Mittwoch, 5. Februar 2003

Eberharter kontra Maier: Duell der Giganten

  • PLUS: Alle Bilder & Infos zur Ski-WM

Eberharter & Maier im Gespräch. Was die beiden trennt und was sie verbindet. Wer ist sympathischer, wer ist der bessere Skifahrer? Die zwei Top-Stars im NEWS-Check.

Spannender noch als der WM-Super-G an sich war das Nachspiel. Die zwei Superstars des Skizirkus wahrten nur nach außen hin die Form, gratulierten sich vor den Mikrofonen artig zum Erfolg und versicherten sich wechselseitiger Wertschätzung. Aber jeder, der Stephan Eberharter und Hermann Maier wirklich kennt, wusste: Im Kochtopf der Emotionen brodelte es nach diesem Zieleinlauf gewaltig, das Druckventil arbeitete am Anschlag.

Während ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, im Nebenjob Manager von Eberharter und Maier, das Ergebnis als „Geschenk des Himmels“ bezeichnete, wurden hinter den Kulissen zwischen den jeweiligen Lagern längst die Messer gewetzt. Denn mit dem Sensationscomeback des „Herminators“, der erst am 14. Jänner in Adelboden völlig überraschend in den Skizirkus zurückgekehrt war und sieben Tage vor dem ersten WM-Rennen mit seinem Triumph im Super-G von Kitzbühel gegen alle Prognosen das WM-Ticket gelöst hatte, wurde die „Hackordnung“ der letzten zwei Winter komplett auf den Kopf gestellt. Und Eberharter, auf der Streif nur Dritter hinter Maier, war plötzlich wieder der geborene Loser.

Als dann der siebenfache Saisonsieger Eberharter beim ersten Auftritt des ÖSV-Teams in St. Moritz vergangenen Freitag fast unbeachtet am Podium saß, stürzte sich eine 300-köpfige internationale Journalistenmeute auf Superstar Maier. Vier Wochen vorher war Eberharter noch die ganz große Zugnummer im Weltcup-Zirkus.

Umso größer muss daher die persönliche Genugtuung für den 33-jährigen Tiroler nach seiner WM-Siegesfahrt gewesen sein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Schluss mit den aufgesetzten Nettigkeiten. In einer ersten Analyse erklärte Maier dann seine Niederlage gegen den Erzrivalen mit eigenen Fehlern: „Mir war nach der Zieldurchfahrt sofort klar, dass meine Zeit nicht halten wird. Es musste nur einer halbwegs fehlerfrei herunterkommen.“ Diese Wertung wiederum hat Eberharter tief ins Mark getroffen. Immerhin hatte er dem zweitplatzierten Maier im Schlussteil rund eine Sekunde abgenommen. Folgerichtig waren die beiden Medaillengewinner bei der Siegesfeier im Österreich-Haus nur mit Mühe für ein gemeinsames Foto zu überreden. Und gingen sich ansonsten den ganzen Abend aus dem Weg.

Nach der witterungsbedingten Absage des ersten Abfahrtstrainings droht aber dem stärksten Skiteam der Welt ein noch größerer Eklat – wie immer die Entscheidung über die restlichen zwei Startplätze neben den fix Gesetzten (Eberharter, Michael Walchhofer und Titelverteidiger Hannes Trinkl) für die WM-Abfahrt am Samstag ausfällt.

Maier selbst war nach seiner Silbermedaille am Sonntag ursprünglich davon ausgegangen, dass er aufgrund seiner Leistung im Super-G und seiner herausragenden Klasse von den Trainern nicht in die Qualifikation gehetzt wird, sondern sich nach und nach an die perfekte Linie herantasten darf. Dabei wurde er, so ist hinter vorgehaltener Hand aus dem Skiteam zu hören, von seinem Salzburger Landsmann, Herren-Cheftrainer Toni Giger, unterstützt. Aber die Tirol-Fraktion rund um Abfahrtscoach Robert Trenkwalder lief gegen eine Wild Card für den Herminator Sturm.

Jetzt ist der Schnee am Dampfen
Während Dienstagabend im Pressezentrum von St. Moritz sein „Comeback-Film“ präsentiert wurde, erneuerte Maier ein paar hundert Meter davon entfernt in einem Hinterzimmer des Österreicher-Hotels in einem NEWS-Exklusivinterview seinen Anspruch auf einen Platz im WM-Abfahrtsteam. Maier: „Meine Leistungen waren für die kurze Zeit, in der ich wieder trainiere, sehr, sehr gut. Deshalb bin ich ehrlich gesagt ein wenig überrascht, dass ich von den Trainern in die Abfahrtsquali geschickt werde.“

Eberharter dagegen „kondolierte“ in der Zwischenzeit telefonisch seinem Tiroler Landsmann Pepi Strobl, der wegen Maiers Comeback in letzter Minute aus dem WM-Team geschmissen wurde und vor lauter Frust in Zukunft für Deutschland starten will. Und Eberharter, der weltbeste Skifahrer während der verletzungsbedingten Zwangspause des „Herminators“, legt im NEWS-Interview ein Schäuferl nach. Eberharter: „Schon möglich, dass durch die Rückkehr Maiers zusätzlich Spannungen erzeugt wurden.“

Imagemäßig hat Eberharter als erster österreichischer Goldmedaillengewinner dieser WM entgegen früheren Meinungsbefragungen momentan offensichtlich die besseren Karten. So zumindest das Ergebnis einer brandaktuellen Gallup-Umfrage, die am Montag dieser Woche im Auftrag von NEWS durchgeführt wurde und das „Giganten-Duell“ zusätzlich anheizen wird. Die fast sensationellen Werte für den frisch gebackenen Super-G-Weltmeister im Detail:

  • 60 Prozent der Befragten deklarieren sich in der Gallup-Umfrage als „Steff-Fans“, nur 32 Prozent für den „Herminator“.

  • Sogar 66 Prozent finden Eberharter sympathischer als Maier, wobei der Zillertaler gegenüber dem Flachauer vor allem bei den Frauen punktet. In der weiblichen Bevölkerung schnellen Eberharters Sympathiewerte sogar auf 71 Prozent.

  • Nur bei der Frage nach dem besseren Sportler hat Maier knapp die Nase vorn. 46 Prozent der Befragten sind überzeugt von seinen sportlichen Qualitäten, 40 Prozent halten Eberharter für den besseren Skifahrer.

    Walter Unterweger, Tino Teller

    Die ausführliche Story lesen Sie im aktuellen NEWS.

    Außerdem:

  • Eberharter über seinen Rücktrittstermin und Maier
  • Hermann Maier über sein Comeback und Quali-Stress
  • 66 Prozent finden Eberharter sympathisch
  • Eberharter: Vom Jungstar zum reifen Champion
  • Maier: Vom Maurer zum Millionär und Weltstar
  • "Ski live" von Armin Assinger
  • Wem Promis am Samstag die Daumen drücken

    5.2.2003 13:36