Montag, 10. Februar 2003

Terroralarm in Jerusalem - Angst vor Bombenanschlag

  • Israel wird während Irak-Krieg Rundfunk gleich schalten
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Aus Furcht vor einem neuen Terroranschlag in Jerusalem hat Israel am Dienstag die Bewegungsfreiheit in den besetzten Gebieten eingeschränkt. An allen Einfahrtstraßen wurden Sperren errichtet, um die ankommenden Fahrzeuge nach Bomben durchsuchen zu können. Zuvor hatten Besatzungssoldaten in der palästinensischen Stadt Ramallah drei Palästinenser festgenommen, zwei weitere wurden später an verschiedenen Orten erschossen. Während des kommenden Irak-Krieges wird in Israel der Rundfunk "gleichgeschaltet".

Israelische Soldaten haben nach palästinensischen Angaben im Westjordanland einen achtjährigen Buben erschossen. Die Palästinenser erklärten, die Truppen hätten am Dienstag zwei Häuser in Kalkilia umstellt. Der Bub sei im Feuergefecht getötet worden.

"Gleichschaltung"
Der staatlich kontrollierte israelische Rundfunk wird im Falle eines Kriegs im Irak "gleichgeschaltet". Dies kündigte am Dienstag der Intendant von Radio Israel, Amnon Nadaw, an. Berichte über mögliche israelische Fehlleistungen, Fehleinschätzungen oder interne Auseinandersetzungen würden für die Dauer des Anfang März erwarteten Krieges nicht ausgestrahlt, sagte Nadaw nach Medienberichten.

Nur Armee-Nachrichten
Schon während des Golfkriegs 1991, als Israel von 39 Scud-Raketen des Irak getroffen wurde, waren die staatlichen Radiostationen in Israel gleichgeschaltet worden. Der israelische Nachrichtensender "Kanal B" legte seine Sendungen mit dem staatlichen Armeesender zusammen. Alle anderen Stationen sendeten keine eigenen Nachrichten.

Keine Meinungsverschiedenheiten
"Ich erkläre hiermit schon im Voraus, dass wir während des Krieges nicht über Meinungsverschiedenheiten berichten werden, die für uns nur peinlich sein würden", sagte der Radio-Intendant. Hinterher können wir darüber diskutieren, aber während des Kriegs werden wir eine klare und einheitliche Botschaft ausstrahlen."

Sperre in den besetzten Gebieten
Die vollständige Absperrung der besetzten Gebiete gilt bis zum Ende des islamischen Opferfestes Eid el Adha am Freitag. Dem Geheimdienst lägen 48 Hinweise auf geplante Selbstmordattentate palästinensischer Extremisten vor, berichtete die israelische Tageszeitung "Ha'aretz". Am Vortag hatte die Armee nach eigenen Angaben im Westjordanland drei Palästinenser festgenommen, die Selbstmordattentate vorbereitet hätten. Zudem sei ein Gürtel mit 20 Kilogramm Sprengstoff gesprengt worden, wie er von Attentätern benutzt wird.

Nach Angaben des israelischen Rundfunks töteten israelische Soldaten in der Nacht in Nablus im einen nicht bewaffneten Palästinenser. Nach Armeeangaben soll der 25-jährige Mann, ein Mitglied der marxistischen "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP), versucht haben, vor seiner Festnahme zu fliehen. Im Gaza-Streifen erschossen israelische Soldaten einen zweiten Palästinenser, der laut Armeeangaben mit einem Maschinengewehr bewaffnet war.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden sechs Palästinenser festgenommen. In der Stadt Jenin wurde nach übereinstimmenden Angaben die Frau des örtlichen Hamas-Chefs Jamal Abu el Haija festgenommen. Ihr Mann war bereits Ende August inhaftiert worden.

Israelische Soldaten sprengten Haus
In der Nähe von Bethlehem sprengten Soldaten das Haus eines Mannes, der nach israelischen Angaben im Juni vergangenen Jahres einen jungen Palästinenser zu einem Selbstmordanschlag nach Jerusalem geschickt hatte. Bei der Explosion in einem Linienbus waren 19 Israelis mit ums Leben gekommen.

In einem neuerlichen Versuch, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, wollten der palästinensische Innenminister Hani el Hassan und Dov Weisglass, der Kabinettschef des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, am Dienstagabend zu Gesprächen zusammenkommen. Die palästinensische Zeitung "Al Quds" berichtete, ein Vorschlag sehe einen israelischen Truppenabzug aus mehreren Städten im Westjordanland und die Übergabe der Kontrolle an die palästinensische Polizei vor. Bei den betroffenen Städten handele es sich unter anderem um Tulkarem, Jenin und Kalkilia.

10.2.2003 08:36