Samstag, 1. Februar 2003

Potenzieller Attentäter in Prag verhaftet

  • Angeblich Anschläge auf israelische und US-Botschaft geplant

Die tschechischen Behörden haben nach einem Bericht des Magazins "Focus" einen jungen Palästinenser verhaftet, der Anschläge auf die amerikanische und die israelische Botschaft in Berlin geplant haben soll. Der Mann, der sich als Mitglied der Gruppen Islamischer Dschihad und Hamas ausgegeben habe, sei am Dienstag mit gefälschten Papieren ím Transitraum des Prager Flughafens verhaftet worden, meldete "Focus" am Samstag im Voraus.

Informationen des israelischen Geheimdienstes an das deutsche Bundeskriminalamt (BKA), ein Attentäter versuche nach Berlin zu gelangen, hätten zu einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in der Bundeshauptstadt geführt.

Ein BKA-Sprecher sagte in Wiesbaden, die Festnahme des Mannes sei bekannt. Das BKA stehe deshalb mit den tschechischen Behörden in Kontakt. "Focus" zufolge ergab eine Datenfahndung mehrerer nationaler Polizeibehörden und Geheimdienste, dass der verhaftete Walid M. offenbar der genannte potenzielle Attentäter sei. M. sei bei der Einreise in Prag von sieben weiteren Palästinensern begleitet worden, die nach seiner Festnahme politisches Asyl beantragt hätten. Die Polizei habe bei den Männern zahlreiche Rasierklingen gefunden, die sie in Socken versteckt hätten. Sicherheitsexperten rätselten, warum die Männer die heimlich transportierten Socken mit ins Flugzeug nehmen wollten.

Der Hamburger Verfassungsschutz hatte nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einen Informanten in der Al-Quds-Moschee, der die Behörden mit Erkenntnissen über Moslem-Extremisten um den späteren Todespiloten Mohammad Atta versorgte. Außer Atta seien auch der mutmaßliche Organisator der Anschläge vom 11. September, Ramzi Binalshibh, und der vor dem Hamburger Oberlandesgericht angeklagte Mounir Al Motassadeq ins Visier der Verfassungsschützer geraten.

Die Informationen seien aber erst nach dem 11. September genutzt worden, um so genannte Schläfer in der Hamburger Islamisten-Zelle zu identifizieren. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz habe Motassadeq und andere Drahtzieher der Zelle überwacht. Beide Behörden hätten es jedoch versäumt, ihre Erkenntnisse auszutauschen.

1.2.2003 15:19