Herminator: Wie er seinen Triumph in Kitz sieht
- "Ich bin überwältigt von dem, was mir heute gelungen ist!"
Zwar haben wegen der Verschiebung auf Montag nur 2.000 Fans am Montag den historischen Super-G-Sieg von Hermann Maier in Kitzbühel live vor Ort miterlebt, die Begeisterung um den "Herminator" war trotzdem enorm. "Ich bin überwältigt von dem, was mir heute gelungen ist. Das ist das schönste, was mir bis jetzt passiert ist", erklärte der sichtlich gerührter Maier, der sich hunderten Reporter-Fragen und jubelnden Fans zu stellen hatte.
22 Monate nach seinem letzten Sieg und 17 Monate nach dem schweren Unfall aber nur 13 Tage nach seinem Comeback stand Maier in Kitzbühel in seinem erst fünften Rennen seit der Rückkehr schon wieder ganz oben auf dem Siegespodest. "Bei der Bundeshymne schossen mir die Gedanken durch den Kopf, was da alles in letzter Zeit passiert ist", gestand der Salzburger.
Als absoluten Schlüsselmoment auf dem Weg zum 42. und sicherlich bedeutendsten Weltcup-Erfolg sieht Maier die Stunden unmittelbar nach seinem Unfall. "Da haben die Ärzte die richtigen Entscheidungen getroffen. Wäre es anders gelaufen, dann wäre es schon damals vorbei gewesen", so Maier. Damals hatten die Ärzte einen Hautlappen vom Oberarm zum Bein transplantiert und damit dessen spätere volle Funktionsfähigkeit möglich gemacht.
Mittlerweile ist Maiers rechter Fuß fast schmerzfrei. "Nach der Abfahrt und der starken Belastung in der Querfahrt hatte ich kleinere Probleme, heute war ich schmerzfrei." Noch Anfang Dezember, während Werbeaufnahmen in Südafrika, hatte sich der 30-Jährige in einem mentalen Tief befunden. "Ich war niedergeschlagen und dachte, dass ich es in dieser kurzen Zeit nicht schaffe, wieder zurück zu kommen." So richtig an seine Rückkehr geglaubt hat Maier erst Anfang Jänner beim Training mit Christoph Gruber und Co. auf der Reiteralm, wo er deutliche Fortschritte machte: "Da hab ich gemerkt, dass es wieder funktionieren könnte."
"In gewisser Hinsicht", sagt Maier, "hat mir der Unfall sogar weiter geholfen, denn ich konnte in letzter Zeit viele Sachen machen, mich ein wenig ausleben. Jetzt habe ich sogar mehr Freude am Skisport als vorher und nehme das ganze vielleicht noch ernster als zuvor." Dass es aber so schnell gegangen ist, war selbst für Maier überraschend: "Ein wenig spekulieren darf man immer, aber mit dem Sieg hab ich nicht gerechnet."
Ein Sieg, der auch auf Grund der eigentlich Maier-unfreundlichen Bedingungen am Montag in Kitzbühel immens hoch einzustufen ist. Denn zuletzt hatte der ÖSV-Superstar stets betont, dass die Handbremse im Hinterkopf noch mitfährt. "Früher hätte der Schneefall und die schwierige Querfahrt für mich gesprochen, heute aber eigentlich überhaupt nicht", konnte Maier seinen Sieg gar nicht richtig fassen. Obwohl er nun eindrucksvoll auf den WM-Zug aufgesprungen ist, möchte er noch nicht über St. Moritz sprechen: "Das was dort kommt, ist nur noch Zugabe."
