Montag, 27. Jänner 2003

Geschichtsträchtiger Kulm empfängt Weltcup-Tross

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Seit 53 Jahren ist der Kulm in Bad Mitterndorf Schauplatz der "Könige der Lüfte". Auf der größten Naturflugschanze der Welt wird am Wochenende wieder um Weltcup-Punkte gekämpft, bisher gab es ein Dutzend Weltcup-Bewerbe auf dieser traditionellen Anlage. Der Weltcup-Tross kehrt nach einer dreijährigen Pause auf den Kulm zurück, der aber nun wieder stärker frequentiert wird: Im Jahr 2006 wird auf der Flugschanze zum vierten Mal nach 1975, 1985 und 1996 der Skiflug-Weltmeister gekürt, in der Saison davor gibt es eine Vor-WM.

Die Anlage ist bei den Athleten sehr beliebt, weil sie ein "klassisches" Profil und eine angenehme Flugkurve mit hohem Luftstand schon im ersten Flugteil bietet. Doch nicht nur darum ist Bad Mitterndorf eine gern gesehene Station im langen WM-Winter. "Der Kulm ist sicher ein fixes Highlight. Es ist die einzige "noch lebende" Naturschanze. Bad Mitterndorf ist ein Ort, wo es noch nostalgisch zugeht. Da gibt es keine Fünf-Sterne-Hotels, die Springer werden in Pensionen untergebracht und es ist dort sehr bodenständig", beschreibt Armin Kogler die spezielle Atmosphäre des steirischen Wintersport-Orts, der etwa 70 km südöstlich von Salzburg liegt.

Zeit ist stehen geblieben
Dort könne man in ein Lokal gehen und plötzlich einen Tisch voller Skispringer entdecken. "Ein bisserl ist die Zeit dort schon stehen geblieben", sagte Kogler. Dem Skiflug-Weltmeister von 1979 blieb ein Sieg auf dem Kulm zwar verwehrt, dafür schlugen sich Österreichs "Adler" allgemein dort immer sehr gut.

Goldi hofft auf "schönen Kulm-Abschluss"
Nach Premierensieger Rudi Dietrich (AUT) vor 53 Jahren vor auch Sepp "Buwi" Bradl zwei Mal erfolgreich. Veranstalter Hubert Neuper gewann den ersten Weltcupbewerb 1982, sein Vater Hubert Neuper senior hatte den Bakken 1950 eingeweiht. Unvergessen sind freilich auch die Skiflug-WM-Goldmedaillen, die Andreas Felder 1986 und Andreas Goldberger zehn Jahre später geholt haben. Für "Goldi" ist es der letzte Auftritt an der Stätte seines größten Triumphs. "Ich hätte gerne noch einmal so einen Erfolg wie 1996, das wäre ein schöner Kulm-Abschluss", hofft der 30-Jährige, der ja in Japan nicht dabei war und sich ganz auf den Heimbewerb konzentrieren konnte.

Kulm als Gradmesser
Auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften in Val di Fiemme ist der Kulm gerade für das heuer so enorm starke und dichte ÖSV-Team ein wichtiger Gradmesser. Die "jungen Wilden" wie Thomas Morgenstern, Christian Nagiller, Florian Liegl und Andreas Kofler kommen allesamt zum ersten Mal zum Skifliegen auf den Kulm. In Bezug auf die Jungstars im ÖSV-Team hat ORF-Co-Kommentator Armin Kogler gewisse Sorgen: "Es geht mir alles ein bisserl zu schnell, die Erfolge kommen viel zu explosiv. Wenn man auf einmal ganz oben ist, kann es schwer sein, Rückschläge zu verdauen." Kogler verglich dies mit den "Pop-Sternchen" von Starmania. "Die jungen Leute fühlen sich wie im siebenten Himmel, wenn sie vor so großem Publikum auftreten. Danach sind sie aber auch schnell wieder weg", erklärt Kogler. Für den Menschen könne ein zu rascher Erfolg von Nachteil sein, gab er zu bedenken.

Weltrekord bleibt unangefochten
Sicher ist hingegen, dass der Skiflug-Weltrekord von Goldberger (225 m) zumindest bis zum Weltcup-Finale in Planica unangefochten bleibt. Die Rekordjagd hat man in Bad Mitterndorf aufgegeben. "Wenn das Wetter passt werden wir heuer den ersten 210-m-Flug auf dem Kulm erleben", verspricht OK-Chef Hubert Neuper. "Für uns ist wichtig, dass die Ästhetik dieses Sports im Vordergrund bleibt, und da ist es egal, ob man nun 210 oder 220 m weit fliegen kann." Den Schanzenrekord hält Takanobu Okabe (JPN/1997) mit 205 Metern, Goldberger ist vor drei Jahren bei 209,5 m gestürzt. Die meisten Flüge über 200 m hat bisher Martin Schmitt (21 x) zu Buche stehen, gefolgt von Sven Hannawald (20) und Andreas Goldberger (17). Bisher gab es in Bad Mitterndorf 15 Flüge jenseits der 200-m-Marke.

27.1.2003 17:02