Für Martina Hingis beginnt "ein anderes Leben"
- Für ein Comeback müsste ein medizinisches Wunder passieren

Martina Hingis hat ihr Comeback in den Tennis-Zirkus praktisch ausgeschlossen. In einem Interview mit einer französischen Sportzeitung erklärte die ehemalige Weltranglisten-Erste: "Eine Rückkehr ins Wettkampfgeschehen ist nicht abzusehen, zumindest nicht in naher Zukunft." Auf die Frage, ob sie dabei sei, ihren Abschied bekannt zu geben, antwortete die Schweizerin: "Mehr oder weniger. Ja, das ist die Wahrheit. Tennis war ein wichtiger Teil meines Lebens, ein anderes Leben beginnt."
Ihr Berater Mario Widmer, der mit ihrer Mutter Melanie Molitor befreundet ist, fügte in "L'Equipe" hinzu: "Man weiß nie. Aber wenn kein medizinisches Wunder passiert, wird sie nicht zurückkommen." Die 22-Jährige hatte sich im vorigen Mai einer zweiten Knöcheloperation unterzogen und nach ihrem Achtelfinal-Aus bei den US Open ihr letztes Match Anfang Oktober in Filderstadt bestritten. Sie sei zu früh zurückgekehrt, befand Hingis jetzt. Derzeit spiele sie maximal zwei Stunden am Tag, ihre Gesundheit erlaube kein normales Training mehr.
"Das Leben geht weiter"
Stattdessen konzentriere sie sich nun darauf, an einer Schule in Zürich ihr Englisch zu perfektionieren. Möglich sei ein späterer Beruf im Bereich Marketing. Eine Familie wolle sie frühestens in sieben Jahren gründen. "Hören Sie auf, von einem Comeback zu reden. Ich bin so glücklich. Ich habe mein gesamtes Leben noch vor mir", betonte Hingis, die 209 Wochen lang die Nummer eins war. "Es ist vorbei, das Leben geht weiter. Ich war lang genug an der Spitze, um zu wissen, was dafür nötig ist. Aber dazu bin ich nicht mehr in der Lage. Mit weniger kann ich mich aber auch nicht zufrieden geben."
40 Turniersiege
Ihren letzten großen Auftritt hatte Hingis mit dem Einzug in das Finale der Australian Open 2002, wo sie von 1997 bis 1999 siegte und sechs Mal nacheinander im Endspiel stand. Zudem gewann sie je einmal die US Open und in Wimbledon und holte sich neun Grand-Slam-Titel im Doppel. Vor einem Jahr schaffte sie in Tokio ihren 40. und letzten Turniersieg, dazu kommen 36 im Doppel. Die gebürtige Tschechin verdiente in ihrer Karriere 18,3 Mio. Dollar Preisgeld. Nur Steffi Graf und Martina Navratilova haben mehr erspielt.
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