Dienstag, 4. Februar 2003

Die emotionale Medaille der Michaela Dorfmeister

  • Dorfmeister glaubt nicht an Zufall, eher an Schicksal
  • PLUS: Gratulieren Sie unserer Weltmeisterin Michi Dorfmeister!

Tränen im Zielraum sind nichts Neues für Michaela Dorfmeister. "Ich habe ein sehr weiches Herz und kann gottseidank Emotionen zeigen", gestand die neue Super-G-Weltmeistern nach ihrem Triumph in St. Moritz. Es war in der Tat eine sehr emotionale Medaille für die 29-jährige, die mit zwei WM-Titeln klar erfolgreichste Skifahrerin aus Niederösterreich geworden ist.

Ihre fünfte Medaille sei mit Sicherheit eine tolle Entschädigung für die Olympia-Enttäuschungen von Salt Lake City. Dorfmeister stellt sie prinzipiell auf eine Stufe mit Abfahrts-Gold von St. Anton. Auch dort hatte Dorfmeister eher unerwartet Gold geholt. Wie so oft Zufall im Leben und der Karriere von "Michi" Regie geführt hat. In alle Richtungen freilich, denn oft ist sie auch um Hundertstel am Erfolg vorbei gefahren. Am krassesten bei Olympia 1998, wo sie den Olympiasieg im Super G um ein Hundertstel verpasst hat.

Dorfmeister will das aber nicht als Zufall sondern eher als Schicksal sehen. "Gerechtigkeit ist nichts Selbstverständliches. Ich habe nie meinen Kampfgeist verloren. Obwohl ich oft eine auf den Deckel bekommen habe, bin ich hartnäckig geblieben. Es war eine harte Zeit und ich habe auch oft an mir selbst gezweifelt. Und jetzt ist das Glück zurück gekommen, das weiß ich zu schätzen."

Wie wahr. In St. Moritz war das Wind-Glück auf ihrer Seite, aber Dorfmeister will auch das nicht als Zufall sehen. Deshalb dachte sie in der Stunde ihres Erfolges ebenso an ihre frustrierten Teamkolleginnen wie an einige ihrer Vorgängerinnen. Dass mit Ulrike Maier und Regine Cavagnoud zwei Super-G-Weltmeisterinnen tot sind, sei ihr im Zielraum durch den Kopf gegangen. Und bei der Siegerehrung sei da auch eine Menge Mitgefühl für die Verliererinnen gewesen.

Noch am Abend vor dem Rennen habe sie über die seinerzeitige Doppel-Weltmeisterin Ulrike Maier gesprochen. "Die Ulli ist täglich in meinem Gebet", so Dorfmeister. Es sei nach der bisher mittelmäßigen Saison natürlich ein schönes Gefühl, Können und Klasse endlich wieder bewiesen zu haben, sie habe aber auch mit der restlichen Mannschaft mitgelitten. "Am liebsten wäre mir, alle vier stehen am Podest. Ich weiß zu gut wie es einem geht, wenn man unten steht und oben ist eine an sich gleich schnelle Teamkollegin."

Dorfmeister hat in St. Moritz aber auch noch Abfahrts-Gold zu verteidigen. "Ich glaube nicht, dass jetzt die Luft draußen ist und ich Konzentrationsprobleme habe. Da ist noch was drin und ich werde es so locker wie konsequent angehen", versprach Dorfmeister. Dass sie in zwei Jahren in Bormio nun bereits einen Titel zu verteidigen hat, rang ihr ein Schmunzeln ab, liebäugelt sie doch mit einem Karriere-Ende. "Aber ich kann dort ja auch als Ski-Pensionistin nur den Super G fahren", scherzte sie, ehe sie sich in eine lange Nacht stürzte.

4.2.2003 15:26