Freitag, 7. Februar 2003

Mio. PC-User sollen gemeinsam Pocken-Medizin suchen

  • Projekt vernetzt ungenutzte Rechenkapazitäten
  • Kampf gegen Bioterror-Gefahr

Auf der Suche nach einer Medizin gegen Pocken will nun ein neues Projekt Millionen privater PCs zu einem Supercomputer vernetzen und dadurch die Forschung beschleunigen. Unter www.grid.org können sich PC-User beteiligen. Dazu muss Software heruntergeladen werden, die die ungenutzten Kapazitäten des PCs für das Pockenmedizin-Projekt einsetzt.

Über einen Bildschirmschoner kann eingesehen werden, welche Analyse der PC gerade durchführt. Bei der nächsten Internet-Verbindung werden dann automatisch die Resultate übermittelt.

Suche läuft im Hintergrund ab
35 Millionen Moleküle sollen durch "virtuelles Screening" auf eine mögliche Reaktion mit bestimmten Proteinen getestet werden. Nicht nur in Pausen, auch beim normalen Arbeiten oder bei Computer-Spielen kann der PC-User die medizinische Forschung unterstützen, heißt es bei den Betreibern von "grid". Durch die Vernetzung von Millionen PCs können die forschenden Biologen, Chemiker und Mediziner riesige Rechenkapazitäten nutzen.

Projektteilnehmer
An dem Projekt sind u.a. die britischen Universitäten Oxford und Essex, das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in den USA sowie das Forschungsinstitut der US-Armee für ansteckende Krankheiten (USAMRIID) beteiligt. Unterstützt wird es von Computerfirmen wie IBM, United Devices und Accelrys.

SETI@home
Ein ähnliches Projekt läuft bereits seit 1999. Bei SETI@home (Search for Extraterrestrial Intelligence/Suche nach außerirdischem Leben) werden Radiowellen aus dem All ausgewertet. Um die große Datenmenge bewältigen zu können müssen die Berechnungen in viele kleine Portionen aufgeteilt werden. Dies ist auch in der medizinischen Forschung möglich und wird bereits bei der Suche nach einem Krebs-Medikament eingesetzt.

Pocken & Bioterror
Die Pocken gelten weltweit seit über 20 Jahren als ausgerottet. Die Pockenviren werden jedoch als die gefährlichste Bioterror-Waffe eingeschätzt, da die Krankheit extrem ansteckend ist und eine hohe Sterblichkeitsrate um die 30 Prozent aufweist. Bisher ist gegen Pocken nur eine vorbeugende Impfung möglich, ein wirksames Medikament wird noch gesucht. In Österreich wurde für den Fall eines Bioterror-Anschlags Pocken-Impfstoff eingelagert, allerdings bisher nur für zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung. In den nächsten Monaten ist eine Aufstockung für ein Drittel der Bevölkerung geplant.

Weitere Informationen:

  • Grid-Website

    7.2.2003 09:44