Herbert Hacker berichtet über die neuesten Trends
- Christian Petz ist der Aufsteiger des Jahres

·Christian Petz
Gipfelsturm in den Genusshimmel
·Voll im Trend
Kulinarische Mega- seller haben Saison
Wien, 15. Bezirk, Herklotzgasse 6. Hinter dieser Adresse verbarg sich jahrzehntelang einer der ganz großen Gourmettempel der Stadt - der Altwienerhof. Dort kochte einer der Altmeister der großen französischen Küche: Rudi Kellner, bekannt für seinen Hang zu Gerichten aus der legendären Zeit des Auguste Escoffier.
Nun steht der barocke Gourmettempel leer. „Das Restaurant ist derzeit leider geschlossen“, versichert eine Stimme am Telefon, „offen ist nur das Hotel.“
Die Gründe für die Schließung kommen nicht ganz überraschend. Rudi Kellners Gesundheitszustand wurde in den letzten Monaten immer schlechter, und für eine Übernahme durch seinen Sohn Klaus schien der Gästezustrom nicht ausreichend.
Der Wettbewerb in der Gastronomie ist härter geworden. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass laufend neue Lokale aufsperren - als wäre das Reservoir an zahlungsfähigen Gourmets einfach grenzenlos.
Der Aufsteiger des Jahres
Aufsteiger des Jahres ist wohl Christian Petz vom Meinl am Graben. Er wurde in allen Gourmetführern für das Jahr 2003 als der Aufsteiger schlechthin gewertet. Drei Hauben im „Gault Millau“ (knapp vor der vierten Haube) und 98 Punkte im „À la carte“ (ein Punkt hinter dem Steirereck und den Obauers).
Fazit: Petz ist gegenüber der Wertung 2002 deutlich aufgestiegen und rangiert nun knapp hinter der absoluten Spitze.
NEWCOMER
In Wien zählen weiters die Lokale Fabios, Indochine 21 und Brunners zu den wichtigsten Newcomern, als vielbeachteter Shooting-Star gilt aber auch das Asienlokal „Kim kocht“, ein winziges Restaurant, das meist über Wochen ausgebucht ist.
Auch am Land haben in den letzten Monaten einige Restaurants für Aufsehen gesorgt. Heinz Hanner, ehrgeiziges Kreativbündel aus Mayerling in Niederösterreich, ließ sein Gourmetrestaurant zu Jahreswechsel komplett umbauen. Ein spektakulärer Neustart - jetzt zählt das Hanner zu den schönsten Lokalen modernen Zuschnitts. Auch Hanners Küche hat davon profitiert und ist derzeit spannender denn je.
Von den Gourmetführern hingegen weitgehend unbemerkt hat sich Gerhard Jeitler in Bromberg nach oben gekocht. Jeitler, der jetzt auch über drei Fremdenzimmer verfügt, kocht derzeit sensationell.
BEGABTE BRÜDER
Eine große Zukunft haben aber vor allem die Brüder Winkler vom Schindlhaus in Söll in Tirol vor sich. Das hochtalentierte Brüderpaar gewann im Vorjahr den Newcomer-Preis von „Gault Millau“ und wurde heuer für die Teilnahme beim internationalen Nachwuchspreis Bocuse d'Or 2003 in Lyon ausgewählt.
Ziemlich jung und ziemlich talentiert ist auch Alexander Dressel (30). Er war der Lieblingsschüler von Heinz Beck, der das La Pergola in Rom zum besten Gourmettempel Mittelitaliens gemacht hat. Dressel kocht seit einiger Zeit im Restaurant Neuwirt in Kitzbühel und hat dem Haus prompt zwei Hauben eingebracht.
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