Euro gibt trotz Unsicherheiten in Irak-Krise nach
- Höhenflug der vergangenen Wochen gestoppt?
- Auflösung von Short-Positionen nach Powell-Rede
·Leit-Zinsen
EZB lässt sie für Euro unverändert
Der Euro hat am Donnerstag trotz weiter bestehender Unsicherheiten mit Blick auf einen Irak-Krieg zum Dollar an Wert verloren. Händler begründeten die Kursverluste damit, dass viele Marktteilnehmer im Vorfeld der Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat so genannte Short-Positionen aufgebaut hätten.
"Der Markt hat vor Powell Short-Positionen in Dollar aufgebaut, weil es das Risiko gab, Powell könnte unumstößliche Beweise vorlegen, die zu einem sofortigen Krieg geführt hätten", sagte Katsunori Kitakura von Chuo Mitsui Trust. "Aber nachdem sich bestätigt hat, dass es solche Beweise nicht gibt, haben die Leute angefangen, diese Positionen zu schließen."
Nachdem der Euro am Mittwochvormittag noch auf ein Vier-Jahres-Hoch bei 1,0938 Dollar geklettert war, notierte er rund 24 Stunden später - gegen 9.45 Uhr MEZ - mit 1,0793/98 Dollar deutlich darunter. In New York war die US-Währung mit 1,0781/85 Dollar aus dem Handel gegangen.
Stichwort: Short-Positionen
Bei Short-Positionen vereinbaren Marktteilnehmer den Verkauf einer Währung - in diesem Falle des Dollar - bevor sie sich überhaupt damit eingedeckt haben. Dabei spekulieren sie auf einen fallenden Dollar, weil sie die US-Währung zu einem niedrigeren Kurs erwerben wollen als sie für deren Verkauf vereinbart haben.
Vorübergehender Dollar-Hype
Die Dollar-Käufe im Rahmen der Auflösung von Short-Positionen lösten nach Einschätzung von Händlern einen Kursanstieg der US-Währung aus. Dieser sei aber wegen der nach der Powell-Rede weiterhin bestehenden Unsicherheit mit Blick auf Irak nur vorübergehend. "Ich denke, es gibt verschiedene Bewertungen der Powell-Rede, aber die Unsicherheit bleibt bestehen", sagte Devisenmanager Shogo Nagaya von der Bank Nomura Trust. Dies gelte damit auch für die US-Währung.
Goldpreis kurzfristig abgefallen
Der Goldkurs ging nach der Powell-Rede nur kurzfristig zurück. Noch am Nachmittag hatte der Goldpreis im europäischen Handel ein neues Sechsjahreshoch erzielt, bevor Gewinnmitnahmen, ein sich erholender Dollar und anziehende Aktien den Kurs weder nach unten drückten. In London wurde Gold am Nachmittag mit 382,10 Dollar je Feinunze gefixt nach 385,50 Dollar am Vormittag und 376,55 Dollar am Dienstagnachmittag. Im Verlauf war das Edelmetall bis auf 388,50 Dollar gestiegen, das war der höchste Stand seit September 1996.
Händler erklärten, anfangs seien Investoren im Vorfeld der Rede von Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat in das als sicheren Hafen geltende Gold geflüchtet. Danach hätten Gewinnmitnahmen eingesetzt. Kurz nachdem Powell seine Rede begonnen hatte zog der Goldpreis in New York wieder an und stand gegen 17:45 Uhr MEZ bei 380,90/381,65 Dollar. So viel wie heute war Gold zuletzt im August 1996 wert. Den Anstieg führten Analysten auf die extreme Nervosität der Händler vor der Powell-Rede zurück. Gold wird nach Meinung von Experten wegen eines möglichen Irak-Kriegs schon seit Wochen zunehmend wieder als "Fluchtwährung" benutzt.
US-Außenminister Powell hatte Irak am Mittwoch erneut schwerwiegende Verstöße gegen zentrale Abrüstungsauflagen der Vereinten Nationen (UNO) vorgeworfen und dem Land indirekt einen Militärschlag angedroht. Während Powell auf eine schnelle Entscheidung des Sicherheitsrats drängte, sprachen sich die Veto-Mächte Frankreich, Russland und China wie der Vorsitzende des Gremiums, Bundesaußenminister Joschka Fischer, für die Fortsetzung der Waffeninspektionen in Irak aus.
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