EZB tastet die Euro-Leitzinsen nicht an
- Analysten rechnen mit Rücknahme erst ab März
- Bank of England senkt um 1/4% auf 3,75 Prozent
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen nicht angetastet. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld in der Eurozone verharrt damit weiter bei 2,75 Prozent. Dies teilte die EZB am Donnerstag nach der Sitzung des Rates in Frankfurt mit.
Immer mehr Analysten rechnen aber damit, dass trübe Konjunkturaussichten als Folge eines Irak-Krieges und ein deutlicher Rückgang der Inflation die Notenbank in den kommenden Monaten zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen werden.
Die Notenbank hatte erst im Dezember die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt, weil sie einen Rückgang der Inflationsrate in diesem Jahr unter die Grenze von zwei Prozent erwartet, womit nach ihrer Definition Preisstabilität gewährleistet ist. Im Jänner verlangsamte sich die Jahresteuerung nach ersten Schätzungen auf 2,1 Prozent von 2,2 Prozent im Dezember. Die EZB erwartet zudem trotz vieler Abwärtsrisiken eine konjunkturelle Belebung bis zum Jahresende.
Doch viele Volkswirte bezweifeln, dass sich dieses Szenario bewahrheitet, denn der drohende Irak-Krieg sorgt für hohe Verunsicherung und drückt die Stimmung an den Finanzmärkten ebenso wie in der gesamten Wirtschaft. Sollte sich der Euro außerdem nach seinem raschen Anstieg in den vergangenen Monaten auf einem Niveau nahe 1,10 Dollar halten, würde er zusätzlich zur schwachen Konjunktur das Preisniveau dämpfen.
Die Finanzmärkte achten nun darauf, ob EZB-Präsident Duisenberg auf der Pressekonferenz ein Signal für eine bevorstehende Zinssenkung gibt und wie er die Entwicklung des Wechselkurses bewertet.
England senkt
Die Bank of England hat überraschend ihren Leitzins um 0,25 Punkte auf 3,75 Prozent gesenkt. Das teilte die britische Zentralbank am Donnerstag mit. Es ist die erste Zinssenkung in Großbritannien seit November 2001. Der Zins fällt damit auf den niedrigsten Stand seit 48 Jahren.
Nach Einschätzung von Experten will die Bank damit Impulse für eine Belebung der Wirtschaft angesichts der Angst vor einem möglichen Irak-Krieg setzen. Gewerkschaften hatten zur Ankurbelung der industriellen Produktion eine Senkung um mindestens einen halben Prozentpunkt gefordert.
In der Londoner City war allerdings nicht mit einer Senkung gerechnet worden. Bei der Zurückhaltung der Bank of England hat zuletzt vor allem das hohe Preisniveau auf dem britischen Immobilienmarkt eine Rolle gespielt.
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