Mittwoch, 29. Jänner 2003

Nach dem Sieg in Kitz: Ein Land im Maier-Fieber

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Sein Fanklub ist ganz Österreich: Hermann Maiers Rückkehr belebt nicht nur den Sport, sondern auch die Wirtschaft. Ein Volk gratuliert dem Helden. Warum Maier der bekannteste und populärste Österreicher ist. Analyse eines Phänomens.

Ein Land steht still. Es ist Montag, 10.42 Uhr, und soeben hat Stephan Eberharter im Zielraum von Kitzbühel abgeschwungen. Platz drei, 15 Hundertstel hinter dem Ersten. 15 Hundertstel, die ein sporthistorisches Ereignis von Ewigkeitswert fixieren, über das kurz darauf alle TV-Stationen und Nachrichtensender, von ABC bis BBC, von CNN bis Al Jazeera, berichten werden: Hermann Maier ist zurück.
Und sie alle zeigen das gleiche Bild: den Triumphator, still und mit Tränen in den Augen.

710.000 Österreicher verfolgen diesen sporthistorischen Moment im ORF, ein Quotenerfolg für einen ganz normalen Vormittag – „eines der größten Comebacks in der Geschichte des Weltsports“ (wie es der Schweizer Ex-Abfahrer Peter Müller formuliert) hätte mit Sicherheit die Millionengrenze übersprungen, hätten nicht viele aufgrund des Wetters und der vielen Verschiebungen an einer Austragung des Rennens gezweifelt.

Die Maier-Minute
Doch ab 10.42 Uhr, der „Hermann-Maier-Minute“, gibt es landauf, landab nur ein Thema: die Wiedergeburt des Nationalheiligen. Die Büroarbeit kommt zum Stillstand. Die Menschen telefonieren bis zur Belastungsgrenze der Leitungen. Jeder informiert jeden. In dieser Minute, die den 30-Jährigen unsterblich macht, bricht nicht nur die Fan-Homepage unter 50.000 Zugriffen zusammen. Die Emotionen des Hermann Maier reißen das ganze Land mit. Mit einem Schlag hat Österreich wieder ein Gesprächsthema, bei dem jeder mitreden kann – vergessen ist der zermürbende Schacher um die Regierungsbildung.

Ein Land steht still
Bundespräsident Thomas Klestil reagiert als einer der Ersten und diktiert seinem Büroleiter spontan kurz nach der Maier-Minute ein berührendes zehnzeiliges Glückwunschtelegramm: „Ich habe soeben Ihr großartiges Comeback als Sieger miterlebt. Ihr Sieg ist ein Sieg Ihres Willens über den Körper, über Schmerzen und Depressionen.“

Und in Deutschland fällt einem Pensionisten ein Stein vom Herzen: Wolfgang Sch., 74, Lenker jenes Autos, das im August 2001 mit Maiers Motorrad kollidierte: „Ich habe den Sieg im Radio live miterlebt. Ich bin so berührt und erleichtert.“

Leodegar Pruschak, Marketing-Chef von Maiers oberstem Sponsor Raiffeisen, einer jener wenigen, die immer an das Comeback seines Schützlings geglaubt hatten, leitet gerade eine wichtige Sitzung, als die Sekretärin das Meeting unterbricht: „Der Maier führt im Super-G.“ Pruschak: „Wie viele Läufer sind schon herunten?“ Die Sekretärin: „31.“ Das Meeting löst sich auf – alle eilen zum Fernseher.

Der Millionen-Mann
Für Pruschak hat sich damit die Richtigkeit seines Beharrens auf dem Werbeträger Maier erwiesen. Auf rund 13 Millionen Euro schätzt Österreichs Werbewirtschaft Maiers Marktwert. Ein unglaublicher Betrag, der sich auf Maiers Konto mit einem geschätzten Jahresverdienst von rund 4,5 Millionen Euro niederschlägt. Maiers Gesamtvermögen wird auf gut 20 Millionen Euro geschätzt. Bestimmt auch das Verdienst von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Der Unternehmer und persönliche Maier-Manager vermarktet den Ausnahmesportler perfekt.

Selbst die am kommenden Wochenende startende Weltmeisterschaft in St. Moritz profitiert enorm vom Antreten Maiers. Ein Sprecher des Organisationskomitees: „Seit seinem Comeback in Adelboden sind die Presse-Akkreditierungen sprunghaft in die Höhe geschnellt. Eigentlich müssten wir ihm Startgeld zahlen.“

Bekannter als Klestil, Schüssel
Die Marktforschung liefert die wissenschaftliche Grundlage für dieses unglaubliche Phänomen. Laut einer Untersuchung des OGM-Instituts verfügt Maier über einen Bekanntheitsgrad von unglaublichen 97 Prozent – womit er sogar Bundespräsident Thomas Klestil (94%) und Kanzler Schüssel (95%) auf die Plätze verweist. Noch deutlicher seine Popularitätswerte als Sportler. Hier liegt er mit 74 Prozent haushoch vor Stephan Eberharter (21 %) oder Andreas Herzog (6 %). Eine andere Liga.

Kein anderer Star ist in Österreich so werbewirksam. Ohne Maier geht gar nichts mehr: Er ist Zugpferd, Werbeträger, Zuschauermagnet. Sein eruiertes Image umfasst die Attribute „sympathisch, ehrgeizig, zielstrebig, ehrlich und ein Kämpfer“. Eigenschaften, die nicht unbedingt als spezifisch österreichisch gelten.

Wolfgang Ainetter, Atha Athanasiadis, Trude Schreibershofen. Mitarbeit: S. Gerstl, S. Zobl, U. Macher, A. Zeppelzauer

Die ausführliche Story lesen Sie im neuen NEWS.

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