Freitag, 31. Jänner 2003

Noch immer keine Lösung im Palmers-Zwist

  • Gilhofer sieht sich "öffentlich diffamiert", betont aber Loyalität
  • Rückzug Rudolf Humers wird nicht ausgeschlossen

Um die künftige Konzernleitungsstruktur beim zur Zeit in den Schlagzeilen rangierenden Palmers-Konzern gab es auch am Freitag noch ein Verwirrspiel. Wann die Führungskrise beigelegt sein wird, wagt zur Stunde kaum jemand aus dem Hause zu beurteilen. Von Betroffenen wird auf eine baldige Beilegung des Machtkampfs gedrängt: "Jeder Tag früher wäre eine Erlösung", hieß es aus der Gruppe.

Von der Konzernleitung in Wiener Neudorf wurde schriftliches Statement der ins mediale Kreuzfeuer geratenen Palmers-Topmanagerin Astrid Gilhofer vorerst noch nicht kommentiert. Gilhofer hatte am Freitag-Vormittag über eine neue externe PR-Beratung mitgeteilt, dass "die in verschiedenen Medien gegen mich geäußerten Vorwürfe und Unterstellungen" haltlos seien und sie "immer im Interesse de Unternehmens und der Aktionäre gehandelt" habe. Ihre, Gilhofers. "Loyalität mit Palmers" zeige sich auch darin, "dass ich mich in den letzten Tagen trotz öffentlicher Diffamierung mit jeglicher Stellungnahme zurückgehalten habe."

Gilhofer will Ansprüche bewahren
Kenner der Szene interpretieren diese Äußerungen dahingehend, dass sich die Managerin damit jedenfalls Ansprüche bewahren wolle. Zunächst was allfällige Konsequenzen aus dem Diffamierungsvorwurf betreffe. In den vergangenen Tagen war aber auch spekuliert worden, dass Gilhofer den Machtkampf in der Firmenleitung verlieren könnte. Und deshalb gelte es für sie, so heißt es bei Beobachtern, ihre Ansprüche aus ihrer fast 18-jährigen Tätigkeit im Unternehmen auf jeden Fall zu bewahren. Ob es in den Palmers-Firmen in den Gesprächen am Freitag auch um diese Themen ging, wurde nicht bestätigt.

In den nächsten Wochen soll jedenfalls die abgesagte Hauptversammlung der Steuerungsholding "P" Beteiligungs AG nachgeholt werden. Ein neuer Termin wurde bisher nicht öffentlich gemacht. Dabei werde voraussichtlich der bisherige Aufsichtsrats-Vorsitzende Christian Michael Palmers ausscheiden, denkbar wäre auch, dass sich auch weitere Clan-Mitglieder aus dem Gremium zurückziehen. Statt dessen sollen laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins FORMAT der Wiener Anwalt Hellwig Torggler und Ex-Wienerberger-Manager Paul Tanos einziehen.

Rückzug Humers wird nicht ausgeschlossen
Weiterhin wird nicht ausgeschlossen, dass sich Langzeit-Konzernboss Rudolf Humer danach tatsächlich aus den operativen Funktionen zurückzieht, wie das eigentlich noch vor Ausbruch der Familienfehde geplant war, und dass das Firmengeflecht des Palmers-Imperiums klarer in die beiden Bereiche "Textil" und "Immobilien" geteilt werde, hieß es heute weiter. Einen neuen "Mister Palmers" für beide Teile, wie das bisher Rudolf Humer war, soll es dann nicht mehr geben.

Helle Aufregung gab es am frühen Freitag-Nachmittag über ein kurzfristig aufgetauchtes Gerücht, die Ablöse von Humer hätte mit einem Antrag auf Streichung seines Aufsichtsratsvorsitzes in der Palmers Textil AG aus dem Firmenbuch schon begonnen. Wenig später wurde Entwarnung gegeben, es handle sich um eine "Falschinformation". Die Nerven liegen weiter blank beim Palmers-Imperium.

31.1.2003 15:53