Montag, 27. Jänner 2003

Neue antifranzösische Proteste in Cote d'Ivoire

  • Regierungsanhänger demonstrieren vor Botschaft in Abidjan

In der westafrikanischen Republik Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) haben am Montag Hunderte von Menschen teilweise gewaltsam vor der französischen Botschaft in Abidjan protestiert. Anhänger von Staatschef Gbagbo sind verärgert darüber, dass die ehemalige Kolonialmacht den Konflikt mit friedlichen Mitteln beenden will, was für den Präsidenten einen Machtverlust bedeutet.

Das Eingangstor der diplomatischen Vertretung der ehemaligen Kolonialmacht in der ivorischen Wirtschaftsmetropole wurde erneut mit Steinen beworfen. Vor einem französischen Militärstützpunkt hielten sich weiter einige Dutzend junger Demonstranten auf, die am Vortag nach Steinwürfen mit Tränengas auseinander getrieben worden waren. Am Sonntag hatten zehntausende Anhänger von Staatspräsident Laurent Gbagbo französische Einrichtungen in Brand gesetzt und dabei auch die Botschaft beschädigt.

Frankreich versucht seit Wochen, den Bürgerkriegskonflikt in dem westafrikanischen Staat mit friedlichen Mitteln zu lösen. 2.500 französische Soldaten sollen eine Waffenruhe sichern. Auf einer Konferenz in Marcoussis bei Paris einigten sich die Regierung und die verschiedenen Rebellengruppen am vergangenen Wochenende auf ein Friedensabkommen, das die Bildung einer "Regierung der Nationalen Einheit" unter dem moslemischen Kompromiss-Premier Seydou Diarra vorsieht.

Gbagbo schießt quer
Der ivorische Präsident Laurent Gbagbo hat vor tausenden Anhängern den am Sonntag in Marcoussis bei Paris ausgehandelten Friedensplan für das westafrikanische Land als eine Reihe von "Vorschlägen" bezeichnet. "Keine Sorge, was in Marcoussis gesagt wurde, waren allerdings nur Vorschläge", sagte Gbagbo am Montag im staatlichen Fernsehen. Die Verfassung könne trotz der Vereinbarung von Paris ohne Referendum nicht verändert werden.

27.1.2003 20:14