Microsoft Office auf dem SuSE-Rechner
- Nur "Linux" fällt durch die Word-Rechtschreibprüfung
Mit einer neuen Linux-Ausgabe der Nürnberger Software-Firma SuSE gibt es einen Grund weniger, vor dem Einstieg in die Windows-Alternative zurückzuschrecken: Der "SuSE Linux Office Desktop" ermöglicht die Installation von Microsoft-Office-Programmen wie Word oder Excel.
Lange Zeit unvorstellbar, läuft die Einrichtung der Windows-Programme in der so ganz anderen Umgebung des freien Betriebssystems einfacher als gedacht. Ein eigens dafür vorgesehener "Assistent" lädt zur Installation von Microsoft-Software ein. Dabei wird zuerst das Linux-Programm CrossOver installiert, das eine "virtuelle Arbeitsumgebung" für Windows-Anwendungen bietet - gewissermaßen ein geschütztes Nest in der rauen Linux-Welt.
Simulierter Windows-PC
CrossOver nutzt die schon über mehrere Jahre hinweg entwickelte Wine-Technik. Im Unterschied zur Software VMWare - hier kann in einem Linux-Fenster ein simulierter Windows-PC bedient werden - übersetzt Wine die typischen Programmierschnittstellen (API) und Programmbibliotheken (DLL) in die Sprachen der Unix-Welt. Theoretisch startet CrossOver jedes setup.exe oder install.exe einer Windows-Anwendung - allerdings hat man keine Gewähr, dass dies auch zum gewünschten Ergebnis führt.
Windows Applications
In großem Maße unterstützt werden aber Office 97 und Office 2000. Das Setup beginnt mit dem Eintippen des Registrierungscodes. Wenn die Installation den Neustart von Windows vorsieht, erscheint kurz die Meldung "Installer wurde vorzeitig beendet". Tatsächlich aber kann auch der Windows-Neustart von CrossOver simuliert werden, so dass die Installation schließlich vollständig abgeschlossen wird - erstes sichtbares Zeichen dafür ist das Programmsymbol für den Internet Explorer auf dem Linux-Desktop. Und im Start-Menü erscheint der Eintrag "Windows Applications" mit allen Mitgliedern der Microsoft-Office-Familie: Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Access und Frontpage.
"Linux" fällt durch Word-Rechtschreibprüfung
Die Office-Programme erfüllen auch unter Linux ihre Arbeit solide und klaglos. Die Rechtschreibung von Word unterkringelt zwar das Wort "Linux" mahnend mit einer roten Schlangenlinie - aber nach einem rechten Mausklick auf "Hinzufügen" kennt Word unter Linux das eigene Betriebssystem. Das fertige Dokument wird mit der Endung .doc gespeichert, wobei es das Verzeichnis /home kurzerhand zum Laufwerk y und /root zum Laufwerk z macht: eine grausige Vorstellung für richtige Linux-Freaks. Wie unter Windows werden auch die Datei-Endungen mit den zugehörigen Programmen verknüpft. Ein Doppelklick auf die Datei tabelle.xls startet Excel.
Keine Word-Hilfe
Schwieriger wird das Arbeiten mit den Office-Programmen, wenn nicht unterstützte Funktionen aufgerufen werden. TrueType-Schriften können über das Internet mit Hilfe von CrossOver noch eingebunden werden. Aber schon das Aufrufen der Word-Hilfe wird von dem Programm damit quittiert, dass es einfriert und die weitere Arbeit verweigert.
StarOffice besser geeignet?
Jeder Nutzer muss sich daher selbst die Frage beantworten, ob man nicht doch besser eines der speziell für Linux entwickelten Office-Programme wie StarOffice, OpenOffice oder KOffice einsetzt. Das neue SuSE-System lässt einem aber die Wahl und bietet die Chance, eine bisher nur für Windows verfügbare Software auch unter Linux nutzen zu können. Solange man darüber noch nachdenkt, kann man sich einen Tee machen und das von Matthias Hoelzer-Kluepfel programmierte Tool KTeaTime starten - die kleine Software überwacht die Zeit des Ziehens - bei schwarzem Tee drei Minuten, bei Earl Grey fünf Minuten und bei Früchtetee acht Minuten.
Office Desktop
Der SuSE Linux Office Desktop ist eine Erweiterung des Standardsystems SuSE Linux 8.1 und hat vor allem die Zielgruppe kleiner Unternehmen und Selbstständige im Blick. Die Installation verläuft in den meisten Fällen unproblematisch. Im Test gab es allerdings bei Rechnern mit Flachbildschirmen Probleme bei der Einrichtung des XServers für die grafische Darstellung. Der SuSE Linux Office Desktop wird mit Dokumentation und 90 Tagen Installationssupport zum Preis von 129,90 Euro vertrieben.
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