Für Meissnitzer glänzt Silber heller als Gold
- Nach dreijährigem Albtraum rettete "Meissi" die Abfahrts-Nation
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Turgeon beendete WM-Durststrecke
"Sie ist ein Renn-Tier. Sobald ein Rennen ansteht, geht bei ihr die Post ab!" Die Worte der geschlagenen Renate Götschl sind fast ein Adelstitel für Alexandra Meissnitzer, die sich am Sonntag bei der WM in St. Moritz beinahe selbst zur Speed Queen gekrönt hat. Doch nach einer dreijährigen Leidenszeit sah "Meisi" überhaupt keinen Grund, mit elf Hundertstel Rückstand auf Melanie Turgeon und "nur" Abfahrts-Silber zu hadern. "Ich habe so hart und lange dafür kämpfen müssen, dass diese Medaille fast heller glänzt als Gold", sagte Meissnitzer.
Eine bemerkenswerte Aussage aus dem Mund der Kämpferin aus Salzburg, die verbissen wie kaum eine Andere seit ihrer schweren Verletzung im November 1999 um das Comeback kämpft. Damals war die Abtenauerin nach einer grandiosen Saison als Weltcup-Gesamtsiegerin, zweifache Disziplinen-Siegerin (RTL und SG) sowie zweifache Weltmeisterin von Vail in die neue Saison gegangen. Doch der Trainings-Sturz und die dabei erlittene Kreuzbandverletzung im Knie beendete den Winter noch bevor er begonnen hatte und beinahe auch die Karriere der Alexandra Meissnitzer.
Meissnitzer wäre fast schon verzweifelt
Zwar kehrte sie schon ein Jahr später in den Weltcup zurück, doch wirklich schmerzfrei wurde ihr Knie nicht mehr. Der Knie-Operation folgten immer wieder operative Nachbehandlungen, Spritzen-Kuren und Therapien. Zudem hatte gerade die Carver-Revolution stattgefunden. Kein Wunder, dass die "ewige Zweiflerin" mehrmals fast das Handtuch geworfen hätte. "Als der Unfall passierte, dachte ich, okay, in sechs Monaten bin ich wieder da. Aber mit solchen Probleme hatte ich nie gerechnet. Ich habe in den vergangenen drei Jahren ja nie wirklich vernünftig trainieren können."
Heuer ging es wieder bergauf
Ein Albtraum für die ehrgeizige Salzburgerin, die einen Faible für schnelle Autos hat aber immer noch zu Hause die Nestwärme ihrer Familie auslebt und ihr Seelenleben so offen darlegt, dass selbst Tränen im Zielraum keine Seltenheit sind. Erst im vergangenen Sommer ließ das verletzte Knie erstmals wieder vernünftiges Krafttraining zu, seit dem geht es - zaghaft - bergauf. Anfang dieser Saison fuhr Amerika-Freak und Picabo-Street-Intimus Meissnitzer im RTL von Park City fast den ersten Sieg seit dem Comeback ein. Wie dort verhinderte aber immer wieder Hundertstel-Pech den ganz großen Wurf.
Im letzten Abschnitt Gold verspielt
"Mich interessiert das bald nicht mehr", hatte Meissnitzer auch nach dem WM-Super-G geflucht und als auch das Abfahrts-Training miserabel verlief, hätte sich die 1,65 m große Salzburgerin am liebsten fast selbst aus der Mannschaft gestellt. Am Ende stand sie aber als die große Retterin da, fast hätte sie sogar sensationell Gold geholt. Alle Zwischenbestzeiten gehörten ihr und trotz der höchsten Geschwindigkeit im Schlussteil (126,7 km/h) verlor sie dort fast drei Zehntel und Gold.
Mit neuer Lockerheit aufs Podest
"Ich habe beim zweiten Sprung zu wenig Tempo mitgenommen und dann den Ski zu wenig gehen lassen", so Meissnitzer. Aber diese Medaille bedeutet mir enorm viel. Als es im Super G daneben gegangen ist, habe ich mir in der Abfahrt noch weniger ausgerechnet." Erst als sie aufgehört habe, sich wegen der Hundertstel zu verkrampfen, sei sie wieder locker geworden.
Und so wurde ausgerechnet die "Supertechnikerin" - von ihren elf Weltcup-Siegen feierte sie ja die meisten (5) im Riesentorlauf - in der Abfahrt zur Retterin der Nation. "Vielleicht", so Meissnitzer, "weil niemand mit mir gerechnet hat und deshalb keiner Druck auf mich ausgeübt hat. Nicht einmal ich selbst. Dieses Silber ist für mich vielleicht wichtiger als die Goldenen davor."
