Mittwoch, 29. Jänner 2003

Gbagbos Regierungspartei lehnt Friedensplan ab

  • Rebellenchef drängt Paris zu Evakuierung der Franzosen
  • Armee und Regierungs lehnen Zugeständnisse an Rebellen ab

Nach den Streitkräften der westafrikanischen Republik Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) lehnt auch die Regierungspartei von Staatspräsident Laurent Gbagbo den Friedensplan ab. Die Vereinbarung war unter französischer Federführung zur Beendigung des im vergangenen September ausgebrochenen Bürgerkrieges ausgearbeitet worden.

Kommunikationsminister Seri Bailly von Gbagbos Arbeiterpartei erklärte am Donnerstag dem Radiosender BBC, einige Kernpunkte des in Paris ausgehandelten Abkommens mit den Rebellen könnten nicht akzeptiert und müssten überdacht werden.

Insbesondere nimmt die Regierungspartei daran Anstoß, dass die Rebellen in einer zu bildenden "Regierung der Nationalen Versöhnung" den Innen- und den Verteidigungsminister stellen sollen. "Der Präsident muss auf sein Volk hören", sagte Bailly. Eine für Donnerstag angekündigte Fernsehrede Gbagbos wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Rebellenchef der "Patriotischen Bewegung" (MPCI), Guillaume Soro, forderte am Mittwochabend im französischen Fernsehen LCI, die in dem Krisenland lebenden rund 20.000 französischen Staatsbürger sollten "dringend" in Sicherheit gebracht werden, da sie im Land "als Geiseln gehalten werden". Die französische Regierung hatte zuvor erklärt, sie sei bereit, ihre Staatsbürger aus dem westafrikanischen Land herauszuholen. In Paris landete in der Nacht auf Donnerstag ein Flugzeug mit 264 Franzosen, die von großen französischen Unternehmen aus Abidjan evakuiert worden waren. Viele Passagiere zeigten sich überzeugt, rasch in das Land zurückzukehren zu können.

Der Friedensplan beschneidet die Machtbefugnisse des Präsidenten deutlich, dessen Rücktritt ursprünglich von den drei Rebellengruppen gefordert worden war. An der Spitze der zu bildenden "Versöhnungsregierung" soll der moslemische Politiker und ehemalige Premier Seydou Diarra stehen. Der Führer der stärksten Rebellengruppe, Soro, hatte Präsident Gbagbo vorgeworfen, ein "Doppelspiel" zu betreiben. Gleichzeitig forderte er die französische Regierung auf, die volle Verantwortung für die Einhaltung des Friedensabkommens zu übernehmen.

29.1.2003 08:04