Donnerstag, 30. Jänner 2003

Ted Turner tritt als Vizechef von AOL Time Warner ab

  • Rekordverlust des weltgrößten Medienkonzerns: 100 Mrd. Dollar!

Nach AOL-Gründer Stephen Case verliert der US-Medienkonzern AOL Time Warner eine weitere prominente Führungskraft. Ted Turner (64) wird im Mai als Vize-Vorsitzender des weltgrößten Medienunternehmens zurücktreten. Das teilte der Vorsitzende Richard Parsons am Mittwoch in New York mit. Turner ist der Gründer des Nachrichtensenders CNN. Gleichzeitig gab AOL Time Warner für das vierte Quartal 2002 einen Verlust von 44,9 Milliarden Dollar (41,3 Mrd. Euro) bekannt.

Im gesamten Jahr machte der Konzern damit ein Minus von 98,7 Milliarden Dollar, den höchsten Verlust in der US-Firmengeschichte. Dieser Betrag ist höher als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Ägyptens im Jahr 2001.

Turner begründete seine Entscheidung damit, dass er mehr Zeit für sein wohltätiges Engagement haben wolle. Auch wolle er sich mehreren Geschäftsaktivitäten mit "sozial verantwortlichem" Charakter widmen. Der Multimilliardär unterstützt unter anderem Hilfsprojekte der Vereinten Nationen. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, betonte Turner in einem Brief an Parsons. Turner hatte aus einen Kabelprogrammen ein Medienimperium aufgebaut, dieses dann aber an AOL Time Warner verkauft.

AOL verlor massiv an Wert
Das schlechte Firmenergebnis war weit gehend die Folge einer Wertberichtigung für den Internet-Anbieter America Online, der 2001 mit Time Warner fusionierte und seither unter rückläufigen Werbeeinnahmen und geringer Zunahme der Abonnentenzahlen leidet. Die Goodwill-Abschreibungen beliefen sich im Schlussquartal 2002 auf 45,5 Milliarden Dollar. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte AOL Time Warner einen Nettoverlust von 1,8 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Anteilschein ausgewiesen.

Der Umsatz habe im vierten Quartal 2002 hingegen um acht Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar zugenommen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) sei um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar gewachsen. Analysten hatten das Ebitda im Schnitt mit 2,6 Milliarden Dollar vorausgesagt. Das durch Produktionen wie "Herr der Ringe" gestärkte Film- und Unterhaltungsgeschäft habe die Schwäche bei der Online-Sparte ausgleichen können, erklärte das Unternehmen.

Das Quartal schließt ein turbulentes Jahr ab. Rund zwei Jahre nachdem AOL den Medien- und Filmkonzern Time Warner für 106,2 Milliarden Dollar übernommen hat, haben die Medien-Veteranen von Time Warner das Ruder des Konzerns übernommen. Dagegen wurden die Schlüsselfiguren der Übernahme auf Druck der Investoren, die die Fusion als Fehler kritisierten, aus dem Unternehmen herausgedrängt. Für das Jahr 2003 erwartet AOL Time Warner ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dagegen dürfte das Ebitda im wesentlichen unverändert bleiben oder um niedrige einstellige Raten niedriger ausfallen, hieß es.

30.1.2003 07:45