Montag, 10. Februar 2003

Mafia-Prozess: Ex-'Soldat' des Paten sagte aus

  • Mordaufträge für 400 Dollar monatlich

Unter stärkeren Sicherheitsvorkehrungen als bisher wurde Ende Feburar der Prozess gegen den mutmaßlichen Mafia-Paten fortgesetzt. Als Zeuge war nämlich ein junger Pole geladen, der den 57-Jährigen, dem die Anklage Anstiftung zum Mord am früheren polnischen Sportminister Jacek und Beteiligung an einer kriminellen Organisation vorwirft, massiv belastete.

Der 29-jährige Jacek B. zählte seinen Angaben zufolge zu den "Soldaten" von Jeremiasz B. Zu seinen Aufgaben gehörte demnach das Observieren und das Erledigen von Botenwegen. Er hatte rund um die Uhr verfügbar zu sein. Und Jeremiasz B. habe ihm und einem Kollegen, mit dem er sozusagen im Team tätig war, auch zwei Mordaufträge erteilt, erzählte der Zeuge dem Schwurgericht (Vorsitz: Michaela Röggla-Weiss).

Zeuge im Schutzprogramm
Jacek B. wurde ins Zeugenschutzprogramm des Innenministeriums aufgenommen, nachdem er sich bereit erklärt hatte, gegen seinen ehemaligen "Boss" auszusagen. Jeremiasz B. musste während seiner Einvernahme den Verhandlungssaal verlassen, da sich der 29-Jährige sehr vor ihm fürchtet. Ein Großaufgebot an uniformierten und in zivil gekleideten Beamten begleitete den Zeugen in den Saal, der sich eine Wollhaube über das Gesicht gezogen hatte, um auf dem Weg dort hin nicht erkannt zu werden. Diese nahm er erst während seiner Befragung ab.

Sicherheitshalber hatten sich links und rechts von ihm einige Beamte postiert, die ihn unter anderem mit einer so genannten Personenschutztasche - aus schusssicherem Material, im Fall der Fälle klappt sich sich automatisch auf und soll Angriffe abschirmen - zu schützen trachteten.

Rund ein halbes Jahr - von November 1998 bis April 1999 - war Jacek B. seiner Darstellung nach für Jeremiasz B. tätig. "Meine Arbeit hat bedeutet, dass ich seine Anordnungen erfülle und ihm vollkommen zur Verfügung stehe", sagte der 29-Jährige. 400 US-Dollar (372 Euro) kassierte er dafür monatlich.

Zeuge sollte Auftragsmord begehen
Einer der ersten Aufträge war, "dass Zoltan erschossen wird", wie der Zeuge erklärte. Jeremiasz B. habe diesen Mann verdächtigt, am Tod eines Bekannten Schuld zu tragen. Allerdings saß Zoltan zu diesem Zeitpunkt schon im Gefängnis, so dass diesem Wunsch nicht nachgekommen werden konnte.

Darauf hin sollte sich Jacek B. bei einer Art "Feuertaufe" bewähren: Ein polnischer Wechselstuben-Besitzer sollte liquidiert werden. "Jeremiasz B. machte Druck auf uns. Er hat gesagt, die Sache eilt", erklärte der Zeuge. Bei dem Attentat hätte er schießen sollen, berichtete er weiter. Doch er sei dazu nicht in der Lage gewesen: "Der Vorfall ist nicht so abgelaufen, wie es sich Herr B. gewünscht hat."

Sein Kollege habe zur Waffe gegriffen. Zudem überlebte der Wechselstuben-Besitzer den Anschlag. "Herr B. war ein bisschen gereizt. Er war unzufrieden, dass dieser Mann überlebt hat", erinnerte sich der junge Pole.

Zeuge stieg schließlich aus und floh
Nach einem weiteren nicht planmäßig verlaufenen Auftrag beendete Jacek B. seine Arbeit für den mutmaßlichen Paten: "Wegen der Angst. Und der psychische Druck war zu groß. Es war eine Kette von Misserfolgen." Er sei daher "geflüchtet" und habe Jeremiasz B. telefonisch erklärt, dass er aussteige. "Er hat versucht, mich zu beruhigen. Er hat gesagt, ich soll keinen Blödsinn machen", so der Zeuge.

Der Mann lebt nun mit seiner Familie an einem Ort in Österreich und wird von Polizeibeamten rund um die Uhr bewacht. Neue Identität soll er vorerst keine bekommen haben. Dafür darf er jetzt wieder rauchen: Jeremiasz B. soll ihm das nämlich verboten haben, damit er fit bleibe.

10.2.2003 07:37