Mittwoch, 29. Jänner 2003

Palmers-Schicksalstag: Wer wird (bleibt) Chef?

  • Hauptversammlung entscheidet heute über Vorstandschef
  • NEWS: Im Palmers-Clan fliegen die Fetzen

Das Tauziehen um die Ablöse von Langzeit-Palmers-Chef Rudolf Humer (Bild) geht weiter: Nach dem öffentlich bekannt gewordenen Streit innerhalb der Palmers-Familie scheint sich aber nun abzuzeichnen, dass Generaldirektor und Vorstandschef Humer nicht - wie zu Wochenanfang angekündigt - aus der Palmers AG ausscheiden wird. Die endgültige Entscheidung soll heute in einer außerordentlichen Hauptversammlung (Beginn: 13:00 Uhr) fallen.

Der erste Akt begann am Montag. Als Reaktion auf einen Artikel im Wirtschaftsmagazin "trend" (siehe Kasten) ließ Christian Michael Palmers (60) der verblüfften Öffentlichkeit ausrichten, dass sich Palmers-Frontman Rudolf Humer per 31. Jänner "aus allen Konzerngesellschaften, in denen er eine operative operative Funktion innehatte", zurückziehen wird.

Wilde Gerüchte um Nachfolge
Medienwirksam angereichert wird das Gezerre bei Palmers durch eine Person, der bislang primär die Attribute "schön & erfolgreich" beigemessen wurden. So besagt die Fama, dass die Palastrevolte gegen Humer ausgerechnet von seiner ehemalig engsten Mitarbeiterin Astrid Gilhofer (40) angezettelt worden sei. Die aparte Karrierefrau habe, so der Sukkus des wilden Gerüchtegefechts, Familienoberhaupt Christian Michael Palmers gegen ihren Mentor aufgestachelt, um in weiterer Folge selbst die höchste Karrierestufe des Renommierkonzerns besteigen zu können.

Alleingang des Palmers-Clanchefs?
Der bislang nicht wirklich durch operative Durchschlagskraft aufgefallene CMP hat die Rechnung möglicherweise aber ohne den Wirt gemacht. Denn Humer (59) war sich seiner bevorstehenden Demission weder bewusst noch damit einverstanden. Der als Sir der alten Schule bekannte Generaldirektor feiert heuer sein 40-jähriges Firmenjubiläum. 1978 übernahm er die Führung des Konzerns und baute ihn zu einer höchst gewinnträchtigen Perle der heimischen Wirtschaft mit rund 325 Millionen Euro Umsatz und 2.600 Mitarbeitern aus.

Großaktionäre nicht eingeweiht?
Ebenfalls von Humers geplanter Absetzung nicht vorinformiert dürften aber auch die restlichen Palmers- Großaktionäre gewesen sein. Jeweils rund ein Drittel der Anteile halten Gruppen rund um CMPs Schwester Elisabeth Wilhelm (55) sowie um seinen Cousin Michael A. Palmers (66). Die fehlenden rund zehn Prozent stehen im Eigentum von Palmers-General Rudolf Humer persönlich. Zwar verfügt Clanchef CMP prinzipiell über die Stimmrechte der beiden anderen Familienzweige. In der "Causa Humer" ist dies mittlerweile aber mehr als umstritten. Verweigern Michael A. Palmers und Elisabeth Wilhelm ihrem Verwandten aber die Gefolgschaft, ist die geplante Absetzung Humers mangels Mehrheit nicht durchsetzbar.

Denkbar sind drei Szenarien:

  • Clan-Chef Christian Michael Palmers überzeugt die beiden anderen Großaktionäre von seinem Plan. Dann muss Humer wohl abtreten.

  • Gelingt ihm das nicht, ist er mit seinen 30 Prozent in der Minderheit, und Humer wird bis auf weiteres der "Mister Palmers" bleiben.

  • Die Großaktionäre einigen sich auf einen Kompromiss. Vorstellbar sind etwa ein Rückzug von Humer auf Raten oder die rechtzeitige Regelung der Nachfolgefrage.

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    29.1.2003 15:20