Dienstag, 4. Februar 2003

Bode Miller gewinnt vor Kjus und Aamodt Kombi-Gold

  • Keine Medaille für Österreich: Raich, Walchhofer & Matt out!!!
  • PLUS: Die Favoriten in der Diashow & die Umfrage: Wer siegt?

Es war die dramatischte Kombinationsentscheidung seit langem: Gold geht an Bode Miller (USA) sieben bzw. 13 Hundertstel vor den beiden "norwegischen Elchen" Lasse Kjus und Kjetil-Andre Aamodt. Für Österreich setzt es die erste Pleite bei dieser WM: Bennie Raich scheitert als Zweiter nach Abfahrt und 1. Slalom-Durchgang im 2. Lauf nach wenigen Toren. Nur Rainer Schönfelder schafft's in die Gesamtwertung.

Bode Miller hat bei der Ski-WM in St. Moritz Gold in der alpinen Kombination gewonnen und damit die USA nach Medaillenanzahl zur vorerst erfolgreichsten Nation gemacht. Während nur wenige Hundertstel hinter Miller Lasse Kjus (7/100) und Kjetil-Andre Aamodt (13/100) mit ihren jeweils historischen elften WM-Medaillen zu Marc Girardelli aufschlossen, ging Österreich nach zwei Mal Gold erstmals bei der WM leer aus. Als Einziger kam Rainer Schönfelder als Zehnter in die Wertung.

Riesenpech für Raich
Dabei hätte es Benjamin Raich im dritten WM-Bewerb locker in der Hand gehabt, das dritte Gold für Österreich zu holen. Nach einer ausgezeichneten Abfahrts-Leistung (Platz neun) fuhr sich der Pitztaler mit der drittbesten Laufzeit im ersten Slalom-Durchgang auf Rang zwei hinter dem Abfahrts-Besten Kjus nach vorne. Die 0,85 Sekunden Rückstand auf Kjus hätte Slalom-Spezialist Raich wohl locker auch noch wettgemacht.

Doch statt Gold gab es für den Slalom-Vizeweltmeister aus Tirol Riesenpech. Nach einigen Fahrsekunden brach die Kante an seinem Slalom-Carver und mit einem Sturz war der Traum vom ersten großen Titel vorbei. "Ich bin nicht am vollen Risiko gescheitert. Das Problem war ein Ski mit einer dünnen Kante", erklärte Raich enttäuscht im Ziel. "So etwas ist mir noch nie passiert", trauerte er der vergebenen Riesenchance nach.

Walchhofer nimmt Ausfall nicht tragisch
So war es für die bisher so erfolgsverwöhnten Österreicher der Tag der vergebenen Chance. Mario Matt und Schönfelder lagen schon nach der Abfahrt aussichtslos zurück und Michael Walchhofer, als aktueller Hahnenkamm-Sieger neben Miller und den Norwegern einer der Mitfavoriten, vergab nach Wetterpech in der Abfahrt (Platz sechs mit über zwei Sekunden Rückstand) seine Medaillen-Chance ebenfalls durch einen Sturz im letzten Slalom-Durchgang. Walchhofer sah sein Out aber relativ entspannt: "In der Abfahrt und im ersten Durchgang bin ich eigentlich gut gefahren, im Endeffekt hat mir vielleicht ein bisschen Erfahrung gefehlt", meinte der Salzburger.

Enttäuschung hält sich in Grenzen
Obwohl Österreich erstmals leer ausging, hielt sich die Enttäuschung im ÖSV-Lager in Grenzen. "Die Burschen haben voll angegriffen und alles gegeben. Das kann passieren", bilanzierte ÖSV-Alpindirektor Hans Pum, der so wie der Rest der Ski-Nation zum Auftakt mit zwei Goldenen durch Stephan Eberharter und Michaela Dorfmeister verwöhnt worden war. Ein bitterer Beigeschmack blieb aber auf Grund des unglücklichen Ausfalls des auf Medaillenkurs liegenden Benjamin Raich, den ein Materialschaden aus dem Rennen warf.

Schönfelder ärgerte sich mit Raich mit
Der einzige Österreicher in der Wertung war Rainer Schönfelder als Zehnter, auch der Kärntner ärgerte sich mit seinem Teamkollegen mit: "Für den Benni war die Goldene schon aufgelegt. Ich war überzeugt, dass er gewinnt, weil er dem Lasse locker die acht Zehntel abgenommen hat." Auch Schönfelder hatte mit Materialproblemen zu kämpfen, allerdings anderer Natur. Sein Anzug riss nämlich bereits am Morgen im Schritt, um ein weiteres Aufreißen zu vermeiden, klebte "Schöne" die Stelle mit zwei Tape-Streifen zu. Schönfelder konnte es danach anscheinend nicht lassen, die Tape-Bänder mit dem Schriftzug "Do not disturb" ("Nicht Stören") zu versehen.

Wird Miller zum Hero dieser WM?
Während der ÖSV also erstmals leer ausging, gehörte nach einem extrem spannenden Kombinationsbewerb der Jubel und die Begeisterung Miller und den Norwegern. Miller holte nach dem überraschenden Super-G-Silber mit Kombi-Gold seinen ersten WM-Titel und könnte nun der Mann dieser WM werden. Denn seine wirklich starken Bewerbe kommen mit dem Riesentorlauf und dem Slalom erst und auch die Spezialabfahrt wird er nun wohl auch fahren.

Cooler US-Boy vergoss Tränen der Freude
Dabei war auch dem Ski-Genie aus New Hampshire die Abfahrt völlig daneben gegangen. Mit 2,95 Sekunden Rückstand ging der US-Amerikaner vom 17. Platz aus in den Slalom, mit der zweitbesten Laufzeit verbesserte er sich zunächst auf Rang vier, mit der abermals zweiten Zeit im Finale fuhr er noch zu Gold. "Ich dachte, dass ich nach der verpatzten Abfahrt keine Chance mehr habe", gestand der sonst so coole Miller unter Tränen.

Norwegens Old-Boys mit historischen Medaillen
Einmaliges lieferten wieder die beiden norwegischen Haudegen. Lasse Kjus war auch mit Silber überglücklich und Aamodt gar nicht traurig, dass er nach drei Mal Kombigold in Serie diesmal "nur" Bronze holte. Mit jeweils elf WM-Medaillen liegen die "Elche" nun mit Girardelli gleichauf, für Aamodt war es inklusive Olympia die bereits 18. Medaille, Kjus hat es auf 16 gebracht. "Die letzte Medaille ist immer die Schönste. Mein Slalom war nicht optimal, weil ich zuletzt etwas krank war. Aber ich hatte auch Glück, der Vierte war nur fünf Hundertstel hinter mir", meinte Aamodt.

Mit Norwegen hat das erst dritte Land bei der WM "angeschrieben." Erfolgreichste Nation nach drei Rennen sind nun die USA mit vier Medaillen vor Österreich (3) und Norwegen (2).

4.2.2003 10:27