Montag, 3. Februar 2003

Dorfmeister auf Wolke sieben: "Alles kommt zurück"

  • Mit Super-G-Gold in St. Moritz "Nagano-Trauma" ausgelöscht

"Es kommt alles irgendwann zurück!" Dieser tröstende Stehsatz ihres Vaters ist ein Wegbegleiter im Leben und in der Karriere der Michaela Dorfmeister geworden. Als sie am Montag im Ziel des WM-Super G von St. Moritz die zwei Hundertstel Vorsprung auf der Anzeigentafel sah, "da habe ich sofort an Nagano gedacht", gestand Dorfmeister.

In Japan hatte sie bekanntlich 1998 als Nobody olympisches Super-G-Gold um eine Hundertstel an Picabo Street verloren. In St. Moritz war ihr hingegen in einer Windlotterie das Glück hold. Und indirekt auch das bisher mittelmäßige Abschneiden im Weltcup, denn ohne das hätte sie gemäß der neuen Startregel eine höhere Startnummer und damit Gegenwind gehabt.

Aber knappe Entscheidungen, Pech und Glück stehen wie Meilensteine im Leben der in Wien geborenen Niederösterreicherin, die sich aus dem flachen Osten kommend den Respekt der "gestandenen" Skifahrer in diesem Land so mühevoll wie kaum eine andere erarbeiten musste, lange "Mundl" gerufen wurde, vergangenes Jahr aber als erste "Flachländerin" den Gesamt-Weltcup gewonnen hat.

Aber "normal" ist ohnehin das Wenigste verlaufen im Leben der neuen Super-G-Weltmeisterin, die auch durch ihre Liebe zu Ratten Furore gemacht hat. Heute hat sie aber nur noch eine Stoffmaus bei sich, zu Hause zwei Meerschweinchen (Naomi und Selly), für die WM bekam sie auch ein "Überlebenspaket" von einer Freundin mit deren Lieblings-Teddy.

Als Glücksritterin sieht sich Dorfmeister aber nicht. Auch wenn etwa bei den Weltmeisterschaften in Vail 1999 (Abfahrts-Silber) oder vor zwei Jahren in St. Anton (Gold) erst Schneefall über Nacht optimale Verhältnisse für ihre Ski gebracht hatte. "Zu viel ist andererseits auch knapp daneben gegangen", so "Dorfi", siehe Olympia in Salt Lake oder eben Nagano. "Außerdem hat die Skifirma hart gearbeitet, jetzt sind wir auch bei hartem Schnee dabei."

Von wirklich großen Verletzungen ist Dorfmeister bisher verschont geblieben, obwohl "Hoppalas" und manchmal schon fast Chaos das Leben des "bunten Vogels" aus dem Piestingtal prägen. Am Liebsten vergisst sie etwas oder lässt etwas liegen. Alles harmlos versichert Dorfmeister, die sich selbst als Mensch mit weichem Herz ("Ich kann Gottseidank Emotionen zeigen") aber auch als Kämpferin mit gesundem Ehrgeiz und Egoismus sieht.

Unmittelbar nach dem Saisonfinale wird Dorfmeister 30 Jahre alt. Sie hat ein Haus am Mondsee, jenes zu Hause im niederösterreichischen Neusiedl - direkt neben jenem der Eltern ("Sie helfen mir aus allen Tiefs und feiern mit mir, wenn ich Hochs habe") - soll im kommenden Sommer fertig werden. Michi wird wieder selbst anpacken.

Wahrscheinlich wird Dorfmeister im kommenden Winter auch die Rennski wieder auspacken. Ob sie aber in zwei Jahren in Bormio ihren WM-Titel verteidigt, steht in den Sternen. Auf diese Frage fiel ihr in St. Moritz keine Antwort ein, stattdessen steckte sie sich die verklebten Finger in die Ohren. "Davon will ich nichts hören."

Abwarten, es kommen ja zumindest noch zwei weitere WM-Einsätze. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir jetzt den Druck genommen habe", so Dorfmeister. "Vielleicht habe ich jetzt je gerade besonders hohe Erwartungen. Aber die Abfahrt ist ja erst in sechs Tagen, da kann noch viel passieren."

3.2.2003 16:35