Samstag, 1. Februar 2003

Irak droht mit "tausenden" Selbstmordattentaten

  • Powell legt Sicherheitsrat Geheimdienst-Beweise vor

Angesichts zunehmenden Drucks aus den USA hat der Irak bei einem Militärangriff mit Selbstmordanschlägen gedroht. "Die Selbstmord-Märtyrer sind unsere neuen Waffen, und die werden nicht nur im Irak zum Einsatz kommen", sagte Vizepräsident Taha Yassin Ramadan in einem am Samstag veröffentlichten "Spiegel"-Gespräch. Machthaber Saddam Hussein drohte den USA bei einem Einmarsch in die Hauptstadt Bagdad mit dem Tod von bis zu "einer Million Soldaten". Am Vorabend hatte sich US-Präsident George W. Bush bei einem mehrstündigen Treffen mit Großbritanniens Premier Tony Blair laut Presseberichten auf eine letzte sechswöchige Frist für Saddam Hussein geeinigt.

Die Führung in Bagdad werde "tausende von Selbstmordattentätern einsetzen", sagte Ramadan. Ein Krieg werde sich zum "Flächenbrand in der ganzen Region ausweiten" und die arabische Welt für die USA "zu einem Meer aus Widerstand und Gefahr" machen. Saddam Hussein bekräftigte bei einem Treffen mit ranghohen Militärs in Bagdad seine Einschätzung, dem US-Militär werde die Einnahme der Hauptstadt nicht gelingen. "Sogar wenn der Feind eine Million Soldaten schickt, werden wir sie töten."

"Irak-Krieg in sechs Wochen", titelte die britische "Times" unter Berufung auf Londoner Regierungsvertreter. Auf diese letzte Frist hätten sich Bush und Blair bei ihrem Treffen in Washington verständigt, berichteten mehrere britische Zeitungen. Bush hatte widerstrebende Zustimmung zu einem UNO-Mandat für einen Angriff auf den Irak erkennen lassen: Eine zweite Resolution sei willkommen, wenn sie den Druck auf die Führung in Bagdad erhöhe. Ein militärisches Vorgehen sei jedoch bereits durch die UNO-Resolution 1441 gedeckt, sagte Bush. Blair will beim französischen Präsidenten Jacques Chirac am Dienstag für die gemeinsame US-britische Haltung werben.

Powell legt neue Beweise gegen den Irak vor
Zu der für Mittwoch geplanten Sitzung des UNO-Sicherheitsrates will der Irak einen ranghohen Vertreter schicken. Der irakische UNO-Botschafter Mohammed el Duri habe eine entsprechende Anfrage gestellt, teilten UNO-Diplomaten in New York mit. In der vom deutschen Außenminister Joschka Fischer geleiteten Sitzung will US-Außenminister Colin Powell neue Informationen über irakische Verstöße gegen die UN-Resolution 1441 präsentieren. Einem Pressebericht zufolge handelt es sich dabei unter anderem um elektronisch abgefangene Gespräche irakischer Beamter und Militärs. Sie sollen laut "Newsweek" belegen, dass der Irak die UNO-Inspektoren wiederholt belog und Pläne für Waffenverstecke ausarbeitete.

Angriffsziele im Irak werden gesucht
Britische und US-Spezialkräfte kundschafteten einem Zeitungsbericht zufolge mehrere mögliche Angriffsziele im Irak aus. Mehr als 70 Soldaten der US-Truppe "Delta Force" sowie 35 Agenten des britischen "Special Air Service" (SAS) hätten in der westirakischen Wüste in einem sechstägigen Einsatz die Positionen von Raketen-Abschussrampen überprüft, berichtete der Londoner "Daily Telegraph" unter Berufung auf Verteidigungsexperten. Dabei habe es sich in der aktuellen Krise um den ersten Einsatz alliierter Streitkräfte auf irakisch kontrolliertem Boden gehandelt. Den Zeitraum der Mission nannte das Blatt nicht.

1.2.2003 11:46