Samstag, 1. Februar 2003

Super G der Damen: Der Sieg führt über Götschl

  • Nach Sieg in Cortina ist sie eine Top-Favoritin
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Für die Damen beginnt am Montag mit dem Super G (12:30 Uhr LIVE auf NEWS Networld) die Alpin-WM in St. Moritz. Mit Renate Götschl gibt es eine unerwartete Topfavoritin aus Österreich. Mit ihren zwei Siegen vor drei Wochen in Cortina hat sich die Steirerin zehn Monate nach ihrer schweren Knieverletzung wieder als Speed Queen etabliert. Neben Götschl starten am Montag Michaela Dorfmeister, Alexandra Meissnitzer und Brigitte Obermoser.

Genau elf Monate nach ihrer schweren Knieverletzung am 3. März vergangenen Jahres in Lenzerheide nimmt Götschl am Montag den ersten Anlauf auf eine WM-Medaille. "Natürlich war die Teilnahme an dieser WM ein Motor für mein Comeback", gibt Götschl zu. "Dass ich aber nun tatsächlich hier bin, war nicht immer wirklich klar." Sie will aber ihren Leidensweg nicht mit jenem von Maier vergleichen. "Gegen seine Verletzung war meine ja ein Klacks. Aber sicher hilft die Routine, wenn man ein Mal oben war, wieder dorthin zurück zu kommen."

Verletzung als Neuanfang
Die Parallelen sind eher wo anders zu suchen. Eine schwere Verletzung ist für Spitzensportler immer eine neue Herausforderung. Es ist, so Götschl, "wie wenn man einem alles weg nimmt. Man lernt daher, den eigenen Körper neu kennen, mit sich selbst besser umzugehen und übt sich in erster Linie in Geduld." Dinge, die auch Maier kennen gelernt hat.

Seit Cortina hat Götschl wieder Spaß
Fünf Monate nach der Operation stand Götschl vergangenen August erstmals wieder auf Ski, "seit dem habe ich jeden Tag optimal genutzt." Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bereits im zweiten Rennen stand die Obdacherin in Lake Louise wieder auf dem Podest, das neunte gewann sie in Cortina, wo sie mit zwei Siegen und einem zweiten Platz brillierte. Seit Cortina ist auch das Vertrauen wieder da, "es macht wieder totalen Spaß Ski zu fahren, weil nichts mehr weh tut."

Besser als je zuvor
Götschl hat die Zwangspause offenbar optimal genützt. Die ebenso geniale wie manchmal chaotische Vollblut-Rennfahrerin hat sich in den schnellen Disziplinen stabilisiert, zusammen mit Trainer Walter Hlebayna einige Schwachpunkte ausgemerzt und den Skischuh gewechselt. "Heute steh ich mittig auf dem Ski, muss nichts mehr außergewöhnliches machen, es gibt kaum noch die Gefahr eines Ausrittes", so Götschl. "Jedes Schlechte hat also auch sein Gutes."

Götschl muss sich nichts mehr beweisen
Mit der überraschenden Favoriten-Rolle in St. Moritz hat Götschl kein Problem. Sie wird wieder auf den Cortina-Ski zurück greifen, ÖSV-Trainer Bernd Zobel wird den WM-Super-G ähnlich drehend setzen wie jenen in Cortina, den Götschl gewonnen hat. "Natürlich ist bei einer WM eine Medaille das Ziel. Aber ich habe schon so viel erreicht, muss also weder mir noch anderen etwas beweisen", lässt sich Götschl aber nichts aufschwatzen.

Kein Start in der Kombination
1997 hat sie in Sestriere mit der einzigen Goldmedaille (Kombi) Österreich gerettet, vor einem Jahr bei Olympia mit zwei Medaillen das Damenteam heraus gerissen. Fünf WM- und zwei Olympia-Medaillen stehen bei Götschl zu Buche, in St. Moritz soll es die eine oder andere mehr werden, auch wenn sie die Kombination definitiv gestrichen hat. "Sinnlos, wenn du ein Jahr nicht Slalom trainierst."

Aber Götschl hat sich in der Schweiz nicht einmal Minimalziele gesetzt. "Ich will fahren was ich kann und schauen was raus kommt. Allein dass ich hier bin, ist schon so viel. Die WM ist eine Zugabe."

1.2.2003 16:17