Montag, 3. Februar 2003

Nur die US-Boys und -Girls können dem ÖSV folgen

  • Amerikaner ernten Früchte ihrer langjährigen Aufbauarbeit
  • PLUS: Gratulieren Sie unserer Weltmeisterin Michi Dorfmeister!

Ein kurzer Blick auf den Medaillenspiegel der alpinen Ski-WM in St. Moritz nach zwei Wettkampftagen genügt. Mit Österreich und den USA sind darin nämlich lediglich zwei Länder vertreten. Brüderlich haben sich die beiden Nationen bisher die sechs Medaillen untereinander aufgeteilt, auch wenn der ÖSV im "Fall für zwei" mit den beiden Goldenen von Stephan Eberharter und Michaela Dorfmeister noch einmal klar die Nase vorne hat. Der Jubel im US-Lager ist riesig, die Überraschung über die frühe Medaillenflut weniger - die US-Boys und -Girls sehen sie als Folge einer fünfjährigen, kontinuierlichen Aufbauarbeit.

Und vor allem als Folge einer Enttäuschung bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City, wo man vor Heimpublikum bei den Damen völlig leer ausging und bei den Herren Bode Miller mit zwei Mal Silber (Kombi und Riesentorlauf) die US-Ehre gerade noch retten konnte. "Dort haben wir eine große Lektion gelernt und danach irrsinnig viel Motivation daraus mitgenommen", erklärte US-Damen-Speed-Trainer Jim Tracy, dem Bronze-Gewinnerin Jonna Mendes nur zustimmen konnte: "Damals waren wir irrsinnig verkrampft, mittlerweile sind wir alle sehr relaxt."

Mendes: Jung, aber routiniert
Mendes ist überhaupt das bestes Beispiel für die kontinuierliche Aufbauarbeit im weiblichen US-Team, das den in den vergangenen Jahren konstant starken "Boys" erfolgreich nacheifert. Denn die erst 23-Jährige nimmt in St. Moritz bereits ihr fünftes Großereignis nach zwei Olympischen Spielen (1998 und 2002) sowie zwei Weltmeisterschaften (1999 und 2001) in Angriff. "Ich bin immer noch jung, habe aber schon unglaublich viel Routine. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit", strahlte die Spaßkanone aus Lake Tahoe, die am Montag zum ersten Mal in ihrer Karriere auf dem Podest gelandet ist und danach jubelnd und schreiend ins Pressezentrum gelaufen kam.

Clark spitzt auch auf Abfahrts-Medaille
Bisher war Mendes bei Großereignissen stets unter "ferner liefen" zu finden, ein neunter Rang in der WM-Kombi von St. Anton war das herausragendste Ergebnis gewesen. Kein unbeschriebenes Blatt war hingegen bereits vor der WM Kirsten L. Clark, obwohl das Super-G-Silber auch für die 25-Jährige ihre erste Medaille bei einem "big event" war. Clark, die bereits 1997 ins kalte Wasser eines Großereignisses sprang, kämpft im Weltcup um die kleine Abfahrts-Kristallkugel im Weltcup (ex-aequo-Führung mit Carole Montillet), könnte also ohne weiteres auch am Sonntag in der Damen-Abfahrt noch einmal nachlegen.

Bode machte Kirsten heiß
Als größte Motivation sah Clark die Silberne von Bode Miller am Sonntag im Super G, da wollte man auf dem weiblichen Sektor nicht nachstehen: "Als Bode mir im Hotel die Medaille zeigte, hat mich das richtig heiß gemacht." Mit ihren 25 Jahren ist "Clarky" bereits der große Routinier im Team der US-Damen. Eine Tatsache, die für Coach Tracy Teil des Programms ist. "Die Mädels schnuppern früh in Großereignisse rein. Dahinter steckt aber eine ganze Menge Arbeit, die sich nun auszahlt."

Die Kooperation mit den Österreicherinnen war zwar nie so eng wie sie auf dem männlichen Sektor einmal war, Tracy bezeichnet sie aber als "freundschaftlich". Allzu eng ist sie jedoch aus einem einfachen Grund auch wieder nicht: "Denn auch die Österreicher wissen, dass unsere Mädchen einiges drauf haben."

3.2.2003 17:02