Montag, 3. Februar 2003

USA-Irak-Krise: USA haben keine klaren Beweise

  • Aufregung um von Inspektoren entdeckte, legale Waffen
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Vor den neuen Beratungen im UNO-Sicherheitsrat wächst die Angst vor einem bevorstehenden Irak-Krieg. Am Mittwoch hätte US-Außenminister Powell Geheimdienst-Informationen präsentieren sollen - und alles wartete gespannt. Doch nun gibt Powell zu: Die USA haben keine stichhaltigen Beweise. Gefunden haben die Inspektoren zuletzt eine leere 200mm-Rakete und einen Gefechtskopf, beide legal und - laut Irak - in allen bisherigen Berichten angeführt.

UNO-Chefinspektor Blix macht klar: Er will "aktionsfähige" Beweise sehen, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt und versteckt.

Powell wird keinen Beweis vorlegen können
US-Außenminister Colin Powell wird nach eigenem Bekunden dem Weltsicherheitsrat am Mittwoch keinen handfesten Beweis für die Existenz versteckter irakischer Massenvernichtungswaffen vorlegen können. In einem Beitrag für das "Wall Street Journal" betonte er am Montag jedoch, dass Irak die Arbeit der UN-Waffeninspektoren behindere. Powell bekräftigte die Entschlossenheit der USA, Irak notfalls mit Gewalt zu entwaffnen. Der britische Premierminister Tony Blair sieht die Entwaffnung Iraks sogar als Existenzfrage für die Vereinten Nationen an.

"Werden nicht vor Krieg zurückschrecken"
"Die USA sind bestrebt, den Irak auf friedliche Weise zu entwaffnen", sagte Powell und fuhr fort: "Wir werden aber auch nicht vor einem Krieg zurückschrecken, wenn dies die einzige Möglichkeit ist, um dem Irak seine Massenvernichtungswaffen zu nehmen." Regierungssprecher Ari Fleischer sagte, die USA könnten mit einer Reihe von Mitteln den Vorwurf untermauern, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze.

Wie aus US-Regierungskreisen verlautete, wird Powell dem Sicherheitsrat unter anderem Fotos mobiler irakischer Anlagen zur Herstellung biologischer Waffen präsentieren. Außerdem sollen Abschriften abgehörter Gespräche irakischer Funktionäre vorgelegt werden.

Nach Powell will der irakische UN-Botschafter Mohammed el Duri sprechen. Er werde bekräftigen, dass sein Land keine Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida unterhalte. Außerdem wolle er erneut die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den UN-Inspekteuren verdeutlichen, sagte El Duri. An der von Deutschland geleiteten Sitzung wird auch Außenminister Joschka Fischer teilnehmen.

Geheimnisvolle britische Beweise
Die Amerikaner können also keine Beweise liefern: Dafür eine britische Europa-Abgeordnete. Sie hat UN-Chefinspektor Hans Blix am Montag angebliches Beweismaterial gegen den Irak übergeben. Die Dokumente stammten aus dem Irak selbst, sagte Baronin Emma Nicholson in New York zu Journalisten. Sie habe sie erst vor wenigen Tagen erhalten. Ewen Buchanan, der Sprecher von Blix, bestätigte den Erhalt des Materials. Die Informationen würden geprüft, sagte er. Da Vertraulichkeit zugesichert worden sei, werde das Material nicht veröffentlicht.

3.2.2003 14:27