Donnerstag, 6. Februar 2003

Maier von Schifferer enttäuscht / 12.30h 2. Training

  • Nach Pepi Strobl will auch Schifferer den ÖSV verlassen
  • PLUS: Gratulieren Sie unseren beiden Medaillengewinnern!

Die hohen Wellen rund um die ÖSV-Entscheidung zur WM-Abfahrts-Mannschaft der Herren waren auch 24 Stunden danach noch nicht gänzlich abgeklungen. Fixstarter Hermann Maier war vor allem von der Reaktion des bereits am Mittwochabend abgereisten Andreas Schifferer enttäuscht, denn der aus dem Team eliminierte Salzburger hatte ja von einer Maier-Lobby im nationalen Verband gesprochen. "Das hat mir

Herren-Chef Toni Giger konzentriert sich zwar bereits voll und ganz auf das Freitag-Training und das Rennen am Samstag (12:30 Uhr), aber auch er nahm noch einmal zu den Nachwehen der Entscheidung Stellung. "Das war eine Situation, bei der bereits viele darauf gewartet haben, dass sie schimpfen können. Ganz egal wie sie ausgefallen wäre. Aber die wirklich kompetenten Leute haben die Entscheidung gutgeheißen." Ab sofort gilt jedoch der Blick lediglich der nahen Zukunft, der WM-Königsdisziplin. "Das Wichtigste ist, dass wir ein gutes Rennen fahren und für Österreich möglichst viele Medaillen holen", betont Giger.

Maier stattete am Mittwoch unmittelbar nach der Entscheidung seinem Teamkollegen Schifferer einen Besuch im Hotelzimmer ab. "Ich habe ihm gesagt, dass es mir für ihn Leid tut. Als ich aber dann mitbekommen hab', was er in Interviews gesagt hat, dachte ich mir, warum bin ich überhaupt hingegangen", berichtete der Superstar, für den die heftigen Reaktionen rund um die Aufstellung seiner Person logisch sind. "Das kann den Leuten nicht egal sein, dafür hab' ich einfach schon zu viele gute Leistungen gebracht", weiß der "Herminator" über seine immense Wirkung in der Öffentlichkeit.

Unterschiedlich Reaktionen der Verlierer
Nach der Entscheidung im ÖSV über das WM-Abfahrts-Team der Herren gingen die beiden "Verlierer" Andreas Schifferer und Klaus Kröll völlig unterschiedlich mit ihrem Frust um. Während Routinier Schifferer Gespräche nicht scheute und seine Pläne über einen Nationenwechsel ausbaute, zog sich Youngster Kröll zurück und wollte seinen Ärger erst einmal hinunter schlucken. Schifferer will am liebsten mit Pepi Strobl und anderen unglücklichen Kollegen den ÖSV verlassen und bei einer anderen Nation ein eigenes Team gründen. Droht Österreich jetzt der Massenexodus der Ski-Asse?

Die Flinte ins Korn werfen will Schifferer auf keinen Fall: "So lange du dich nicht selbst ausscheidest, bist du nicht ausgeschieden." Dass Schifferer den ÖSV mit Saisonende verlässt, hat der Salzburger aber neuerlich bekräftigt und nannte dabei auch gleich eine interessante Variante. "Ideal wäre eine kleine Gruppe von drei, vier Leuten, die ein neues Team aufbauen", meinte der 28-Jährige, der hofft, auch Josef Strobl für seine Pläne gewinnen zu können. "Zu groß darf sie aber auch nicht sein, sonst müssen wir wieder Quali fahren", war "Schiffi" wenige Stunden nach der ÖSV-Entscheidung am Mittwoch bereits wieder guter Dinge.

Schifferer und Co. wollen demnach den Vorteil der kleinen Gruppe suchen, auf eine Nation wollte sich der Sieger von acht Weltcup-Rennen nicht festlegen. Den norwegischen Pass zu bekommen ist trotz seiner Langzeit-Freundin nicht so einfach, denn Schifferer würde diesen erst nach sechs Ehe-Jahren erhalten. Und auch beim Start für ein "exotisches" Land sieht der Sieger von acht Weltcup-Rennen hohe Hürden: "Wenn der ÖSV nicht mitspielt, gibt es einige Probleme."

Kurz flammte bei Schifferer auch noch einmal der Ärger über die Entscheidung gegen ihn bzw. die Vierer-Regel bei einer WM auf. "Dieses elitäre Denken finde ich schlecht. Einigen wäre wohl am liebsten, wenn nur der Maier und der Eberharter die ganze Zeit gegeneinander fahren würden." Und dem ÖSV-Team sagt der Halleiner auf Grund der vielen Abwanderungsgedanken von Läufern ein mögliches Problem voraus: "Dass ein Team zerfällt, geht schneller als man glaubt."

Die WM-Abfahrt am Samstag wird sich Schifferer aus einem einfachen Grund dennoch im Fernsehen anschauen: "Ich bin ein Fanatiker, ein Ski-Idiot und es ist eine Augenweide für mich, wenn ich schnelle Läufer sehe." Den Anblick von herunter rutschenden Exoten, die im Gegensatz zu ihm teilnehmen dürfen, will sich Schifferer aber ersparen: "Da werd' ich wohl den Teletext einschalten."

6.2.2003 11:57