Sonntag, 2. Februar 2003

Michi Dorfmeister holt Super-G-Gold in St. Moritz!

  • Silber und Bronze für Clark & Mendes (USA)
  • PLUS: Gratulieren Sie unserer Weltmeisterin Michi Dorfmeister!

Michaela Dorfmeister ist Weltmeisterin!!! Und Österreich steuert bei den Alpin-Weltmeisterschaften in St. Moritz weiter auf einem sensationellen Gold-Kurs. 24 Stunden nach Stephan Eberharters Triumph sicherte sich am Montag auch Michaela Dorfmeister Gold im Super-G. Zwei Hundertstel vor Kirsten Clark und 0,15 vor Jonna Mendes (beide USA) holte sich die Abfahrts-Weltmeistern von St. Anton ihren zweiten WM-Titel. Im Freudentaumel hat sie auch gleich ihre Rücktrittsgedanken relativiert: Ein Jahr will sie auf jeden Fall noch anhängen! Erstaunlich: Bisher haben in der Schweiz nur Österreich und die USA Medaillen gewonnen.

Im Ziel küsste Dorfmeister den Schnee, dann die Ski und erst als ihre Tränen versiegt waren, konnte die Niederösterreicherin aus dem Piestingtal erstmals wirklich vor Freude lachen. "Ich bin ein bissl baff. Ich hatte gedacht, unter den ersten Drei zu sein wäre ein Super-Ergebnis", gestand die "Flachländerin", der es bisher bei der Verteidigung ihres Weltcup-Titels nicht besonders gelaufen ist. Im Super G war die 29-jährige gerade ein Mal (Val d'Isere) auf das Podest gekommen.

Böiger Wind störte Läuferinnen
Doch an diesem Montag in St. Moritz war ihr das Glück hold. Böiger Wind spielte vor allem im oberen Flachteil eine mitentscheidende Rolle. Während Dorfmeister mit Nummer 23 leidliche Bedingungen hatte, waren die letzten sieben Läuferinnen praktisch chancenlos. Alexandra Meissnitzer (5.) und Renate Götschl (8.) wurden ebenso "verblasen" wie Olympiasiegerin Daniela Ceccarelli (out), Karen Putzer (24.), Hilde Gerg (20.) und die zweimalige Saisonsiegerin Carole Montillet (14.). Die Ergebnisliste sprach Bände.

"Das Glück war heute sicher auf meiner Seite", gab Dorfmeister auch zu, während ihre geschlagenen Teamkolleginnen sauer waren. "Wenn du oben Gegenwind hast, kannst du fahren wie du willst, du kommst ohne Geschwindigkeit ins Steile", ärgerte sich etwa Götschl und Meissnitzer sagte: "Ich habe mir so viel vorgenommen für heute, deshalb bin ich bitter enttäuscht. Bei Großereignissen immer nur Vierte oder Fünfte, das interessiert mich bald nicht mehr."

"Ein Traum ist in Erfüllung gegangen"
Für Dorfmeister hingegen ist "ein Traum in Erfüllung gegangen." Mit dem Wetterglück, den Riesentorlauf-Schuhen als "Geheimwaffe" und einer sauberen Fahrt auf dem vom ÖSV-Coach Bernd Zobel wie erwartet technisch schwierig und drehend gesetzten Kurs entschied sie das Hundertstel-Duell gegen die immer stärker werdende Kirsten Clark, die ja auch im Abfahrts-Weltcup führt, knapp für sich. Wirklich überraschend war nur Platz drei für Jonna Mendes, die bisher mehr durch ihr verrücktes Verhalten am Start als durch Ergebnisse auf sich aufmerksam gemacht hat.

Dorfmeister ist aber in Summe alles andere als eine Glücksritterin. "Man kann nur weiter kämpfen und an sich glauben, irgendwann kommt alles zurück", hatte Dorfmeister vor dem WM-Auftakt ihr vergangenes Pech bei Titelkämpfen abgehakt. Vor einem Jahr bei Olympia etwa hatte sie Medaillen nur hauchdünn verpasst und legendär ist ja längst der Olympia-Super-G von Nagano, in dem Dorfmeister ein Hundertstel hinter Picabo Street (USA) Silber holte. Diesmal ging Gold aber an Austria und nicht in die USA.

Alpinchef Pum hoch erfreut
ÖSV-Alpinchef Hans Pum sah Dorfmeister aber ganz und gar nicht als Zufallssiegerin. "Sie war im Weltcup immer sehr schnell, hat aber auch immer wieder Fehler gemacht. Deshalb war sie für mich eine der Favoritinnen." Den tollen WM-Auftakt mit Gold in beiden Super G bezeichnete Pum als sensationell. "Einen besseren Auftakt kann man sich nicht wünschen."

2.2.2003 14:55