Freitag, 14. Februar 2003

Aktionstag gegen Irak-Krieg: Friedens-Demo in Wien

  • Demonstration vom Westbahnhof zum Stephansplatz
  • Breites Spektrum: Von Katholiken bis Kommunisten

Die Demonstration gegen einen drohenden Irak-Krieg in Wien ist am Samstag Abend friedlich zu Ende gegangen. Anfangs 15.000, später mindestens 20.000 Demonstranten protestierten friedlich und ohne Zwischenfälle gegen die Kriegspolitik. Einzig vor der US-Botschaft versammelten sich nach der offiziellen Demonstration noch etwa 150 Menschen, um eine Puppe von George W. Bush zu verbrennen.

Die Atmosphäre bei der Demonstration in Österreich war ruhig und sehr positiv. Die Polizei zählte zu Beginn 15.000, die Veranstalter 20.000 Teilnehmer. Im Laufe der Strecke kamen aber immer noch zahlreiche weitere Teilnehmer dazu, sodass die Zahlen am Ende zwischen 20.000 und sogar 30.000 schwankten.

Die Kriegs-Gegner trugen Friedenstauben und Plakate mit Aufschriften wie "You can bomb the world to pieces, but you can't bomb the world to peace" (Man kann die Welt in Stücke bomben, aber nicht zum Frieden).

Eine Hand voll Polizisten begleitete den friedlichen und geordneten Demonstrationszug über die Mariahilfer Straße, den Ring, und über den Ballhaus-Platz durch die Innenstadt bis zum Stephansplatz.

Gegen "Eroberungskrieg"
Als Vertreter der Katholischen Aktion Österreichs hat Kaplan Franz Sieder in einer Rede von einem "Eroberungskrieg" der USA gesprochen. Der Amstettner Seelsorger kritisierte zwar den irakischen Präsidenten Saddam Hussein scharf, aber ebenso den US-Präsidenten George W. Bush: "Herr Bush lügt der Welt vor, dass er den Irak von einem Diktator befreien will. Er möchte zu billigem Erdöl kommen. Es geht um wirtschaftliche Interessen. Bushs Krieg ist ein Eroberungskrieg", sagte der Kaplan.

Christen dürften nicht zusehen, sondern müssten sich klar gegen den möglichen Krieg der USA gegen den Irak aussprechen. "Das Evangelium erteilt jeglichem Krieg eine klare Absage."

Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), Walter Baier, sagte in einer Rede: "So unterschiedlich die einzelnen Transparente, Sprechchöre und Tafeln hier auf der Demonstration auch sind, so haben doch alle das gleiche Ziel vor Augen: Kein Krieg - egal, ob mit oder ohne UNO-Mandat; ein Ende dem Embargo, unter dem vor allem die Kinder im Irak zu leiden haben; und keine Beteiligung Österreichs an der Kriegspolitik".

Bregenz
Parallel zur Demonstration in Wien und anderen europäischen Städten ist am Internationalen Aktionstag auch in Bregenz eine Kundgebung gegen einen möglichen Irak-Krieg abgehalten worden. Etwa 600 Teilnehmer folgten dem Aufruf der Sozialistischen Jugend Vorarlberg und marschierten vom Festspielbezirk zum Landhaus. Dort hielten Vertreter verschiedener Gruppierungen Reden gegen den Krieg. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle.

Breiter Fächer von Veranstaltern
An der Veranstaltung in Wien nehmen zahlreiche Demonstranten aus den Bundesländern teil. An dem Protestzug beteiligen sich Organisationen aus verschiedensten Bereichen, unter ihnen die Wiener Grünen, die Sozialistische Jugend (SJÖ), die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), die Katholische Jugend, die Umweltschutzorganisation Global 2000 und die österreichische Sektion des Anti-Globalisierungs-Netzwerks ATTAC. Auch in Bregenz findet eine Anti-Kriegs-Demonstration der Sozialistischen Jugend (zwischen Bahnhof und Bodenseestadion) statt.

Gebetsstunde: "5 vor 12"
Die "Pflicht der christlichen Kirchen, sich gegen einen Krieg im Irak zu stellen", stand im Mittelpunkt der ökumenischen Gebetsstunde für den Frieden, Samstag Mittag "5 vor 12" im Wiener Stephansdom. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos sagte, der Stephansdom, "wo das Herz Österreichs schlägt", sei mehrmals im Laufe seiner Geschichte Zeuge dafür gewesen, "was Krieg bedeutet und was Frieden". Die Christen bräuchten den Mut, als Friedensstifter in der Welt aktiv zu werden. Der Dom war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Auch der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker hob die "geistliche Pflicht" der Kirchen hervor, sich gegen einen Krieg im Irak zu stellen. Ein solcher Krieg würde unverhältnismäßige Mittel der Zerstörung einsetzen, um einen Diktator zu entwaffnen.

14.2.2003 10:22