Freitag, 7. Februar 2003

ÖBB bauen bis 2006 7.000 Mitarbeiter ab

  • Kostensenkungsprogramm "Power 2005"

Um in den kommenden Jahr weiter zu sparen, haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) am 7. Februar ein Kostensenkungsprogramm mit dem klingenden Namen "Power 2005" vorgelegt. Wesentlicher Teil des Programms: Der Abbau von weiteren 7.000 Mitarbeitern bis 2006. Der Personalstand soll damit bis dahin jährlich um 1.500 auf rund 42.000 Mitarbeiter gesenkt werden.

Laut ÖBB-Finanzleiter Alfred Lutschinger lässt sich der Abbau aber durch natürlichen Abgang bewältigen. Insgesamt wollen die ÖBB mit dem Programm die Ertragskraft des Unternehmens ab 2006 um jährlich 270 bis 300 Mio. Euro verbessern.

Das Kostensenkungsprogramm sei notwendig, um die Liberalisierung des Schienenverkehrs zu bewältigen und den Finanzierungsbedarf des Bundes für die ÖBB zu reduzieren. Schon im heurigen Jahr sollen sich die gesetzten Maßnahmen mit 30 Mio. Euro positiv auf das Ergebnis auswirken.

Neben dem Personalabbau geht es bei der Offensive im Personenverkehr auch um die mehrfach angekündigte Qualitätsoffensive - zum einen durch verbessertes Zugmaterial, zum anderen durch kürzere Fahrzeiten.

30 Mio. Euro Ergebnissverbesserung bis 2006 sollen außerdem auch die Synergien aus dem Zusammenschluss von Post- und Bahnbus. Die ÖBB haben den Postbus im Vorjahr für 116 mio. Euro übernommen, eine kartellrechtliche Genehmigung ist aber noch ausständig. Derzeit liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof (OGH), der prüft, ob eine kartellrechtliche Prüfung überhaupt notwendig ist. Sollte sich der OGH für eine Anmeldung des Deals beim Kartellgericht entscheiden, hoffen die ÖBB, "möglichst geringe Auflagen" für die Übernahme zu erhalten, so Lutschinger.

Im Güterverkehr wollen die ÖBB künftig noch stärker die Ostmärkte erschließen. Services, die im Osten günstiger betrieben werden könnten, sollen dorthin verlagert werden. Sparen will man aber auch in der Verwaltung. Buchhaltung und Informatik sollen zentralisiert werden.

Das größte Einsparungspotenzial sieht man bei den ÖBB aber im Infrastruktur-Bereich. Dort müssten die Kosten laut Finanzleiter bis 2006 um jährlich 200 Mio. Euro reduziert werden. Erreichen will Luschinger dies zum einen durch den genannten Personalabbau. Verbleibende Überkapazitäten im Personal sollen zum anderen künftig extern eingesetzt werden. Schon jetzt würden ÖBB-Mitarbeiter über die Bahntochter Anlagen, Bau und Service GmbH (ABS) etwa für Installationsarbeiten herangezogen. Künftig sollten Mitarbeiter auch etwa für großen Bauprojekten vermietet werden können.

Kosten sparen will man außerdem beim Einkauf. Auch im Verschub, der bei den ÖBB zur Infrastruktur zählt, könne eingespart werden, in dem man die Zahl der Verschubknoten reduziert. Zudem bringt der ÖBB-Finanzleiter auch das Thema "Nebenbahnen" aufs Tableau. Lutschinger verlangt eine "Durchforstung des Streckennetzes". Strecken wie zwischen Gmunden und Groß-Gerungs, wo nur vier Mal wöchentlich ein Nostalgiezug verkehre, könnten eingespart werden, meint der ÖBB-Finanzleiter.

7.2.2003 13:05