidigen, sagte Aziz weiter. "Wir haben genügend tapfere Männer und Frauen unter den 25 Millionen Irakern, die unser eigenes Land verteidigen. ... Wir sind eine erfahrene Nation, und wir können unser Land gegen jede Aggression verteidigen." Gleichzeitig lobte Aziz die Haltung Deutschlands, Frankreichs und Russlands in der Irak-Krise; diese UNO-Sicherheitsratsmitglieder lehnen einen Krieg gegen den Irak ab.

Aziz warnt Europa vor Teilnahme an Irak-Krieg
Die europäischen Länder warnte Aziz vor einer Teilnahme an einem Irak-Krieg. "Das würden die arabischen Länder als einen Kreuzzug ansehen", sagte er. "Die Europäer sollten sehr vorsichtig sein, George Bush zu unterstützen." Das wirkliche Ziel der USA sei es, als imperialistische Macht die Herrschaft über den Irak und den Nahen Osten zu gewinnen. "Diese Aggression ist unbegründet und unmoralisch", betonte er.

Auch der irakische UNO-Botschafter Mohamed Al-Douri sicherte den Inspektoren eine umfassende Zusammenarbeit zu. Mit Blick auf die im Irak vermuteten Massenvernichtungswaffen fragte der Diplomat in New York die Sicherheitsratsmitglieder, wie "man etwas herausgeben soll, dass man nicht hat". Schließlich könnten "leere Hände nichts geben".

Aziz beim Papst mit Brief von Saddam
Aziz, ein chaldäisch-katholischer Christ, war am Freitag im Vatikan von Papst Johannes Paul II. empfangen worden. Der Papst hatte wiederholt scharfe Kritik an einem Krieg gegen Irak geübt und zu einer friedlichen Lösung des Konflikts aufgerufen. Er forderte Bagdad auf, alle UNO-Resolutionen zur Abrüstung zu erfüllen, sagte ein Vatikan-Sprecher nach der 20-minütigen Audienz. Am Samstag will Aziz in der Franziskuskirche in Assisi für den Frieden beten. Er sprach am Freitag auch mit dem italienischen Außenminister Franco Frattini. Die italienische Regierung hatte sich jüngst demonstrativ auf die Seite der USA gestellt.

Es war bereits das vierte Mal, dass Aziz mit dem Papst zusammentraf. Bereits zuvor hatte er ausgeschlossen, dass der irakische Staatschef Saddam Hussein ins Exil geht, um auf diese Weise einen Krieg zu vermeiden. "Wir sind im Irak geboren und wir werden dort bis zu unserem letzten Atemzug bleiben, auch wenn wir angegriffen werden." Unklar ist, wie lange Aziz in Italien bleibt. Italienische Medien schließen nicht aus, dass er am Dienstag mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan zusammentrifft, wenn dieser zu einer Papst-Audienz nach Rom kommt.

14.2.2003 08:56