TA kündigt Vertrag - "Profinet" in Konkurs
- Vorstand Sattler beschuldigt Telekom: "Strategische Gründe"
- 70% der Netz-Befundübermittlung an Ärzte läuft über Profinet
Zahlungsrückstände gibt die Telekom Austria als Begründung für ihre Entscheidung an, dem Internetprovider Profinet Telekommunikations AG den "Saft" abzudrehen. Immerhin schuldet die Firma der TA einen "niedrigen einstelligen Millionen-Betrag". Trotzdem: Profinet vermutet geschäfts-strategische Gründe hinter dem Schritt.
Nach der Ankündigung der Telekom Austria (TA) hat Profinet gestern Nacht Konkurs angemeldet. Für die angedrohte Netzabschaltung sieht Profinet-Vorstand Peter Sattler aber "keine wirtschaftlichen, sondern strategische Gründe".
Die TA betont allerdings, die Profinet-Kunden erst vom Netz trennen zu wollen, wenn sie einen neuen Provider gefunden hätten.
Die Verbindlichkeiten der Profinet bei der TA belaufen sich laut Branchenkreisen auf einen niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrag.
Internet-Blase
Durch das Platzen der Internetblase, die Telekomkrise, den Preisverfall im Internetgeschäft und die Wirtschaftsflaute seien die Profinet und deren Tochter Plus Communications Handelsgesellschaft mbH in eine "extrem schwierige Situation" gekommen, erläuterte Sattler am Dienstag bei einem Pressegespräch. Seit einem halben Jahr habe sich die Situation aber wieder verbessert und Profinet schreibe seit Juli 2002 operativ wieder ausgeglichene Ergebnisse.
Die Aufkündigung der Verträge durch die TA und die angedrohte Netzabschaltung sind für Sattler daher wirtschaftlich nicht nachvollziehbar: "Die TA ist kein normaler Gläubiger. Wenn das so weitergeht, ist die Telekom-Liberalisierung in Österreich knapp vor dem endgültigen Scheitern".
Profinet habe der TA im Oktober 2002 ein Konzept vorgelegt, um die offenen Forderungen zumindest teilweise decken zu können, Bankgarantie habe man aber keine vorlegen können, so Sattler. Profinet habe der TA u.a. Telekom-Equipment wie Router und Switches zur Verwendung angeboten. Die TA habe dieses Konzept aber mangels Sicherheiten abgelehnt.
Keine sichere Finanzierung
"Wir hätten eine sichere Finanzierung und eine Bankgarantie gebraucht", meinte TA-Sprecher Martin Bredl. Die Profinet habe den überwiegende Teil der Rechnungen aus dem Jahre 2002 und Forderungen aus dem Jahre 2001 bis heute nicht beglichen. Die Kündigung der Verträge mit der Profinet sei daher weiterhin aufrecht, die Leitungen würden aber erst abgeschaltet, wenn die Kunden einen neuen Provider gefunden hätten.
Die aus acht Gesellschaften bestehende Profinet-Gruppe, die u.a. im Handelsbereich tätig ist, setzte im Telekombereich zuletzt mit 22 Mitarbeitern in Wien, Linz und Graz rund 6 Mio. Euro um. Die gesamte Gruppe kam zuletzt mit 44 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 12 Mio. Euro. Unter den rund 10.000 bis 12.000 Profinet-Kunden im Telekombereich finden sich auch Kunden aus dem medizinischen Bereich, die durch eine Netzabschaltung massiv gefährdet seien, berichtete Sattler. 70 bis 80 Prozent der gesamten elektronische Befundübermittlung an Ärzte in Österreich würden von Profinet unterstützt.
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