Trotz Handy-Boom: Festnetz überlebt Mobilfunk
- Umfrage ergibt kaum Kündigungen
- Telefonkunden wollen kaum Anbieter wechseln

·Handy-Markt
Hersteller bauen Absatz weiter aus
Das Festnetztelefon hat die erste große Mobilfunk-Welle weitgehend ohne Einbußen überstanden. Zwar haben bereits mehr als 8 von 10 Österreichern ein Handy, die Marktdurchdringung liegt bei 84 Prozent. Nur 9 Prozent der Mobilfunkkunden haben aber nach dem Einstieg in die Handywelt ihren Festnetzanschluss gekündigt, ergab eine am Dienstagabend veröffentlichte Studie des Meinungsforschungsinstituts Ifes im Auftrag der Telekomregulierungsbehörde RTR.
Die Marktdurchdringung im Festnetz liegt laut Telekom-Regulator Georg Serentschy immer noch über den Mobilfunkwerten bei 87 Prozent. "Die ursprüngliche Erwartung, dass der Mobilfunk das Festnetz kannibalisieren wird, hat sich nicht erfüllt", bilanziert Serentschy. Hauptgrund für die Treue zum Festnetz ist laut Umfrage unter 3.300 Telefonkunden (1.500 Mobilfunk, 1.800 Festnetz), durchgeführt im Juni/Juli 2002, vor allem der günstigere Tarif. Fast 40 Prozent schwören deshalb noch immer auf ihren Festnetzanschluss.
Ein "festes Argument" für das Festnetz ist nach Ansicht Serentschys aber auch die Benutzung von Internet oder Fax. Das mobile Internet sei noch nicht so weit wie das Festnetzinternet: "GPRS ist teurer, instabiler und langsamer", betont der Regulator. Auch die Umfrage belegt: Immerhin ein Viertel der Befragten behält seinen Festnetzanschluss wegen Fax bzw. Internet.
Generell haben die Kunden am gewählten Festnetz- oder Mobilfunkangebot kaum etwas zu kritisieren. Mehr als 80 Prozent sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk sind mit dem Angebot ihres Betreibers "sehr zufrieden" oder "zufrieden".
Wechselbereitschaft zwischen den Anbietern besteht kaum. Bei der Umfrage gaben im Befragungszeitraum gar 96,4 Prozent der Mobilfunkkunden an, den Anbieter derzeit nicht wechseln zu wollen. Serentschy sieht darin ein "Stimmungsbild, wie der Markt nach fünf Jahren Liberalisierung aussieht". Zu Beginn der Liberalisierung hätten etwa in der Großindustrie noch 90 Prozent der Befragten Wechselbereitschaft gezeigt. Der Telekommunikationsmarkt sei seither "völlig umgewälzt" worden.
In sechs Monaten, meint der Regulator, könnte es aber schon wieder anders aussehen. Neue Impulse bringen soll etwa die Rufnummernportabilität im Mobilfunk. Kunden können damit künftig bei einem Betreiberwechsel ihre Nummer samt Vorwahl mitnehmen.
Dass dies derzeit nicht möglich ist, ist laut Umfrage das Hauptmotiv, warum Kunden ihren Betreiber nicht wechseln wollen. Stolze 37 Prozent der Befragten nennen dies als Grund.
Immerhin noch mehr als jeder Vierte (27 Prozent) meint außerdem, dass sein Mobilfunkanbieter ohnehin der günstigste ist. Serentschy meint dazu, dass Telekommunikation nach den massiven Preissenkungen der vergangenen Jahre für die Leute zur "Junk-Ware" geworden sei. Viele Kunden würden es als "zu mühsam" empfinden, "wegen ein paar Cent" den Betreiber zu wechseln.
Dieser Trend zeigt sich auch im Festnetz. Nur 31 Prozent geben an, durch eingeben einer Vorwahl (Call by Call) mitunter einen alternativen Telekom-Anbieter in Anspruch zu nehmen. 23 Prozent wissen über diese Möglichkeit gar nicht Bescheid.
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