Baskenland: Polizist von ETA erschossen
- 45-jähriger Polizeichef bei Frühstück in Cafe erschossen
- Baskischer Regierungschef Ibarretxe verurteilt Attentat
Der am Samstag erschossene Polizeichef der Kleinstadt Andoain im spanischen Baskenland war wegen Terrordrohungen seit einiger Zeit beurlaubt gewesen. Er war bereits mehrfach von militanten Separatisten bedroht worden. Der 45-jährige Beamte wurde am Samstag während des Frühstücks in einem Cafe aus nächster Nähe von drei Kugeln in Kopf und Brust getroffen, wie das baskische Innenministerium mitteilte. Nach dem Anschlag gingen tausende Menschen gegen die ETA auf die Straße.
Der Täter hatte im Cafe auf sein Opfer gewartet und währenddessen etwas getrunken. Ihm gelang später mit einem Komplizen in einem Auto die Flucht. Eine Großfahndung blieb bis zum Abend erfolglos. Andoain (15.000 Einwohner) wird von der inzwischen suspendierten Baskenpartei Batasuna (Einheit) regiert, die als politischer Arm der Untergrundorganisation ETA gilt. Der baskische Regierungschef Juan José Ibarretxe verurteilte das Attentat als "Akt der Barbarei".
Der zweifache Familienvater Joseba Pagazaurtundua war Aktivist der baskischen Sozialistenpartei gewesen und hatte sich in der Bewegung "Basta Ya!" (Es reicht!) gegen die ETA-Gewalt engagiert. Vor zwei Jahren hatte eine Untergrundgruppe bereits sein Auto und sein Wohnhaus mit Brandsätzen beworfen. Der baskische Sozialistenchef Patxi Lopez erklärte, die ETA habe ihn ermorden wollen, weil sie keine Andersdenkenden dulde.
Dies war das erste ETA-Attentat in diesem Jahr. Zuletzt hatten zwei Mitglieder der Organisation im Dezember einen spanischen Polizisten erschossen, der ihr mit Sprengstoff beladenes Auto gestoppt hatte. Im vergangen Jahr starben insgesamt fünf Menschen bei mutmaßlichen ETA-Anschlägen, darunter ein kleines Mädchen. Dutzende Menschen wurden verletzt. Die ETA kämpft seit 1968 gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes. Mehr als 800 Zivilisten, Politiker und Sicherheitskräfte kamen seitdem bei Anschlägen der Untergrundorganisation ums Leben.
Tausende demonstrieren gegen Attentat
Nach dem tödlichen Anschlag auf einen Polizeichef im Baskenland haben am Sonntag tausende Menschen gegen die militante Untergrundorganisation ETA demonstriert. In einem Schweigemarsch zogen etwa 5.000 Demonstranten in der Ortschaft Andoain zum Sitz der Batasuna-Partei, dem politischen Arm der ETA. Dort riefen sie "Freiheit" und "Mörder". Der Generalsekretär der baskischen Sozialisten-Partei, dem das Opfer angehörte, verurteilte Politiker wie den Batasuna-Bürgermeister von Andoain, die sich von der Gewalt der ETA nicht distanzierten.
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