Donnerstag, 30. Jänner 2003

Baudenkmäler und Kellerschätze in Rust

Das Leithagebirge als „Schutzwall“ im Norden und die Nähe des Neusiedlersees ermöglichen hier eine österreichweit einzigartige „Dreifaltigkeit“ von Weiß-, Rot- und Süßweinen.

Wer in diese Region fährt um Wein zu kosten und zu kaufen, hat eigentlich nur ein Problem: die enorme Vielfalt. Einerseits an Winzern, die alle einen Besuch wert wären, andererseits an Weinen und zwar in jeder nur erdenklichen Ausprägung.

Die besonderen klimatischen Bedingungen ermöglichen es, hier Weiß-, Rot- und Süßweine zu keltern, die jeweils mit zur österreichischen Spitzenklasse zählen. Somit hat man als Weinfreund nicht nur die Qual der Wahl, sondern sieht sich auch gleich noch mit einem zweiten Problem konfrontiert. Viele der Top-Weine – vor allem die Roten! – sind schon fast verkauft, wenn die Trauben noch am Weinstock hängen. Wer da nicht rechtzeitig reserviert, kann nur noch in einer der Ortsvinotheken oder im überregionalen Weinhandel – allerdings zu meist recht gesalzenen Preisen – Trost finden.

Die Weindörfer am See
Der fast durchgängige Rebengürtel zwischen Breitenbrunn im Norden sowie Mörbisch, Zagersdorf und Wulkaprodersdorf im Süden bildet den Kern des Weinbaugebietes. Noch weiter südlich wartet vor allem das Gebiet rund um Pöttelsdorf mit einem beachtlichen Potenzial für Rot- aber durchaus auch für Weißweine auf.

Beginnend mit Breitenbrunn über Purbach, Donnerskirchen, Schützen und Oggau bis Mörbisch findet man zwischen den Hängen des Leithagebirges und dem Schilfgürtel des Neusiedlersees ein malerisches Winzerdorf nach dem anderen. Schmucke burgenländische Langhäuser, enge Gassen und kleine Kirchlein prägen hier das Ortsbild.

Die Süßwein-Hochburg Rust
Nur ein Ort macht hier eine Ausnahme: Rust, das sich seit dem Jahr 1681 stolz Freistadt nennen darf. Ein Privileg, das seinerzeit mit der stolzen Summe von 60.000 Gulden und 500 Eimern Ausbruch-Wein erkauft wurde. Allein daran kann man ersehen, dass dieser Wein schon damals hoch geschätzt wurde und mit ein Grund für den Wohlstand der Ruster war. Der spiegelt sich noch heute im historischen Zentrum der Stadt mit seinen liebevoll restaurierten Bürgerhäusern wider, das als geschlossenes Ensemble bis heute erhalten geblieben und vom europäischen Rat als Ganzes unter Denkmalschutz gestellt worden ist.

Schätze ganz anderer Art liegen in den Kellern vieler dieser Häuser: Da findet man mitunter noch Ruster Ausbruch aus den sechziger oder siebziger Jahren, der teilweise verkäuflich ist und durchaus noch Trinkvergnügen bereitet.

Highlights im Hügelland
Tatsächlich ist Rust die Heimat einige der besten und renommiertesten Winzer des Burgenlands wie etwa der Brüder Ernst und Paul Triebaumer, Peter Schandl oder der Familie Feiler-Artinger. Ebenfalls für Spitzenqualitäten bekannt ist Großhöflein, das direkt an Eisenstadt angrenzt und vor allem durch Toni Kollwentz und Josef Leberl bekannt wurde.

Nicht zu vergessen schließlich Schützen am Gebirge und zwar erstens wegen der herrlichen Weine von Engelbert Prieler, und zweitens wegen des Taubenkobels: Walter und Eveline Eselböck haben ihr Top-Restaurant inzwischen um eine Greißlerei, einen Weinhandel und elegante Landhauszimmer erweitert und so ein kulinarisch-önophiles Gesamtkunstwerk geschaffen, das auch im österreichischen Vergleich Maßstäbe setzt.

30.1.2003 16:54
GUSTO-Rezeptsammlung