Montag, 27. Jänner 2003

Machtkampf bei Palmers spitzt sich weiter zu

  • Humer-Verbleib im Konzern wird wahrscheinlicher
  • Donnerstag war von permanenten Verhandlungen geprägt

Der Machtkampf um die künftige Führung des Textil- und Immobilienkonzerns Palmers ging gestern ins Finale. Nachdem die für Donnerstag anberaumte gewesene Hauptversammlung der "P" Beteiligungs AG vorgestern überraschend abgesagt worden ist, wurde in der Familie und im Konzern fieberhaft versucht, den Streit um die Ablöse von Langzeit-Chef Rudolf Humer auszuräumen und der "Rufschädigung, die durch die Ereignisse der vergangenen Tage passiert ist, beizukommen".

Im Palmers-Headquarter in Wiener Neudorf wurde permanent verhandelt. Insidern zu Folge soll Humer jedenfalls nicht - wie in einer überraschenden Aussendung der "Familie Palmers" am Montag angekündigt worden war - mit heutigem Datum aus allen operativen Funktionen ausscheiden. Im Gegenteil: Ein Abgang der bisher als potenzielle Nachfolgerin von Humer gehandelten Astrid Gilhofer wird nicht mehr ausgeschlossen.

Zieht sich Humer zurück?
Auch wenn Humer den Machtkampf zu seinen Gunsten entscheiden kann, halten es informierte Kreise für denkbar, dass sich Humer früher oder später trotzdem aus dem Vorstand der Immobilien-Firma Palmers Aktiengesellschaft in den Aufsichtsrat zurückzieht, wie dies eigentlich schon seit längerem vorgesehen war.

Noch kein offizielles Statement
Ein offizielles Statement des Konzerns - das eigentlich für gestern, allerdings nach der abgesagten HV angekündigt war - gab es bis dato nicht. In einer Presseinformation von Mittwoch Nacht wurden zur Palmers Textil AG, der operativen Kernfirma mit Schwerpunkt Wäsche, vorläufige Zahlen für das noch bis heute, 31. Jänner 2003, laufende Geschäftsjahr 2002/03 bekannt gegeben. Der Umsatz ging voraussichtlich um 4,5 Prozent zurück. Das "operative Ergebnis" sei aber trotz der flauen Konjunktur im Handel "positiv", heißt es weiter.

Im Geschäftsjahr 2001/02 hatte die Palmers Textil AG einen Netto-Umsatz von 139,4 Mio. Euro erzielt. Das bedeutete ein Wachstum von 6,5 Prozent, das vor allem auf die im letzten Jahr vor dem Euro vermehrt eingelösten Schilling-Gutscheine und -Münzen zurückgeführt wurde. Das EGT belief sich 2001/02 auf 4,2 Mio. Euro. Die seit März 2002 mit der Palmers Textil AG fusionierte Gazelle AG hat damals 31 Mio. Euro (netto) umgesetzt. 2002/03 sei dieser Umsatz um 1,6 Prozent gestiegen, hieß es am Mittwoch.

27.1.2003 14:40