10.000 Fans feierten Walchhofer bei der Siegerehrung
- Österreicher holte Abfahrts-Gold vor Aamodt und Kernen
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Medaillen-Rekord für Aamodt
Am Samstagabend um 18:33 Uhr war es soweit - der Salzburger Michael Walchhofer bekam vor 10.000 begeisterten Fans auf dem St. Moritzer Dorfplatz sein Abfahrts-Gold um den Hals gehängt. Nachdem FIS-Präsident Gian-Franco Kaspar dem frisch gebackenen Weltmeister die Medaille überreicht hatte, stellten sich auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und zwei prominente Vertreter des englischen Königshauses als Gratulanten ein. Prinz Edward, der jüngste Sohn von Königin Elizabeth II., und seine Gattin Sophie überreichten dem 27-Jährigen den Pokal der Gemeinde St. Moritz.
Stephan Eberharter, Hermann Maier, Fritz Strobl. Allen hätte man im ÖSV zugetraut, die dritte Goldmedaille für Österreich bei den 37. Weltmeisterschaften zu holen. Walchhofer war nach vier zweiten Plätzen im laufenden Weltcup auch Medaillen-Kandidat, aber der baumlange Super-Gleiter aus Zauchensee, der sich in nur zwei Jahren vom Slalom-Spezialisten zum technisch perfekten Abfahrer entwickelt hat und vor zwei Wochen in Kitzbühel als Hahnenkamm-Sieger in der Kombi seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, düpierte an diesem Tag alle.
Sensationeller Schluss-Spurt
Sensationell fuhr Walchhofer vor allem den Schlussabschnitt, in dem der 27-Jährige dem Feld noch einmal um fast eine halbe Sekunde enteilte. Dem zu diesem Zeitpunkt führenden Kernen nahm er fast eine Sekunde ab, nur der unverwüstliche Aamodt kam danach noch halbwegs an Walchhofers Zeit heran. Hermann Maier lag wie schon zuvor Stephan Eberharter bereits deutlich zurück. Die Schrecksekunde, als Max Rauffer mit Startnummer 39 bei der zweiten Zwischenzeit nur 7/100 zurück lag, dauerte nicht lange. Der Deutsche stürzte.
Hinter Platz drei staute es sich
Fast eine Sekunde lag am Ende zwischen den ersten drei, dafür staute sich dahinter ein Klassefeld im Hundertstel-Bereich. Nur 27/100 hinter Bronze belegte Olympiasieger Fritz Strobl ("Der Walchi hat es sich wirklich verdient, für mich geht das Leben trotzdem weiter") Platz zehn. Top-Favorit Eberharter beging im Mittelteil einen groben Fahrfehler ("Bodenhaftung verloren, aber den Walchhofer hätte heute sowieso keiner geschlagen"), als Fünften fehlten ihm gerade 17/100 auf Bronze, Hermann Maier als Achtem 25/100.
Maier gab sich zufrieden
Maier, dessen Nominierung für so viel Aufregung gesorgt hatte, war trotzdem mit sich zufrieden. "Beim Gleiten habe ich noch große Probleme, weil ich im Fuß nichts spüre. Aber ich bin nicht weit weg vom Dritten, es ist eh sensationell was bei mir in wenigen Wochen weiter gegangen ist." Er lobte dann vor allem Walchhofer, zu dem er nicht nur ein räumliches Naheverhältnis hat. "Ich habe schon vor der Saison gesagt, passt's auf diesen Burschen auf, der wird was gewinnen", so Maier. Nur (Ex-) Weltmeister Hannes Trinkl fiel wie befürchtet wegen seiner Materialprobleme deutlich ab und wurde nur 31.
Walchhofer hatte eine Vorahnung
Wer einen überraschten Sieger erwartet hätte, wurde freilich enttäuscht. "Ich habe mir schon bei der Besichtigung vorgestellt wie es wäre, als Erster durch das Ziel zu fahren. So gesehen ist es nicht ganz neu", überraschte der 1,92 große 97 kg-Mann im Ziel.
"Es war eine wirklich gute Fahrt", meinte der Hotelier aus Altenmarkt-Zauchensee, der als Markenkollege von Maier mit Edi Unterberger den gleichen Servicemann und mit Andreas Evers den gleichen Trainer wie der Herminator hat. "Er hat perfekt gewachselt. Schon beim letzten Sprung habe ich gedacht, dass ich schnell bin und dass es sich vielleicht für den Titel ausgeht." Glücksstrahlend war auch Abfahrts-Coach Robert Trenkwalder, der mit seiner Speed-Truppe seit seinem Dienstantritt 1998 alle Abfahrts-Titel geholt hat.
Dritte Goldmedaille für ÖSV
Walchhofer hat damit im vierten WM-Bewerb nach den Super G-Titeln von Eberharter und Michaela Dorfmeister das dritte Gold für Österreich geholt und Austria damit in der Medaillen-Wertung wieder an die Spitze gebracht. Das ÖSV-Team liegt damit schon jetzt gleichauf mit St. Anton, denn mehr als drei Goldene hat es dort nicht gegeben. In den vier Bewerben von St. Moritz ist Österreich bisher nur in der Kombination der Herren ohne Edelmetall geblieben.
