Sonntag, 9. Februar 2003

Damen-Kombi: Gold für Kostelic 6/100 vor Hosp

  • Marlies Schild verliert Bronze um 2/100 an Marlies Öster
  • PLUS: Ihr Gold-Tipp: Wie viele WM-Medaillen holt Österreich?

Die Damen-Kombination in St. Moritz geriet zu einem hochdramatischen Hundertstel-Krimi! Am Ende durfte Janica Kostelic über Gold jubeln. Die Kroatin schlug Nicole Hosp um ganze 6/100, aber auch die Silbermedaille ist ein Riesenerfolg für die Tirolerin. Riesenpech hatte Marlies Schild, die als Vierte hinter der Schweizerin Marlies Öster Bronze um nur 2/100 verpasste.

Dank Kostelic hat Kroatien als 21. Nation endlich eine WM-Medaille gewonnen und die gleich aus Gold. Um diese musste die mit starken Knieschmerzen kämpfende "WM-Verachterin", die sich während der Durchgänge nur humpelnd fort bewegte und Schmerztabletten nehmen musste, aber hart kämpfen. Denn Österreichs derzeit herausragendstes Ski-Talent bei den Damen lieferte der 20-Jährigen Weltcup-Leaderin, die vergangenes Jahr bei Olympia so groß abgeräumt hat, davor in St. Anton bei der WM aber leer ausgegangen war, ein Riesen-Match.

Hosp in der Abfahrt extrem stark
Während Slalom-Spezialistin Schild die entscheidenden Hundertstel schon in der Abfahrt liegen ließ und Christine Sponring nach Platz fünf in der Abfahrt im ersten Slalom-Durchgang mit einem dummen Fehler ausschied, überraschte Hosp schon in der Abfahrt mit der drittbesten Zeit. Ihr Pech: Kostelic wurde zwar nur Zwölfte, ihr Rückstand hielt sich auf der leichten Abfahrt aber in Grenzen.

6/100 fehlten Hosp zur Sensation
Hosp verteidigte ihren Vorsprung von 56/100 auf Kostelic auch im ersten Slalom-Duchgang, rettete aber gerade 17/100 in den zweiten Lauf. Kostelic fuhr dann erneut Bestzeit und lag am Ende minimale sechs Hundertstel vor der jungen Österreicherin, die vor dieser Saison noch niemand im Weltcup gekannt hatte, ehe sie nach ihrem Sensationssieg im Sölden-Riesentorlauf in aller Munde war.

Hosp nach Silber "sprachlos und überwältigt"
Wie vor zwei Jahren Sponring in St. Anton holte Hosp damit ebenfalls gleich bei ihrem ersten WM-Auftritt Kombi-Silber. Eine Farbe, auf die Österreichs Mädchen in jüngster Zeit offenbar abonniert sind, denn auch bei Olympia vor einem Jahr war Renate Götschl Kombi-Zweite geworden. "Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Ich bin sprachlos und überwältigt", trauerte Hosp nicht im Geringsten um Gold.

Großes Versprechen für Slalom und RTL
Sie sei im Gegensatz zu sonst sicherlich etwas nervöser gewesen, "trotzdem bin ich zwei gute Slaloms gefahren, habe auf Janica nicht viel verloren." Wie schon im Weltcup hat Hosp damit auch bei der WM "viel mehr erreicht als erwartet". Das Riesentalent aus dem Tiroler Außerfern hat aber im Riesentorlauf und im Slalom ebenfalls ausgezeichnete Medaillen-Chancen. "Auf jeden Fall kann ich jetzt locker drauflos fahren", so Hosp.

"Blöder Fehler" von Sponring
Traurig waren Schild und Sponring. Die 19-jährige Tirolerin rammte sich kurz vor dem Ziel den Griff ihres Skistock gegen das Kinn, biss sich dabei heftig auf die Zunge und fuhr orientierungslos am nächsten Tor vorbei. "Ein blöder Fehler, kann aber passieren. Das viele Abfahrtstraining hat damit nichts zu tun", sagte Sponring, die nicht als Slalom-Ersatz in St. Moritz bleiben will.

Schild wartet auf nächste Chance
Schild ("Nach der Abfahrt hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt noch vorne mitmischen kann") bekommt hingegen am Samstag eine weitere Chance und da mag gelten, was Alpinchef Hans Pum zu ihrem Hundertstel-Pech sagte: "Das kommt sicher irgendwann zurück."

9.2.2003 11:40