Alexandra Meissnitzer holt Abfahrts-Silber
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Turgeon beendete WM-Durststrecke
Nächste Medaille für Österreich! Und fast wäre es schon wieder Gold geworden. Es war eine dramatische Entscheidung: Alexandra Meissnitzer liegt bei der letzten Zwischenzeit noch voran - im Ziel fehlen ihr dann 11/100 Sekunden auf die Goldmedaille! Die übergroße Freude über die Silberne war 'Meissi' bei der Siegesfeier anzusehen. Die Kanadierin Melanie Turgeon krönte sich zur Abfahrts-Weltmeisterin, zeitgleich mit Meissnitzer wurde Corinne Rey-Bellet (SUI) Zweite.
Die Kanadierin Melanie Turgeon ist am Sonntag in St. Moritz sensationell zu WM-Gold in der Abfahrt gerast. Jubel gab es aber neuerlich auch im österreichischen Lager, denn Alexandra Meissnitzer blieb nur 0,11 Sekunden hinter der 26-Jährigen und holte mit Silber die fünfte ÖSV-Medaille im Engadiner Nobelort. "Teilen" muss sich Meissnitzer ihre Silberne mit der Schweizerin Corinne Rey-Bellet, die ex aequo mit der Abtenauerin Zweite wurde. Für die lange Zeit in Führung liegende Brigitte Obermoser blieb nur der undankbare vierte Rang (+0,27), Ex-Weltmeisterin Renate Götschl wurde Fünfte (+0,35).
ÖSV-Serie ging zu Ende
Für die ÖSV-Abfahrts-Damen ging am Sonntag vor 17.000 Zuschauern eine tolle WM-Serie zu Ende, denn in Vail 1999 hatte es in der Abfahrt einen Vierfach-Triumph und in St. Anton 2001 einen Dreifach-Erfolg zu feiern gegeben. Christine Sponring und die zum engeren Favoritenkreis gehörende Titelverteidigerin Michaela Dorfmeister komplettierten mit ihren Rängen acht und zwölf das mannschaftlich geschlossene Ergebnis.
Meissnitzer strahlte
Für Meissnitzer, die so wie Herren-Weltmeister Walchhofer mit Nummer 31 ins Rennen ging, strahlte ihre fünfte Medaille bei einem Großereignis wie Gold: "In der Abfahrt hab ich das am allerwenigsten erwartet. Ich hab so eine Freude mit der Silbernen", strahlte die 29-Jährige, die auf ihre perfekten Völkl-Ski verwies: "Ich hab ein unglaubliches Gerät unter den Füßen gehabt. Denn mein Lauf war alles andere als fehlerfrei, im Ziel konnte ich es gar nicht glauben."
Hundertstel-Krimi knapp verloren
Den ersten Sieg seit ihren schweren Knieverletzung nach dem Weltcup-Gesamtsieg 1998/99 und das 13. Abfahrts-Gold für Österreich verpasste die "Meissi" nur um elf Hundertstel, die erste Medaille bei einem "big event" seit Vail 1999, wo sie Doppel-Weltmeisterin (Super G, RTL) war, konnte ihr aber niemand nehmen. "Ich hab so lange drauf warten müssen, hab mich aber nicht verkrampft und bin locker geblieben", atmete Meissnitzer tief durch. Bei der letzten Zwischenzeit war sie noch in Front gelegen und auch im Schlussteil hatte sie kurioser Weise mit 126,70 km/h die Höchstgeschwindigkeit verzeichnet.
Turgeon war von Erfolg überzeugt
Siegerin Turgeon hat zwar erst einen einzigen Weltcup-Erfolg (Super-G in Innsbruck 1999) zu Buche stehen, dennoch war das Energiebündel aus Quebec bereits im Vorfeld der Abfahrt von einer Top-Leistung überzeugt. "Ich habe es kommen sehen und mir die ganze Woche eingeredet, dass ich dieses Rennen gewinne. In dieser Saison hatte ich schon öfters am Podest angeklopft, ich habe lang und hart gearbeitet", jubelte Turgeon über den großen Wurf der Damen-Abteilung der "crazy canucks".
Rey-Bellet nahm Kritikern Wind aus den Segeln
Große Befriedigung verspürte auch die Silber-Gewinnerin Rey-Bellet, die zuletzt in den Schweizer Medien heftig kritisiert worden und nach einem Training sogar mit Weinkrämpfen zusammengebrochen war. Für die 30-Jährige war es so wie für Turgeon die erste Medaille im Rahmen eines Großereignisses.
Obermoser kriegt Blech ab
Bei strahlendem Sonnenschein war schon vor Beginn der Abfahrt auf der "Engiadina" klar, dass auf der relativ einfachen Strecke der Favoritenkreis sehr groß sein würde. Die stark steigenden Temperaturen sorgten für noch offenere Verhältnisse und Hochbetrieb im Materiallager. Gitti Obermoser legte mit Startnummer vier die erste echte Richtzeit hin, die bis zur Nummer 22 (Rey-Bellet) hielt. "Das Warten ist schlimmer als das Rennen selber", zitterte die Altenmarkterin, die schließlich noch auf den vierten Rang durchgereicht wurde.
Götschl verlor in den Gleitpassagen
Unmittelbar hinter ihr musste sich "Speed Queen" Götschl mit Platz fünf zufrieden geben. Die Steirerin fuhr den technisch schwierigen Mittelteil sensationell und schnell wie keine andere, verlor aber in den Gleitpassagen davor und danach zu viel. "Mir fehlt wegen meiner Knieverletzung einfach noch das wirkliche Gefühl fürs Gleiten, das war hier nicht wettzumachen", sagte Götschl. Dass sie medaillenlos geblieben ist, sei kein Problem. "Allein, dass ich hier überhaupt mitfahren konnte, war schon nicht selbstverständlich."
Sponring fuhr stark
Ihre Aufstellung voll gerechtfertigt hat Christine Sponring, die noch vor Abfahrts-Größen wie Isolde Kostner, Dorfmeister oder Hilde Gerg hervorragende Achte wurde. "Mir taugt die Strecke und die Atmosphäre hier. Ich hab die Trainingsleistung von gestern wieder runter gebracht und gewusst, dass ich in der Abfahrt nichts zu verlieren habe", freute sich die 19-Jährige, die zuvor in der Abfahrt noch kein einziges Top-30-Resultat abgeliefert hatte und auch für die Kombi am Montag sehr optimistisch war.
Super-G-Weltmeisterin Dorfmeister wusste genau, warum sie keine Siegchance hatte: "Ich bin von oben weg nicht ordentlich auf Zug gekommen und das hat sich bis runter gezogen."
