Mittwoch, 5. Februar 2003

Streit mit Schüssel: 66% geben Thomas Klestil Recht

  • Schüssel, Gusenbauer, Haupt diese Woche bei Klestil
  • Hintergrund: Klestil drängt auf rasche Regierungsbildung

Klestils NEWS-Exklusiv-Interview sorgte vergangene Woche für Wirbel. Zuvor hatte er Kanzler Schüssel aufgefordert, sich mit der Regierungsbildung zu beeilen – was ihm erhebliche Kritik eingebracht hat. In einer aktuellen Umfrage im aktuellen geben ihm nun zwei Drittel der Österreicher im Streit mit Schüssel Recht.

Die Mehrheit der Österreicher – nämlich 66% - meint, Klestil habe zu Recht Druck auf das Tempo der Regierungsbildung gemacht. Das Votum ist eindeutig: Die Meinungsgegner sind in einer signifikanten Minderheit.

Wolfgang Schüssels Reaktion auf die Mahnungen des Präsidenten war stark überzogen, meint die befragte Mehrheit der Österreicher. Zu kühl habe er auf die Aufforderung des Bundespräsidenten reagiert, sagen nämlich 54% - 43% meinen, Klestil habe richtig gehandelt.

Klestil fragte "Wie lange noch?" - Kritik folgte
"Wie lange dauert das noch?", fragte Bundespräsidet Klestil letzte Woche bei einer Versammlung des Europarates - und meinte die Regierungsbildung in Österreich. Danach sah sich das Staatsoberhaupt selbst mit heftiger Kritik konfrontiert. Diese Woche rief Klestil die Parteichefs zu sich. Die Regierungsbildung und die forsche Kritik an seinen Aussagen dürfte wohl wesentliches Thema gewesen sein.

Die Parteichefs geben sich diese Woche mit ihren Besuchen bei Bundespräsident Thomas Klestil quasi die Klinke in die Hand. Ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Bundeskanzler und ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel fand am Montag statt. SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer und FPÖ-Chef Herbert Haupt sind am Dienstag zu Unterredungen mit dem Staatsoberhaupt zusammengetroffen.

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen soll ebenfalls mit dem Bundespräsidenten zusammentreffen, und zwar noch in dieser Woche. Ein genauer Termin wurde im Büro Klestils aber nicht genannt. Auch über Inhalte hüllte man sich in Schweigen - schließlich habe es sich um Vier-Augen-Gespräche gehandelt.

5.2.2003 21:14