Donnerstag, 30. Jänner 2003

Arbeitslosenzahl in Deutschland steigt

  • 4.623.100 Menschen ohne Arbeit und Einkommen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Jänner unerwartet drastisch um rund 398.000 auf 4,623 Millionen gestiegen. Dies ist der höchste Jänner-Wert seit fünf Jahren. Das waren fast 400.000 mehr als im Vormonat und 333.000 mehr als im Jänner 2002.

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im Jänner dramatisch verschärft. Mit 4,623.100 Arbeitslosen wurde der höchste Stand seit dem Amtsantritt der rot-grünen Bundesregierung erreicht.
Im Vergleich zum Dezember waren Ende Jänner 398.000 mehr Arbeitslose gemeldet. Das ist der dritthöchste Anstieg innerhalb eines Monats seit der Wiedervereinigung. Der Abstand zum Vorjahresmonat, der die langfristige Entwicklung am Arbeitsmarkt verdeutlicht, erhöhte sich auf 333.200.

Die Arbeitslosenquote stieg binnen Monatsfrist um 1,0 Prozentpunkte auf 11,1 Prozent. Im Jänner 2002 hatte sie noch 10,4 Prozent betragen. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, sagte: "Die Januarzahlen sind der Höhe nach besonders bedenklich, der Entwicklung nach aber nicht völlig überraschend."

Witterung
Wesentlicher Grund für den überdurchschnittlich hohen Anstieg sei die ungünstige Witterung. Hinzu kämen die konjunkturelle Schwäche sowie strukturelle Probleme. Dies werde am sprunghaften Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 62.000 auf 4,274 Millionen deutlich.

Die Arbeitslosenzahl im Jänner liegt nur noch um 200.000 unter dem Nachkriegsrekord zu Beginn des letzten Amtsjahres der Regierung Kohl von 4,823 Millionen im Jänner 1998. Mit einem Wendepunkt am Arbeitsmarkt rechnet Gerster erst im Laufe des zweiten Halbjahres. "Die anziehende Konjunktur wird gegen Jahresende auch den Arbeitsmarkt erreichen", sagte der BA-Chef. Auch die eingeleiteten Reformen am Arbeitsmarkt würden erst im Laufe des Jahres erste Wirkung zeigen.

Für Februar rechnet Gerster mit ähnlich schlechten Zahlen wie im Jänner. "Die Fünf-Millionen-Grenze dürfte mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht erreicht werden", sagte Gerster auf Fragen von Journalisten. Im Februar sei nicht mehr mit einem großen Anstieg zu rechnen. Im März werde witterungsbedingt eine Besserung einsetzen.

In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Dezember um 250.800 auf 2,898.100. Das waren 262.500 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,8 Prozent. Im Vormonat wie im Jänner 2002 hatte sie bei jeweils 8,1 Prozent gelegen.

In Ostdeutschland waren im Jänner 1,725.000 Menschen ohne Beschäftigung. Das waren 147.200 mehr als im Dezember und 70.700 mehr als vor einem Jahr. Die Quote stieg auf 19,5 Prozent nach 17,9 Prozent im Dezember und 18,7 Prozent vor einem Jahr.

Im Jänner meldeten sich nach Angaben der Bundesanstalt 927.800 Personen arbeitslos. Das waren 85.900 mehr als vor einem Jahr. Der strenge Winter wird laut Gerster vor allem an der Zahl der Arbeitslosen in den Außenberufen deutlich. Ihre Zahl erhöhte sich binnen Monatsfrist um 165.400 auf 1.020.300.

Die deutliche Zunahme der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl führte Gerster auch auf die Neuausrichtung der aktiven Arbeitsförderung zurück. Im Bereich klassischer arbeitspolitischer Instrumente wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM) und beruflicher Weiterbildung lag die Zahl der Teilnehmer im Jänner um knapp 50.000 unter dem Vorjahresniveau. Ziel sei künftig eine unmittelbare Integration in den ersten Arbeitsmarkt.

CDU-Chefin Angela Merkel forderte einen "nationalen Kraftakt" zum Abbau der Arbeitslosigkeit. Dabei dürfe es weder bei der Eigenbeteiligung im Gesundheitswesen, den Lohnnebenkosten noch bei Fragen der Zukunft der Rentenversicherung oder betrieblichen Bündnissen für Arbeit Tabus geben. CSU-Chef Edmund Stoiber machte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für den neuerlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen verantwortlich. Schröder müsse jetzt endlich die notwendigen Reformen anpacken und für einen klaren Kurs in der SPD sorgen, sagte Stoiber.

DGB-Chef Michael Sommer forderte die Bundesregierung zu höherer Neuverschuldung auf. "Wir befürchten, dass ohne Gegensteuern die Zahl der Arbeitslosen gegen fünf Millionen geht", sagte Sommer. Seine Stellvertreterin Ursula Engelen-Kefer sprach von einem alarmierenden Anstieg der Arbeitslosigkeit. Sie warnte zugleich davor, die Arbeitsmarktpolitik als Spardose zu gebrauchen.

Österreich: Nominell mehr Beschäftigte
Ende Jänner 2003 waren in Österreich nominell 3,106.952 unselbstständig Erwerbstätige, davon 1,446.807 Frauen und 1,660.145 Männer, bei den Sozialversicherungsträgern und Krankenfürsorgeanstalten gemeldet. Im Jahresvergleich waren dies um 39.469 Personen oder 1,29 Prozent mehr, teilte der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger am Mittwoch mit. Im Beschäftigtenstand enthalten sind 11.420 Präsenzdienst leistende Personen und 99.375 Karenz- bzw. Kinderbetreuungsgeldbezieher.

30.1.2003 11:14